Goethe von innen

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Harzreise, Italienreise, Ilmenau und Frankreichfeldzug – eine seminaristische Annäherung an den verborgenen Goethe für das Faust-Ensemble in vier Bildern.


Johann Wolfgang von Goethe – da erscheint das vertraute Bild des großen Dichters, der Staatsmann, Naturforscher, Autor des ‹Faust› und Mittelpunkt der Weimarer Kulturwelt war. Dieses Bild ist unvollständig. Hinter dem öffentlichen Goethe verbirgt sich ein Mensch, der seiner Rolle entweicht und mit seiner Mitwelt im Spiel ist. An vier Lebensstationen schaut Marcus Schneider in die rätselhafte Innenseite des großen Geistes.

Vier Ereignisse aus Goethes Leben: Das erste ist die Harzreise. Goethe war ein Jahr am Hof von Weimar im Ministeramt. Da kündigt der Großherzog an, dass der Hof für einige Tage zur Wildschweinjagd nach Eisenach zieht. Die Bauern werden überall geplagt von den Wildtieren. Goethe setzt sich ab Richtung Harz. Er ist erst 27 Jahre alt und reitet ohne Kutsche und Diener bei Eis und Frost. Er ist unterdessen ein berühmter Mann, hat ‹Egmont› und den ‹Werther› geschrieben und erlaubt sich nun den Spaß, sich unter falschem Namen einzuquartieren. Was er erlebt, schreibt er regelmäßig ins Tagebuch und berichtet zugleich in Briefen seiner Geliebten Charlotte von Stein nach Weimar. Das Erstaunliche: Was im Tagebuch steht, deckt sich nicht mit dem, was er Charlotte mitteilt. Er erzählt Charlotte: «Ich war heute am 7. Dezember oben auf dem Brocken und der Reiseführer wollte nicht mitkommen.» Im Tagebuch steht, dass er in der Hermannshöhle war: «War allein in der Höhle da unten – gedachte dort meiner verstorbenen Schwester.» Zwei Tage später – jetzt auf dem Brocken – schreibt er Charlotte und ins Tagebuch, er sei jetzt in einer Höhle gewesen. Ein mehrfaches Täuschmanöver.

Goethe im Kohlenverschlag

Er besucht einen Gasthof zwischen Eisenach und dem Gebirge und erfährt, dass es kein Zimmer mehr gibt, weil der Hof von Weimar sich angekündigt habe – just der, dem er entfliehen wollte. Goethe nimmt den freien Kohlenverschlag als Unterkunft und schläft auf einer Pritsche. Durch ein Astloch hindurch sieht er den ganzen Hofstaat beim Essen und reist frühmorgens unerkannt ab. Er geht weiter nach Wernigerode, um einen jungen Mann, Leberecht Plessing, zu besuchen. Dieser hatte Goethe von seinem Elend berichtet. Goethe, inkognito, sagt, er komme aus Weimar und ihm sei diese Adresse empfohlen worden. Sie trinken Wein und Plessing schüttet sein Herz aus und berichtet, dass er nach der Lektüre von Goethes ‹Werther› nicht mehr leben wolle. «Haben Sie Goethe schon mal gesehen?», fragt Plessing, und Goethe: «Von Weitem, man kommt mit ihm nicht ins Gespräch.» Plessing bemerkt bis zuletzt nicht, dass er Goethe bewirtet. Es gibt noch andere solche lustigen Geschichten auf dieser Harzreise, die in die Ballade ‹Harzreise im Winter› Eingang gefunden haben. Allein steht Goethe oben auf dem Brocken, der im ‹Faust› zum Ort des Hexensabbats wird. Entrückt und unerkannt, nicht einsam, sondern nur mit sich, so scheint es. «Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein.» Diesen Ausspruch im Osterspaziergang mag er hier gefühlt haben. Goethe im Kultur- und Rampenlicht und Goethe auf diesen einsamen Pfaden – sind das die zwei Seelen in seiner Brust?

