Ytterjärna, Schweden. Wie lebt es sich als junger Mensch in der heutigen Welt? Wir haben nachgefragt. Antworten von Phoebe Leenhouwers aus Neuseeland, derzeit Teilnehmerin am Youth Initiative Program in Ytterjärna, Schweden.
Hast du einen Bezug zu Spiritualität? Wenn ja, wie sieht das aus?
In meinen frühen Teenagerjahren war die Kirche für mich ein Ort der Zugehörigkeit. Ich betete viel, ließ mich mit 13 Jahren taufen, sang im Lobpreis-Chor der Gemeinde und entwickelte eine große Faszination für Kreationismus. Aber es fühlte sich zunehmend seltsam an, zu behaupten, erleuchtet zu sein – zumal jede andere Gruppe dasselbe von sich behauptete. Dies wurde mir deutlich bewusst durch eine angespannte Diskussion über Evolutionismus mit einem Freund, nach der unsere Beziehung nicht mehr ganz dieselbe war. Zum einen erkannte ich, dass ich kein Recht habe, meine eigene Perspektive als die einzig wahre zu beanspruchen und die anderer als falsch abzutun. Zum anderen begann ich zu hinterfragen, ob das Christentum die Menschen tatsächlich zusammenbringt – wie man mich hatte glauben lassen – oder ob es sie nicht eher auseinandertreibt. Letztendlich verschwand die Christlichkeit aus meinem Leben. Viele Jahre lang habe ich weder Neugier noch das Bedürfnis verspürt, mich mit Spiritualität auseinanderzusetzen. Erst im letzten Jahr ist diese Neugier wieder in mir aufgekeimt. Im Rahmen des Youth Initiative Program hatte ich zahlreiche augenöffnende Erfahrungen. Das Programm bietet ein Umfeld, in dem ich Fragen der Spiritualität frei nachgehen kann. Mein Gefühl ist, dass es unendlich viele, einander widersprechende Wahrheiten gibt und dass die Welt voller Geheimnisse und Sinnhaftigkeit steckt – wenn man diese sehen will. Meine Spiritualität sieht im Moment so aus, dass ich mir erlaube, mich in die Welt und in Menschen zu verlieben, durch eine Aufgeschlossenheit gegenüber allem, was es da draußen so gibt.
Kontakt phoebe.leenhouwers@yip.network
Bild Selbstporträt von Phoebe

