Die Erde ist menschlich

Man müsse nur ein Jahr lang Tag und Nacht laufen, dann würde man die Erde umschreiten. Diese Vorstellung wird aus dem antiken Babylon überliefert. Die Rechnung gibt recht: Bei 4,5 Kilometer pro Stunde legt man 108 Kilometer pro Tag zurück und durchmisst in 365 Tagen 39 420 Kilometer. Da fehlen nur wenige Kilometer zum tatsächlichen Maß. Die Zahlen sind der Schattenwurf der Idee, dass die Erde menschliches Maß hat. Das findet sich noch an anderer Stelle. Die Meeresbiologin Susanna Kümmell weist darauf hin, dass die Oberflächenströme der Weltmeere und auch die natürlich fließenden Flüsse und Bäche sich mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 2,5 Meter pro Sekunde bewegen. So schnell schreiten bzw. laufen wir Menschen. Das Wasser, das Blut der Erde, fließt so schnell, wie wir Menschen uns bewegen. Es wundert deshalb nicht, dass in den meisten Religionen und spirituellen Verrichtungen das Gehen eine solche kultische Bedeutung hat. Die moderne Kosmologie unterstreicht dies, wenn sie feststellt1, dass die Erde so perfekt auf die Entwicklung menschlichen Lebens eingerichtet sei, dass das kein Zufall sein könne.


Foto Andre Morales Kalamar

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Footnotes

  1. Peter D. Ward, Donald Brownlee, Unsere einsame Erde. Heidelberg 2001.

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