Die Medizinische Sektion veranstaltet am 2. Juni, 19 Uhr, eine weitere Dialogvorstellung, diesmal zum Thema ‹Eingriff in das menschliche Genom›. Als Gast ist der Arzt Oswald Hasselmann eingeladen.
Als ‹Genome Editing› (Genomchirurgie) bezeichnet man molekularbiologische Methoden zur präzisen Veränderung von DNA bei Pflanzen, Tieren und Menschen. Mithilfe von ‹Genscheren›, insbesondere der CRISPR/Cas9-Technik, können Erbgutbausteine gezielt entfernt, hinzugefügt oder ersetzt werden. Die Technologie verändert rasant Medizin und Pflanzenzüchtung, macht vielen schwer kranken Menschen mit der Entwicklung einer ‹Gene Replacement Therapy› (Gentherapie) Hoffnung und birgt zugleich ethische und sicherheitsbezogene Risiken und offene Fragen. Im ‹Goetheanum› 49/2020 beschrieb Johannes Wirz, Biologe am Goetheanum, diese Gentechnik: Bakterien können Gensequenzen von Viren in ihr eigenes Genom einbauen. Die Orte des Einbaus bestehen aus kurzen Sequenzen, die vorwärts und rückwärts gelesen gleich lauten, es sind also Palindrome wie zum Beispiel ‹Anna› oder ‹Reittier›. Sie wurden deshalb ‹Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats›, kurz CRISPR, genannt. Wirz und seine Mitarbeitenden konnten in Versuchen mit gentechnisch veränderten Tomaten, Kartoffeln und Weizen zeigen, dass der Einbau einer einzigen Gensequenz die ganze Pflanze betrifft. «Unsere Voraussage, die wir auf dem Hintergrund der goetheschen Typusidee gemacht hatten, bestätigte sich in unseren Versuchen vollkommen.» Die Gentechnikerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna, die für die CRISPR-Technik den Nobelpreis erhielten, haben bei Pflanzen und Tieren keine Bedenken, aber sehr wohl beim Menschen. Hier seien viele ethische Diskussionen nötig, so die Forscherinnen. Johannes Wirz über die ethischen Fragen: «Als ich meine Dissertation schrieb, konnten zwar Tabak und Petunien gentechnisch verändert werden, nicht aber Getreidepflanzen wie Weizen und Mais. Etwas naiv glaubte ich, dass der ‹liebe Gott› hier eine Schranke gesetzt hatte. Heute wachsen auch gentechnisch veränderte Getreide auf den Äckern. Die Grenzen des Machbaren werden nicht mehr von den Göttern gesetzt, sondern müssen vom Menschen selbst gesteckt werden.» Auf diese Fragen werden die Verantwortlichen der Medizinischen Sektion im Gespräch mit Oswald Hasselmann, Kinderneurologe und medizinischer Leiter der Schweizerischen Gesellschaft für Biomedizinische Ethik, eingehen. Ein Link für die Onlineteilnahme wird auf der Homepage der Sektion zu finden sein.
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