So wie Faust, der anderes sucht, als was er lebt, erscheint Goethe, wenn er solche Rollenspiele übernimmt. Auch auf seiner Schweizreise liebt er es, in eine fremde Identität, fremde Kleider zu schlüpfen, anderen Dialekt zu sprechen, die Menschen im Unklaren zu lassen, dass er Goethe ist. Dadurch entsteht ein Raum, den er nach eigenem Gutdünken ausfüllen kann, ohne ständig mit seinem Doppelgänger konfrontiert zu sein. Er hat in einem späteren Brief den Unglücklichen in Wernigerode als seinen Doppelgänger bezeichnet. «Nur die Poesie hat mich zurückgehalten, eine unglückliche Seele zu werden wie der Plessing», sagt er zu sich selbst. Die Szene der Walpurgisnacht spielt dann mit diesem Doppelgänger, den er mit sich führt, mit diesem zweiten Menschen, den er in sich hat. Was macht es mit der Frau von Stein, die nichts davon weiß und von ihm getäuscht wird? Das ist Goethe von innen. Und da hat er Eindrücke aufgenommen, da oben auf dem Brocken, die ihn an seine Mutter, seine verstorbene Schwester denken lassen und Bibelworte in ihm aufsteigen lassen. Vermutlich wollte er nicht, dass das zutage tritt.

Von der Pflicht zur Kür

Sechs Jahre später. Goethe ist noch immer Minister und hat fast aufgehört zu schreiben. Es ist die Zeit, in der lauter angefangene Manuskripte in seiner Schublade liegen und in der er von seinem frühen Ruhm zehrt. Er notiert, er habe zwölf handgeschriebene Dramen in der Schreibtischschublade und keines finde ein Ende. Humoresken hat er geschrieben, komödiantische Stücke, wie das beliebte Stück ‹Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern›. «Der Pegasus ist im Joch, das Götterpferd. Die Inspiration schaukelt», schreibt Goethe über seine künstlerische Krise. Goethe hatte in diesen ersten sieben Jahren in Weimar ein Amt nach dem anderen übernommen.

Er übernahm im Herzogtum die Pflege der Parks und Gärten der Schlösser. Dieses Amt öffnet neue Augen in ihm und führt ihn zum Pflanzenstudium. Als Minister entscheidet er, ob eine Straße gepflastert oder mit Kies bestreut, ein Wald gerodet oder aufgeforstet werden soll. Er muss sich mit den Themen Straßenbau und Bergbau beschäftigen. Da wächst Goethes Interesse für die Mineralogie. Er muss Silber- und Salzminen ausmachen und auch eine stillgelegte Mine wieder öffnen: das Bergwerk von Ilmenau am Rand eines Waldes. Hier begegnet er der Zwischenwelt von Wald und Höhle, wieder eine Inspiration für den ‹Faust›. Goethe weiß, dieses Bergwerk hat lange Zeit stillgestanden. Er weiß: Die ehemaligen Minenarbeiter sind nach Irland und in die USA ausgewandert, weil sie in Ilmenau kein Auskommen mehr gefunden haben. Da entschließt sich Goethe, Ilmenau wiederzubeleben und dafür eine Aktiengesellschaft zu gründen. Mit 185 Aktionären feiert er am Eingang der Mine deren Wiedereröffnung.

