Wo Gemeinschaft sichtbar wird

Dornach, Schweiz. Andrea De La Cruz arbeitet seit 2022 als Koordinatorin für Studium und Weiterbildung am Goetheanum. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen.


Was empfindest du als besonders bereichernd an deiner Arbeit als Koordinatorin?

Das Studium ist ein Ort der Begegnung, an dem Menschen aller Kulturen, Altersgruppen, Berufsfelder und Interessen zusammenkommen. Dass ich durch die Erfahrungen jedes Einzelnen immer wieder Neues über die Welt lerne, ist für mich der bereicherndste Aspekt meiner Arbeit.

Worauf kommt es beim Raumhalten für die Lernerfahrung anderer an?

Es ist essenziell, die Beweggründe der Studierenden für ihre Teilnahme an den Programmen zu verstehen: Was hat sie hierhergeführt? Was erwarten sie und warum? Was stellen sie sich für die Zeit nach ihrem Studium vor? Ein lebendiges Bild jeder einzelnen Biografie zu bewahren, um die Studierenden während ihres Aufenthalts am Goetheanum bewusst begleiten zu können, ist die Grundlage unserer Arbeit. Ebenso wichtig erscheint es mir, mich für die Biografie der Anthroposophie zu interessieren, die einerseits historisch verankert ist und sich andererseits durch die Arbeit der Freien Hochschule und der Sektionen stetig weiterentwickelt. Dies ist meiner Ansicht nach wesentlich für die Entwicklung wirklich einzigartiger und zeitgemäßer Studienprogramme.

Welche Rolle spielt Gemeinschaft im Kontext des Studiums?

Anthroposophie zu studieren, bedeutet, Beziehungen zu studieren – zwischen Substanz und Form, Geist und Materie, Mensch und Natur, dem Selbst und anderen –, sei es durch Texte, Naturbeobachtung oder künstlerische Praxis. Beziehungen sind die Grundlage der Welt; wenn wir dies anerkennen, wird deutlich, dass wir bewusst an diesen Beziehungen teilhaben und sie gestalten können. Anstatt Gemeinschaft zu ‹konstruieren›, versuchen wir, Räume zu öffnen, in denen die ‹potenzielle› Gemeinschaft sichtbar wird. So wird uns bewusst, dass wir sie jederzeit in die Tat umsetzen können. So sieht für mich ein Prozess des gemeinsamen Lernens durch die Anthroposophie aus.


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Bild Andrea De La Cruz (Mitte), Foto: Nicole Asis

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