Im Schoß liegen

Wie wäre es, wenn du für dich selbst die Mutterschaft übernehmen würdest? Diese Frage wurde in eine Menschenrunde hineingestellt, vor dem inneren Auge die Pietà Michelangelos, kurz nach Ostern:

Die Welt würde für einen Moment aufhören. Es wäre still und weich und warm. Es wäre wie das Schaffen eines liebevollen Raumes für mich, wie eine schöne Einsamkeit, in der die Dinge Zeit haben. Ich könnte mir diese hüllende Geste selbst geben und müsste sie nicht im Außen suchen. Es wäre eine Honigstimmung, die jegliche Fremdheit ausschließt. Ein Bejahen dessen, was entsteht, ohne dass man irgendetwas weiß. Ich könnte mir selbst im Schoß liegen und mich selbst tragen. Aber ich bin untragbar für mich. Und habe ich mich selbst denn schon geboren? Und müsste ich auch meinen eigenen Leichnam tragen können, all jenes, was stirbt in mir, was schwer auszuhalten ist an mir? Wenn auch mein ‹Krüppelsein› geboren werden kann, nur dann bin ich ganz hier. Das ist unglaublich schwer, wie eine Geburt. Dafür brauche ich jedoch die Hilfe anderer. Wie gebäre ich also die Mutter in mir? Ich kann meinen Engel lieben und ihn zu mir einladen, sodass ich in ihm wohnen kann. Meinem eigenen Geistwesen gegenüber kann ich selbst Mutter sein, doch in dieser Welt ist es ein Geschenk, von meiner Mutter geboren worden zu sein. Danke.


Bild Pietà von Michelangelo, ca. 1499, Petersdom, Vatikanstadt, CC BY-SA 4.0

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