Das Schweigen am Bergwerk

Dann geschieht es das einzige Mal in seinem Leben, dass Goethe eine vorbereitete, vorab schon verteilte Eröffnungsrede hält, um diesen Bergbau den Aktionären und Menschen von Ilmenau zu überantworten. Der Schweizer Goetheanist Adolf Muschg hat untersucht, was bei dieser Einweihung Merkwürdiges passierte. Goethe hat die Aktionäre mit den Gemeindevertretern und den Vertretern der Weimarer Regierung versammelt. Jetzt beginnt er von der Mutter Erde, die man wieder öffnet, zu sprechen. Man habe sich versammelt, weil man mit allen inneren Kräften des Tuns und des Herzens diese Öffnung der Natur begleiten wolle. Die Versammelten müssten lernen, wie Väter an diesem Kind zu handeln, mit Gesetz, mit Liebe, mit Gewissen, damit die Fruchtbarkeit, der Segen dieser Fruchtbarkeit, wiederkommen möge. Dann verstummt er mitten in dieser Rede – erst zum Erstaunen, dann zum Erschrecken der Zuhörenden. Es sieht nicht aus, als hätte er den Faden verloren. Stattdessen steht er schweigend da und blickt jedem und jeder Einzelnen in die Augen. Mit tiefem Ernst, geschlossenem Mund und mit seinen großen Augen blickt er sie alle an. Es heißt, Goethe sei eine Viertelstunde verstummt, so berichtet es Adolf Muschg.

Nach Muschg ist es für Goethe der Augenblick, dass er sich bewähren will. Ilmenau wird zum Prüfstein. Als Wirtschaftsminister, als Arbeitgeber möchte er verhindern, dass die Bergleute weiterhin auswandern und der Mine Ilmenau den Rücken kehren. Er möchte, dass sie Arbeit finden und das Städtchen wieder wohlhabend wird. Was Goethe in diesem Moment überwältigt habe, sei angesichts der Grube, der Muttergrube, die Vision des ‹Faust›-Schlusses, die Lösung des Knotens mit der Teufelswette. «Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.» Goethe sagt, er sei damals noch zu jung gewesen für den ‹Faust›-Schluss. Gleichwohl vermutet Muschg, dass etwas fern Zukünftiges in diesem Verstummen während der Rede gelegen habe. Goethe will etwas erzwingen, er will etwas herbeiführen, worüber er nicht spricht. Bedenkt man, dass er immer gesprochen hat, wenn man zu Tisch geladen war, und bei seinem Redefluss kaum jemand zu Wort kam, so ist solch ein Verstummen des Dichters ein Schock. Was da geschieht, ist, dass sich Goethe in einen Bund mit der Bevölkerung stellt.

Es gibt bei Rudolf Steiner die Beschreibung, dass man in verdichteten Momenten des Lebens ein Bild gewinnt, wohin der eigene Weg zieht – wobei es schwer zu entscheiden ist, ob es eine Erinnerung oder Vorahnung ist. Entsprechend vermutet Muschg, dass Goethe sich in diesem Moment bewusst wurde, aus was für tiefen Urtrieben er diese Rede hat drucken und verteilen lassen, weil es ihm so wichtig war, hier nicht als Dichter, sondern als Verantwortlicher für das Gemeinwesen aufzutreten. Im ‹Faust› zeigt sich in der Landgewinnung im fünften Akt in Faust diese Verantwortung für das Gemeinwesen. Beides scheint hier beim Verstummen in der Rede wichtig zu sein: dass Goethe die Vorahnung des ‹Faust›-Schlusses hatte und dass er spürte: Das ist ein Moment seines eigenen Wirkens jenseits des Dichtens. Das Bergwerk wurde tatsächlich wieder in Betrieb genommen, ging aber nach wenigen Jahren erneut bankrott. Der Aufwand, das Erz zu fördern, stand in keinem Verhältnis zum Gewinn. Gleichwohl hat das Städtchen Ilmenau gewonnen, denn die Stadt lebt gut davon, dass Goethe hier tätig war.

