Zwölf Eurythmie- und zwei Sprachschulen kamen zum Abschlusstreffen ans Goetheanum – aus Vietnam das erste Mal. Gespräch mit den Eurythmiedozentinnen Cornelia Klose und Josefin Porteous.
Was bedeutet es, in Vietnam zu leben und zu unterrichten?
Cornelia Klose Ich liebe die Mentalität der Menschen, ein etwas lässigeres Sein als in Europa. Die Ausbildung kann sich nur tragen, wenn man eine Epoche allein unterrichtet und sich dann abwechselt. Es entsteht etwas Einsamkeit. Ich verbinde mich mit den Menschen und der Sprache, höre ganz anders.
Josefin Porteous Es ist üblich, mit ‹Lehrer› angesprochen zu werden statt mit dem Namen, was die Wertschätzung für Pädagogen widerspiegelt. Die Vietnamesen sind intellektuell geschult. Gleichzeitig spürt man eine Verbindung zur taoistischen Lebensweise. Die Sprache enthält stumme Konsonanten am Ende der Wörter, die in der Eurythmie sichtbar gemacht werden können – was für die Vietnamesen eine Entdeckung war.
Klose Die meisten unserer Studierenden sind bereits in den Vierzigern, und ihre Ätherleiber sind nicht mehr so flexibel. Es braucht Zeit, um die Bewegungen und den Körper geschmeidig zu machen. Es ist schwer für sie, die innere Beweglichkeit in die Hände zu bekommen.
Porteous Die Ausbildung ist für die Studierenden sehr kostspielig. Über Than Cherry haben wir einen Sponsor gefunden. Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners haben Studierende gefördert. Einige der Studierenden haben sich direkt an die Schulen gewandt, in denen sie später unterrichten.
Was hat euch in Vietnam überrascht?
Klose Das Land ist laut, in Saigon gibt es pro Fahrtrichtung sieben Spuren. Das Motto: Lücke füllen, überholen, Lücke füllen. So ähnlich ist es mit der Eurythmie: Die Studierenden mögen sich, doch wenn vom Dozierenden nichts kommt, ist der Stärkste in der Gruppe der Bestimmende. Alles Soziale muss gelernt, geübt werden.
Porteous Das Essen – es fühlt sich an wie das Paradies. Die Früchte sind üppig, reich an Geschmack, es gibt so viele Sorten.
Der Krieg ist 50 Jahre her – sieht man Folgen?
Klose Es gibt immer noch behinderte Kinder aufgrund des versprühten Gifts Agent Orange. Leider hat das Land kaum Einrichtungen für die Betroffenen.
Jetzt besucht ihr das Goetheanum!
Klose Für viele ist es das erste Mal Ausland. Finanziell ist es schwer, obwohl durch die Aufführungen seit Jahren Spenden gesammelt wurden. Die Teilnehmenden sind alle super neugierig und haben gar keine Vorstellung, wie das Leben hier ist: Wiesen, auf denen kein Plastik liegt, sondern Kühe grasen.
Porteous Sie freuen sich, Eurythmie zu erleben und Freundschaften zu schließen, denn sie haben Eurythmie bisher noch nie in ihrer vollsten und vielfältigsten Form gesehen.
Bild Josefin Porteous und Cornelia Klose, Foto: Wolfgang Held

