Was gibt es doch für viele dornige Pfade, die ich gehen muss! Und ich muss überall durch, und nur ich allein bin der Maßstab für mich selbst, ich muss alles selbst herausbekommen und selbst meine eigenen Formulierungen und meine eigenen kleinen Wahrheiten finden. Manchmal verwünsche ich die schöpferischen Kräfte in mir, die mich zu weiß Gott welchen Dingen antreiben, aber zuweilen erfüllt mich auch große Dankbarkeit, fast schon Ekstase. Und diese Höhepunkte der Dankbarkeit dafür, so voll Leben sein zu dürfen, und für die Möglichkeit, die Dinge allmählich begreifen zu können, wenn auch auf meine Weise, lassen mir jedes Mal wieder das Leben der Mühe wert erscheinen, sie werden immer wieder zu den Pfeilern, auf die sich mein Leben stützt.
Etty Hillesum
Aus: Das denkende Herz. Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941–1943. Hrsg. und eingeleitet von J. G. Gaarlandt, Reinbek bei Hamburg 2006, S. 68. Auszug aus dem Eintrag vom 21. Nov. 1941.
Nur ich selbst vermag die Substanz zu schaffen, auf die sich das eigene Leben stützt. In Herausforderungen und mit Widerständen verdichtet sich diese Substanz zu einer Stabilität, die unumstößlich ist.
Kommentar Johanna Lamprecht
Zeichnung Philipp Tok



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