Bild J. W. Goethe mit 38 Jahren, Gemälde von Angelica Kauffman, 1787, gemeinfrei

Flucht nach Italien

Charlotte von Stein war Goethes innigste Bezugsperson. Seine Liebe führte zu 1770 Briefen an sie. Ursprünglich war sie ihm als Schattenriss erschienen. In der Goethezeit war es üblich, dass man solche Schattenrisse im Profil anfertigte, und Goethe war von solch einem Profilbild von Charlotte von Stein fasziniert. Er kommt nach Weimar und da beginnt diese tiefe Verbindung mit der Frau von Stein mit mindestens täglich zwei Briefen, die hin und her gehen. Sie schickt ihm ein Körbchen Spargel und Salat aus dem Garten. Er antwortet mit einem Gedicht. Er wird als Erzieher ihrer Kinder angestellt und geht so im Hause von Stein ein und aus. Alle Biografen sind sich darin einig, dass es kein erotisches Verhältnis war. Sie saßen oft in seinem Garten zusammen. So ging das Jahr für Jahr, doch ab dem Alter von 35 schien es Goethe nicht mehr zu genügen. Er schreibt, es sei doch eine kristalline Freundschaft, was sie verbinde.

Kurz vor seinem 38. Geburtstag ist er in Karlsbad, steht unmittelbar vor dem zweiten Mondknoten und entschließt sich, nach Italien zu reisen. Er weiht niemanden in sein Vorhaben ein, außer den Großherzog August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Von ihm erhält er ein Jahr Urlaub, was später auf ein zweites Jahr verlängert wird. Goethe solle angeben, wohin der Herzog die Bezüge überweisen solle. Frau von Stein weiß nichts. Sie will ihn mit einem Geschenk in seiner Schreibtischschublade überraschen, das er dann in der Nacht auf seinen Geburtstag finden soll. Eine Dose mit kostbarer Schreibfeder. Doch Goethe ist weg und man erfährt monatelang nicht, wo er sich aufhält und wie lange er wegbleibt. Der Großherzog, eng mit Goethe befreundet, deckt Goethe und verrät nichts. Erst nach drei Monaten, als Goethe in Rom angekommen ist, schreibt er, wie sehr es ihn nach Italien gezogen habe. Da erfährt Frau von Stein, dass Goethe in Italien ist. Dann geht das Spiel weiter wie im Harz, manches hat er geschrieben, manches verschwiegen.

Kaltes Willkommen

Nach zwei Jahren kommt Goethe zurück in den nebelgrauen Norden Weimars und muss feststellen, wie schwierig es ist, wenn man zurückkehrt und dann meint, alle hätten auf einen gewartet. Unterdessen hat sich das Leben weiterentwickelt. Die Menschen sind andere Beziehungen eingegangen. Charlotte von Stein begegnet ihm mit kühler Distanz, als hätte er sie verlassen oder betrogen, was er ja auch hat. Um diese Distanz zu bereinigen, schreibt er ihr einen langen Brief, in dem er sagt, dass es ihm nicht leichtfalle, ein solches Blatt zu schreiben. «Aber das gestehe ich gern, die Art, wie du mich bisher behandelt hast, kann ich nicht erdulden.» Wenn wir heute von Goethes italienischer Reise sprechen, dann erklingt die Geburtsstunde des großen Klassikers, in der Goethe zu sich gefunden hat. Bezahlt hat er aber diese ‹Selbsterfahrung› mit einer frostigen Einsamkeit in Weimar. Drei Wochen nach seiner Rückkehr verbindet er sich dann mit Christiane Vulpius, einer Blumenverkäuferin, die kaum ein Buch gelesen hat. Erst 18 Jahre später, während der Besetzung von Frankreich, heiratet er sie. Französische Soldaten drangen in sein Haus ein, um zu plündern und sich einzuquartieren, und Christiane stellte sich ihnen in den Weg: «In der Maison de Goethe wird niemand einquartiert!» Währenddessen hatte sich Goethe im Schlafzimmer verborgen. Noch in derselben Nacht ist er mit Christiane in die nahe Jakobikirche gegangen, hat auf der Straße zwei Passanten als Trauzeugen gewonnen und hat Christiane spätnachts ohne Fest und Ring geheiratet. Er hatte das Bedürfnis, ins Reine zu kommen, mit sich und der Welt.

