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Nichtsichtbares malen: Die drei Jahre des Christuslebens

Kann man ein Wesen malen, das geistig-göttlicher Natur ist? Und wie lässt sich ein Mensch gewordener Gott malen, sodass nicht nur die menschliche Seite zur Geltung kommt? Zum Schaffen der Malerin Ninetta Sombart 1925-2019.


Seit Jahrhunderten haben sich Künstlerinnen und Künstler vielfältig dieser Aufgabe gestellt. Viele Bilder zeigen die Gratwanderung, Nichtsichtbares in ein sinnliches Gewand zu kleiden und es so dem Erleben zugänglich zu machen. Die Schilderungen im Alten und Neuen Testament waren dabei die zentrale Inspirationsquelle. Ninetta Sombart (1925–2019) geht hier einen ganz eigenen Weg, indem sie der Farbe und dem Licht durch eine differenzierte Öllasur und in späteren Jahren Acryl-Schichttechnik mit nahezu 60 Schichten und zahlreichen Überarbeitungen der Bilder, manchmal über mehrere Jahre, eine besonders subtile Wirkungsform verleiht. Sie verwendete dazu die reinen Farben, die sie nicht mischte, sondern durch die Überlagerung vieler Schichten verschiedener Farben eine gleichsam ‹aurische› Wirkung erzielte. Der Gegensatz von Licht und Finsternis ist dabei ein zentrales Gestaltungsmittel, das im Betrachter (1) starke seelische Wirkungen erzeugt.

Auf der Suche nach dem Sein

Ninetta Sombart erzählte mir einmal, dass manche Menschen die früheren Stadien der Bilder, die in dem vorliegenden Bild gar nicht mehr physisch zu sehen waren, sehen und beschreiben konnten. Für sie war ein Bild dann vollendet, wenn sie in ihm eine Präsenz, eine Gegenwart, ein Sein wahrnehmen konnte. Über viele Jahre konnte ich sie in ihrem Atelier besuchen. Oft hatte sie mehrere Bilder in Arbeit und übermalte häufig auch ältere Werke. Von ihrer unerbittlichen Suche und ihrem Wandlungswillen war ich immer wieder aufs Neue tief beeindruckt. Nur wenige Bilder konnte sie so lassen, wie sie waren. Bereits Erreichtes, von dem der Betrachter den Eindruck einer gewissen Vollendung haben konnte, übermalte sie ohne Zögern. Immer war sie auf der Suche nach dem, was sich noch zeigen würde, auf der Suche nach der unmittelbaren Gegenwart und dem Sein des Dargestellten.

 


Ninetta Sombart, von Frank Berger im Lebensmagazin ‹a tempo› porträtiert (Juni 2011). Foto: Verlag Urachhaus

Ninetta Sombart, von Frank Berger im Lebensmagazin ‹a tempo› porträtiert (Juni 2011). Foto: Verlag Urachhaus

 

Kindheitserlebnisse

Von Kindheit an war Ninetta Sombart durch ihre rumänische Mutter mit der orthodoxen Kirche verbunden und nahm am russischen Gottesdienst in Berlin teil. Gleichzeitig besuchte sie auch den evangelischen Gottesdienst. In seiner schönen biografischen Skizze schreibt Volker Harlan: «So verband sich für sie die heilige Stimmung der bildergetragenen orthodoxen Gottesdienste mit dem Inhalt der Evangelien und ihrer Bilder zu ihrer Religion. Zu Hause lebte die Stimmung des orthodoxen Gottesdienstes in den Ikonen weiter, die die Mutter in ihrem Zimmer aufgestellt hatte und vor denen immer ein ewiges Licht brannte. Ihr eigenes Zimmer war geschmückt mit Bibelsprüchen, die sie im Kindergottesdienst bekommen hatte. Die Bilder der Ikonen und der Evangelien sind der religiöse Grund, aus dem sie später die Bilder malen konnte.» (2)

