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Hässliche Weckwesen

Es sei beklemmend wie kaum zuvor gewesen. So beschrieben die Mitarbeitenden in der Cafeteria und am Empfang am Goetheanum die Atmosphäre an der Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft, als es um die Bestätigung des Vorstandsamts von Bodo v. Plato und Paul Mackay ging.


Irritierend war ebenfalls, dass zur eigentlichen Abstimmung die Anzahl der anwesenden Mitglieder um 300 zunahm. Sie hatten an den zweitägigen Beratungen zuvor nicht teilgenommen. In einem Brief an die Mitglieder berichtet Justus Wittich nun von Fragen nach möglichen Versäumnissen und Fehlern, die sich die Goetheanumleitung in ihrer ersten nachfolgenden Sitzung stellt, sowie vom Willen, den mit der Goetheanum-Weltkonferenz 2016 eingeleiteten Prozess der Erneuerung fortzuführen und dabei möglichst alle Mitglieder einzubeziehen. Aus der Zäsur der Vorstandsmitglieder wird ein umfassender Halt – ein Halt zu einem hohen Preis. Denn das Wie des Wahlgeschehens hatte kaum etwas mit der viel zitierten ‹Pflege des seelisch-geistigen Lebens› zu tun. Die stehende und anhaltende Ovation für die 17 und 22 Jahre Vorstandsarbeit war dann auch der Wunsch, die eben geschlagenen Wunden schließen zu wollen – verständlich und widersprüchlich.

Nicht anders als im eigenen Seelenhaushalt, wo ein hässlicher Zug hereinbricht und entzweit und dann sein Licht wirft, so könnte hier auch in der Verdüsterung Erhellendes liegen. Ich vermute es hier: Der Schlüssel zu Demut und Großherzigkeit gegenüber dem anderen Empfinden und Verstehen findet sich nicht in den eigenen Überzeugungen und Idealen, wächst aus keinem Gegebenen, ihn wird nicht die Anthroposophie und nicht Rudolf Steiner stiften, sondern diese Großherzigkeit gibt sich allein aus dem persönlichen Entschluss, den anderen und sein Anderssein zu wollen.

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