Die Freiheit, zu sein, wer wir sind

Vom 19. September bis 12. Dezember veranstaltet der International Campus Waldorf eine Online-Ringvorlesung zum Thema ‹Chances and Challenges of Global Education›, bei der Dozierende aus aller Welt auf Englisch zu verschiedenen Themen vortragen. Eine Zusammenfassung der Vorlesung von Sven Saar über Sexualität, Diversität und Menschlichkeit.


Sven Saar ist ehemaliger Waldorflehrer und arbeitet heute als Mentor und Ausbilder neuer Lehrkräfte. In seinem Vortrag namens ‹Sexuality, Diversity and Humanity in the Waldorf Curriculum› lädt er zur Offenheit gegenüber neuen Ansätzen für die Sexualkunde und den Waldorfunterricht generell ein. Wie schon in dem von ihm herausgegebenen Buch ‹Beziehungskunst› spricht Saar nicht nur vom Lernen über klassische Sexualkundethemen wie sexuelle Gesundheit und Verhütung. Darüber hinaus sei nicht nur das Fördern von emotionaler Intelligenz, Respekt und Empathie wichtig, sondern auch, als Lehrperson eine inklusive Welt zu vermitteln, in der sich alle Jugendlichen auf ihrem individuellen Weg gesehen und repräsentiert fühlen. Laut Saar gehört dazu, dass Pädagoginnen und Pädagogen ihr eigenes normatives Denken reflektieren und in ihrem Unterricht Platz schaffen für kulturelle Diversität, Gender-Sensibilität und für verschiedenste Beziehungsgefüge und Familienkonstellationen. Es gehe letztendlich darum, ein Umfeld der Freiheit zu kreieren, in dem Kinder und Jugendliche sich so entwickeln können, wie es ihnen entspricht, auf dass sie zu den Menschen werden, die sie wirklich sind. Dafür sei es essenziell, die existierende Vielfalt an Lebenswegen und Lebensrealitäten aufzuzeigen. Von der Lehrperson, die Sexualkunde unterrichtet, verlange dies eine mutige und humorvolle Haltung, mit der ein sicherer Raum kreiert wird, in dem über alles gesprochen werden kann. Bei all den Auswahlmöglichkeiten dazu, wie und wer wir sein wollen, brauche es trotzdem Werkzeuge zur eigenen Orientierung, betont Saar in seinem Vortrag. Heranwachsende müssten aus vielen verschiedenen Welten an Idealen und Ideen diejenigen auswählen, die für sie eine persönliche Bedeutung haben. Bei der Wahl einer dieser Welten helfe eine Qualität, die sich ins Deutsche als Güte oder Gutmütigkeit übersetzen lässt: ‹kindness›. Saar definiert diese menschliche Eigenschaft als die Fähigkeit, eine positive Wirkung auf das eigene Umfeld zu haben. Ist die Wahl einer persönlichen Welt von ‹kindness› geprägt, dann ist sie gesund; nicht nur für einen selbst, sondern auch für alle anderen. Saar schließt seine Vorlesung in diesem Sinne mit einem Zitat von Jennifer Dukes Lee ab: «In a world where you can be anything, be kind.» (Dt.: «In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei gütig.»).


Alle Vorlesungen sind auf Youtube unter ‹International Campus Waldorf› nachzuhören.
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Titelbild Sven Saar

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