Magischer Realismus

In Berlin als jüngste Tochter des berühmten Soziologen Werner Sombart geboren, wuchs Ninetta in einem großbürgerlichen Haushalt auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie kurzzeitig als Plakat- und Werbemalerin in Heidelberg tätig, wo sie ihren späteren Mann, einen Maler und damals in der Armee tätigen Amerikaner, Bill Bruckner, kennenlernte. Nach der Heirat zogen sie bald in die USA, wo sie vier Kinder zur Welt brachte. Das Leben in Amerika war von ständigen Umzügen und Geldsorgen geprägt. Dennoch begann Ninetta Sombart zunächst im Stil der naiven Malerei eines Henri Rousseau und bald in mehr surrealistischer, magisch-realistischer Weise zu malen und trug durch ihren Erfolg dazu bei, die Familie zu ernähren. Sie hatte die Anthroposophie mit 21 Jahren in Deutschland durch einen Vortrag von Walter Bühler kennengelernt. In Spring Valley, wo sie ihren Weg als Malerin suchte, begegnete sie zahlreichen Anthroposophen. Darunter waren Karl König und der Landwirt und Naturwissenschaftler Ehrenfried Pfeiffer, mit dem sie besonders verbunden war.

Lebensbestimmung

Nach ihrer Übersiedlung in die Schweiz, die durch eine schwere körperliche Erschöpfung bedingt war, die sie mit 37 Jahren erlitt und in der Schweiz auskurierte, wurde sie Werbeleiterin in einer Firma. Nebenbei ging sie einem immer intensiver werdenden Studium der Anthroposophie, des Alten und des Neuen Testaments sowie der Evangelienzyklen Rudolf Steiners nach und nahm an der Menschenweihehandlung der Christengemeinschaft teil. Während der Menschenweihehandlung fragte sie sich, wie sie «Ihn» malen könne. Wie sie mir erzählte, empfand sie mit 53 Jahren den inneren Auftrag, ihre ganze Schaffenskraft der Darstellung der drei Jahre des Christuslebens von der Taufe bis zur Himmelfahrt zu widmen. Denn sie bewegte die Frage, wie Menschen heute mit dem Christusleben in Berührung kommen könnten. Die Malerei sollte der Weg sein. Die Tatsache, dass heute die Bibel nicht mehr zur Schulbildung gehört, führe dazu, dass sie teilweise nahezu unbekannt sei und man nicht von einer Kenntnis der Bildmotive ausgehen könne. So nahm Ninetta Sombart vor allem in den letzten Lebensjahren die Bildmotive des Alten und des Neuen Testaments immer mehr zurück und versuchte, die Inhalte stattdessen durch die Stimmung in den Bildern zu übermitteln. Durch die Atmosphäre einer Landschaft sollte nun die Essenz einer Szene des Evangeliums so erscheinen, dass sie im Betrachter als Erlebnis entstünde.

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Während des Malens empfand sie den Kampf, dass bestimmte Partien des Bildes besonders schön herausragten, gerade diese Partien seien es aber, die geopfert werden müssen, weil das persönliche Fühlen nicht zu dem Höheren der eigentlichen Bildrealität führe.

Höhere Bildrealität

Den Malprozess selbst beschreibt Ninetta Sombart als einen Opferweg. Das innerlich gesehene Bild nun in die Realität der physisch-sinnlichen Welt zu übersetzen, erlebte sie als eine große Herausforderung, denn der Abgrund zwischen den beiden Welten sei unerhört groß. Während des Malens empfand sie den Kampf, dass bestimmte Partien des Bildes besonders schön herausragten, gerade diese Partien seien es aber, die geopfert werden müssen, weil das persönliche Fühlen nicht zu dem Höheren der eigentlichen Bildrealität führe. Sie beschreibt diesen Prozess als die Überwindung des eigenen Persönlichen, um dem Höheren, das erscheinen will, einen Raum in der Seele zu geben. Im Folgenden sollen sieben Werke Ninetta Sombarts zum Ostergeschehen betrachtet werden. Dabei habe ich versucht, den inneren Prozess des Ostergeschehens aus den Bildern und den entsprechenden Evangelienstellen zu entwickeln.


