Zwei Momente sind es, da wird es in einer Gemeinschaft wie von Zauberhand dicht und innig. Es sind Augenblicke, in denen sich über die Gruppe der Himmel senkt, und es geschieht dann, wenn es sprichwörtlich um Leben und Tod geht, wenn aus dem Leben eines Menschen oder über das Leben eines Menschen gesprochen wird. Im ersten Fall ergreift man selbst das Wort und schildert den Gang, die Stationen des eigenen Weges. Es gibt wohl keinen solchen Lebensbericht, wo die Zuhörenden nicht still werden und staunen über die rätselhaften Fügungen und Besonderheiten, die das Leben zur Biografie, zur Lebensschrift erhöhen. Im zweiten Fall sind es die Zeugen und Zeuginnen eines abgeschlossenen Lebens, die die Lebensspur des Verstorbenen erzählen. Auch hier braucht es nur wenige Sätze und schon glimmen – auch wenn Tragisches in der Erzählung seine Schatten wirft – Weisheit und Tiefe der Lebensspur auf. Wie ein Gottesdienst der Neuzeit ist, wenn es so um Leben und Tod geht, der Geist unter uns – ein Pfingstereignis. Wir sollten häufiger und leidenschaftlicher über unsere Leben sprechen und so den großen Schatz – das gelebte Leben –, den jeder und jede mit sich führt, teilen. Denn auch hier gilt, wie für alles Immaterielle: Was man teilt, wächst.
Fotos Nikoline Arns, Zeynep S, Collage: F. Roschka