Poesie im Krieg

Thomas Steinfeld, Schriftsteller und Übersetzer, hat eine neue Goethe-Biografie geschrieben und begründet diese vielleicht hundertste Biografie über Goethe damit, dass noch ein Buch über Goethes unbekannte Seiten fehle (‹Goethe – Porträt eines Lebens, Bild einer Zeit›, Berlin 2024). So schreibt er 60 Seiten über die Farbenlehre. Steinfeld sagt, man vergesse, dass Goethe jahrelang im Krieg lebte. Als Kriegs- und Außenminister muss er in der Mitte seines Lebens seinen Großherzog begleiten, der mit Preußen in Frankreich einmarschieren will. Widerwillig geht Goethe mit auf diesen Feldzug. Im Schlamm bleibt seine Kutsche liegen und Goethe kauft ein Pferd, um den Offizieren zu folgen. An einem trüben, regnerischen Tag, zwischen Rhein und Paris, reitet er dann allein an der Seite seines Herzogs an die Front. Am Boden liegen schreiende Verletzte, die verbluteten Toten, die verendenden Pferde, in der Umgebung die zerschossenen Häuser, flüchtende Frauen mit Kindern, brennende Dörfer. Die Erde bebt vom Donnern der Kanonen. Was Goethe in seinen Tagebüchern notiert, sind nicht diese schockierenden Kriegserlebnisse, sondern das Kanonenfieber. Goethe beobachtet und studiert diese Erkrankung mit Krämpfen, Ohnmacht, Angstattacken und den Anfällen von Durchfall, unter denen die Soldaten leiden. Abends sitzen die Offiziere zusammen in ihren Unterkünften und tauschen ihre Erlebnisse aus. Da sagt Goethe, dass ihm beim Sturm einer Kompanie auf eine Anhöhe diese blitzenden Bajonette wie ein Sternenregen über einem Feuer erschienen seien. Er habe Felsplatten gesehen, die im Abendlicht der Sonne eine andere Farbe zeigten, als sie eigentlich hätten. Der Eindruck, dass sich da die Farben verschoben hätten, fand dann Eingang in den Osterspaziergang im ‹Faust›. Es ist ein Erlebnis aus der Schlacht, wie in der Glut der Abendsonne die grün umgebenen Hütten schimmern. Das Grün ist nicht Gras, sondern die Komplementärfarbe auf der Netzhaut. Goethe ist von Flüchtlingen und Soldaten umgeben, die im Schlamm sterben. Und doch widmet er sich optischen Beobachtungen. In den elendesten Situationen schreibt er von einer Wolldecke, die er gekauft hat, und zitiert die Odyssee, wo Odysseus mit einer Wolldecke sich bedeckt. In den elendesten Lebenssituationen vermag sich Goethe in eine poetische Verfassung zu begeben, um in dieser Lage überleben zu können. Die Poesie hält ihn am Leben.

Hymnus auf die Liebe

Eines seiner schönsten Gedichte hat wie so vieles in Goethes Leben einen tieferen, einen geheimen Grund. Die Zeilen sind ein Geschenk, das er seiner Frau am Morgen des 25. Jahrestages ihrer Begegnung im Weimarer Stadtpark auf den Frühstückstisch stellt.

Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich ein Blümchen steh’n
wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.
Ich wollt’ es brechen, da sagt’ es fein:
Soll ich zum Welken gebrochen sein?
Ich grub’s mit allen den Würzlein aus,
zum Garten trug ich’s am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder am stillen Ort.
Nun zweigt es immer und blüht so fort.

Das Gedicht malt die Begegnung vor 25 Jahren und kommt so unscheinbar daher und ist doch, wie Goethes ganzes Leben, ein Hymnus auf die Liebe.


Titelbild ‹Bergwerk zu Ilmenau›, Aquarell von Carl Anton Graff, ca. Anfang 19. Jhd., Quelle: Deutsches Bergbau-Museum Bochum

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