 


Einzug in Jerusalem, Acryl auf Leinwand, 70 × 100 cm

Einzug in Jerusalem, Acryl auf Leinwand, 70 × 100 cm

 

Im Vordergrund des Bildes ist eine Menschenmenge zu sehen, die dem hell strahlenden Licht zugewendet ist, das auf dem leuchtend roten Weg zur Stadt erscheint. Die aufrechte, in Form einer Gestalt sich darlebende Lichterscheinung wird von einer in die Breite gehenden, fast den ganzen Horizont einnehmenden, leicht gelblichen wolkenartigen Umhüllung begleitet. Die Lichtwirkung geht von der Gestalt aus, die zunächst alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die quellend aufsteigende und dramatische Bewegung der Wolkengebilde tritt in ihrer Aufwärtsbewegung stark hervor, als ob sich in ihnen zusammen mit dem in Rot getauchten Weg, auf dem die Lichtgestalt schreitet, bereits die Tragik des Kommenden wie vorherverkündend ausspricht. Der Herr hatte seinen Jüngern kurz zuvor prophezeit, dass sie eine Eselin mit einem Füllen finden würden, die sie losbinden und zu ihm bringen sollten. So ritt Jesus in Jerusalem ein. Auf dem Weg hatte die Menge ihre Kleider und Zweige ausgebreitet und rief ihm voller Freude entgegen: «Hosianna, singe dem Sohne Davids! Gesegnet sei der Kommende, der Herr der Herren ist in ihm. Singe ihm in den Höhen der Welt.» (Matth, 21,9) Die sich daraufhin in der Stadt ausbreitende Bewegung spiegelt sich in den Formen der Wolken am Himmel wider. Eindrücklich ist, wie wir als Betrachter mit unserem Blick an der Menschenmenge entlang zu der Lichtgestalt hingeführt werden, die als ein im unteren Drittel des Bildes konzentrierter Mittelpunkt fungiert, doch zugleich nimmt uns der Umraum der Wolken in die Sphären des Himmels mit.


 


Abendmahl, 80 × 90 cm

Abendmahl, 80 × 90 cm

 

Wir befinden uns nun im Innenraum eines Hauses. Auf dem Bild sind drei Gestalten im Vordergrund sichtbar, im Hintergrund kann man weitere ahnen. Zentral in der Mitte des Bildes sehen wir Christus in Andacht nach rechts gewendet zu Johannes, dem Jünger, «den er lieb» hatte. Johannes liegt ihm gleichsam am Herzen und neigt sich demütig vor dem Kelch, in dessen Rund sich das Rosa des Gewands des Christus spiegelt – eine Vorschau auf das nahende Opfer. Der Kelch bildet die Mitte des Bildes. Johannes und Christus ordnen sich beinahe in eine sich auswärts drehende Spirale, die sich in eine regenbogenartige Farbbewegung hineinbewegt. Ganz im Gegensatz zu dem dynamischen runden Geschehen um Christus und Johannes steht am linken Rand des Bildes eine schwarze Gestalt, deren Gesicht wie leer und hohl erscheint. Unbeteiligt von der konzentrierten Hingabe an den Kelch, blickt Judas, der Verräter, den Betrachter an und verleiht dem Bild Dunkelheit und Schwere. Es ist das Mahl, bei dem Christus seinen Jüngern mitteilt, dass einer aus ihrem Kreis, der mit ihm das Brot in die Schüssel eingetaucht hat, ihn verraten wird. Alle fragen sich daraufhin: Bin ich es?


 


Golgatha, Öllasur auf Leinwand, 75 × 98 cm

Golgatha, Öllasur auf Leinwand, 75 × 98 cm

 

