Weimar, Deutschland. Auf einer Studienreise nach Weimar lernen die Teilnehmenden des Goetheanum-Anthroposophie-Studiums Rudolf Steiners frühe biografische Erfahrungen im Zusammenhang mit den Werken von Goethe, Schiller, Nietzsche und der Bauhaus-Kunstschule kennen. Im Interview mit Andrea de la Cruz, Koordinatorin für Studium und Weiterbildung, berichtet Nicolas Sanchez Goñi von seiner Erfahrung.
Was hat dich dazu bewogen, Anthroposophie am Goetheanum zu studieren? Meine Hingabe. Der Wunsch, meinen individuellen Weg in einem Umfeld von Gleichgesinnten zu gehen. Ich gehe lieber in den Garten, wo das Gemüse wächst, anstatt es später im Laden zu kaufen; ich mag das Frische. Hierherzukommen bedeutet ebenso, die Anthroposophie auf eine frische Weise zu erleben, mit meinem physischen, seelischen und geistigen Leib. Es ist also auch eine Suche nach Integrität. Und: Während meiner Auseinandersetzung mit verschiedensten Denkweisen und Traditionen war mir, als pflegte die Anthroposophie eine innere Verwandtschaft zu all den anderen Wegen. Sie kam in mein Leben zu einer Zeit, als ich Antworten auf Erfahrungen brauchte, die für mich vielleicht etwas verfrüht kamen. Und sie half mir, das, was ich vorher nur in einer idealen, gedanklichen Form erreichen konnte, ins praktische Leben zu überführen.
Welche Rolle spielte aus deiner Sicht die Studienreise nach Weimar für das Studienprogramm? Sie hat mir geholfen, meinen Umgang mit den Menschen zu transformieren, die mich inspirieren und die für mich Quellen von Wissen sind. Zu sehen, wie Steiner dem Werk von Personen, die er bewunderte, seine ganz eigenen Nuancen hinzufügte, dient mir nun als Vorlage, mit seinem Werk dasselbe zu tun. Ich fühle mich dazu eingeladen, die Früchte zu ernten, die andere angepflanzt haben, und die Samen auszusäen und zu pflegen, die nun zu keimen beginnen. Als neuer Student half mir die Reise auch dabei, mich stärker mit der Gruppe verbunden zu fühlen.
Welche Fragen möchtest du in diesem Trimester vertiefen? Ich möchte mehr über Michael, Christus und die Beziehung zwischen ihnen erfahren – ebenso über das Verhältnis zwischen Christus, Ahriman und Luzifer sowie den Kräften, die Christus entgegenwirken. Ich möchte eine Art Sicherheitsprotokoll dafür entwickeln, subtilere Schichten der Wirklichkeit zu erleben, mit dem ich meine innere Mitte in einem Prozess der Bewusstseinserweiterung bewahren kann. Eine weitere grundlegende Frage ist, wo oder wann eine Individualität entsteht und wo die Unterschiede zwischen einer Individualität und einer anderen beginnen. Mich interessieren auch die Herausforderungen, mit denen sich die Anthroposophische Gesellschaft heutzutage konfrontiert sieht.