Auf der farbig erleuchteten Hügelkuppe stehen drei Kreuze. Sie sind von einem hellgelben Kreis umfangen, der die beiden anderen Kreuze mit einschließt. Von dem mittleren Kreuz geht ein strahlendes Licht aus, das sich im Haupt der unter dem Kreuz stehenden Gestalt wiederholt. Die am Fuße des Hügels versammelte Menschenmenge ist um die hellgrün leuchtende Gestalt gruppiert, die zusammen mit den darüberliegenden drei Kreuzen den Mittelpunkt des Bildes ausmacht. Mit einer sich in die Umgebung öffnenden Gebärde der Arme wendet die Gestalt sich den Menschen zu. Es scheint, als wäre der Gekreuzigte vom Kreuz herab zu ihnen gekommen. Zur Ruhe und Hingabe der in mildes grünes Licht getauchten Gestalt des Christus stehen die um ihn beinahe chaotisch gedrängten und unruhig hin- und wegstrebenden Menschen konträr. Dies wird durch den roten Schimmer, der den äußeren Kreis der Menschenmenge umhüllt und sich am linken und rechten Bildrand bis nach oben in die Himmelsumgebung fortsetzt, verstärkt. So wird die Dramatik der Ereignisse erlebbar. Das am Karfreitag leidenschaftlich ausgerufene «Kreuziget ihn, kreuziget ihn» beantwortet Christus durch sein Opfer, das er für alle Menschen erbracht hat.


 


Höllenfahrt, Acryl auf Leinwand, 70 × 100 cm

Höllenfahrt, Acryl auf Leinwand, 70 × 100 cm

 

Aus der Dunkelheit leuchtet im unteren Teil des Bildes eine Lichtgestalt, in Pfirsichblütentönen gemalt. Sie tritt mit einer siegenden Gebärde dem Betrachter entgegen und erhellt die blau-braun-violette Dunkelheit der Umgebung wie von innen heraus. Hier werden wir unmittelbar an den Satz aus dem Johannesprolog erinnert: «Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.» Über der Gestalt blickt ein großes Antlitz den Betrachter still und ernst an. Es ist ein wissend ewiger Blick, der wie gleichsam hinter der triumphierenden Geste der Lichtgestalt das Geschehen aus der Ewigkeit schauend begleitet. Oberhalb des Antlitzes wölbt sich das Rund der Erde, welches nach oben hin von einem grün leuchtenden Licht erhellt wird. Wir befinden uns im Innern der Erde, in der Unterwelt, dem Totenreich, in das Christus nach seinem Tod auf Golgatha herabgestiegen ist. Die bekannte Übersetzung Luthers, «niedergefahren zur Hölle» oder «abgestiegen in das Reich der Toten», ist im Credo der Christengemeinschaft weiterentwickelt: «Im Tode wurde er der Beistand der verstorbenen Seelen, die ihr göttliches Sein verloren hatten.»


 


Das leere Grab, Öllasur auf Leinwand, 75 × 98 cm

Das leere Grab, Öllasur auf Leinwand, 75 × 98 cm

 

Wie ein Kelch öffnet sich die Felsenlandschaft gegen den Himmel. Ihre dunkelste Stelle bildet am tiefsten Punkt der indigofarbene viereckige Steinquader. Aus ihm erhebt sich der Auferstandene in einer ätherisch schimmernden, transparenten Lichtaura. Seine Hände, an denen die Wundmale wie strahlende Sterne erscheinen, sind segnend liebend in den ganzen Raum hinein geöffnet. Die Lichtaura strahlt bis in die Dunkelheit hinab und lässt in dem dunklen, viereckigen Quader ein Tor erahnen. Über dem Quader erscheinen im Mittelpunkt des Bildes in der Ferne, umstrahlt von hellgelbem Licht, die drei Kreuze auf Golgatha. Sie bilden das Lichtzentrum des Bildes. In scharfem Kontrast dazu stehen im rechten unteren Bereich des Bildes neben dem Eingang in das Grab drei Frauengestalten im Dunkel, so als hätten sie das neue Licht noch nicht wahrgenommen. Die eine bedeckt verzweifelt ihr Antlitz, während die mittlere Gestalt die beiden anderen Frauen liebevoll umfängt. Der Weg ins Licht führt durch die tiefste Finsternis. Im Markusevangelium (16,6) spricht der Jüngling im weißen Gewand zu den drei Frauen, Maria Magdalena, Maria, der Mutter des Jakobus, und Salome, die mit Spezereien zum Grab gingen, um den Verstorbenen zu salben: «Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden und ist nicht mehr hier. Siehe, da ist die Stätte, wo sie seinen Leib hingelegt haben. Gehet jetzt hin und sprecht zu seinen Jüngern und zu Petrus: Er wird euch nach Galiläa führen. Dort werdet ihr ihn schauen, wie er es euch verheißen hat.»


 


Ostern, Öllasur auf Leinwand, 60 × 80 cm

Ostern, Öllasur auf Leinwand, 60 × 80 cm

 

Der sonnig warme Goldklang des Bildes erinnert an die letzten Momente eines Sonnenaufgangs, bevor das volle strahlende Licht erscheint. Bei näherem Hinschauen finden wir auf dem Saum des Horizonts diese Sonne auch, allerdings ist sie zurückgenommen und bildet den tragenden Hintergrund vor einem Geschehen, das sie zumindest äußerlich weit überragt, zu dessen Ursprung sie jedoch gehört. Das Rund des Sonnenzentrums auf der Erde umfängt die weiße, auf die Sonne zuschreitende Gestalt. Sie ist zugleich die Basis einer aus ihr nach oben hervorwachsenden und aus dem Kosmos herab den Raum ergreifenden und alles umfassenden Gestalt. Aus dem Sonnenaufgang wird, um das Antlitz der Gestalt in die Umgebung strahlend, nun eine die ganze Welt ergreifende Mittagssonne. Nach unten zur Erde hin bewirkt die A-Geste kathedralartige Formen. Es sind Räume für den Empfang des Göttlichen, das sich der betenden Menschheit im Licht, das in die Dunkelheit strahlt, mitteilen will. Im Markusevangelium (16,15) spricht Christus zu seinen Jüngern: «Ziehet hinaus in alle Welt und verkündigt die neue Botschaft der Engelreiche aller Kreatur. Wer sich im Herzen damit verbindet und die Taufe empfängt, wird das Heil erlangen. Denen, die sich verbinden, werden geistige Kräfte zur Seite stehen und ihren Weg bezeichnen. Durch meines Wesens Kräfte werden sie Dämonen austreiben, in neuen Sprachen sprechen; sie werden Schlangen aufrichten, und Gifte, die man ihnen zu trinken gibt, werden ihnen nicht schaden; den Kranken werden sie die Hand auflegen und heilende Kräfte spenden.»


 


Ostermorgen, Acryl auf Leinwand, 60 × 80 cm

Ostermorgen, Acryl auf Leinwand, 60 × 80 cm

 

In sanften, nach oben gleich einem Kelch geöffneten halbkreisförmigen Wellenbewegungen nimmt die farbig schimmernde Wasseroberfläche den Blick auf und führt ihn zum hellsten Punkt des Bildes: einer von Pfirsichblütenfarbe umhüllten weiße Lichtgestalt. Sie bildet das Zentrum – rechts neben der Bildmitte. Hier kommt der Blick zunächst zur Ruhe. Doch bald wird eine von der Gestalt ausgehende und die ganze Umgebung durchdringende Lichtwirkung erlebbar, und wir können eine Wellenbewegung auf uns zu empfinden, die uns im Herzen berühren kann. Als ob das Wasser von innen aus erleuchtet und Leben empfangen würde. Der außerordentlich weit nach oben gerückte Horizont reicht von seiner Farbigkeit her vom dunkelsten Schwarz bis zum hellsten Licht der Zentralgestalt. Als wollte diese Farbdynamik das ganze Drama des Lichtes erzählen, das in die Finsternis kam, um diese zu erleuchten. Den Hintergrund bildet ein zartes Grün, das durch das Licht der Gestalt zu leuchten beginnt. Hier können wir unmittelbar empfinden, das Christus mit seinem Opfer auf Golgatha sich mit der Erde verbunden hat – alles erhält durch ihn neues Licht und neues Leben: «Und siehe, Ich bin in eurer Mitte, bis zur Vollendung des Zeitenkreises.» (Matth. 28,21)


Fotos sind von Thomas Spalinger Raffael-Verlag, Jürg Buess und von der Website ninettasombart.com

Titelbild: Ausschnitt aus ‹Abendmahl› (80 × 90 cm).

(1) Die hier verwendete männliche Form soll die weibliche mit einschließen und ist deshalb ohne Bewertung oder Zurücksetzung der weiblichen zu verstehen.

(2) Volker Harlan: Ninetta Sombart, Stuttgart 2004.

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