Ytterjärna, Schweden. Wie lebt es sich als junger Mensch in der heutigen Welt? Wir haben nachgefragt. Antworten von Madison Shulkin aus den USA, derzeit Teilnehmerin am Youth Initiative Program in Ytterjärna, Schweden.
Worüber machst du dir Sorgen?
Über die Einsamkeit. Die Einsamkeit der Urwälder, denen ihre Rechte weggenommen werden. Über den hohlen Puls einer Menschheit, die von Geld und Erfolg angetrieben wird. Ich höre die einsamen Stimmen der verbliebenen Singvögel, den einsamen Ruf unserer Länder und Gewässer. Ich höre die Hüterinnen und Hüter der Erde, die mit wenig Unterstützung arbeiten; die, die für die Erde kämpfen und dafür jedes ihrer Stimmbänder anstrengen. Einsame Studierende, einsame Lehrkräfte, einsame ‹Tech-Bros› und einsame Mitglieder von Studentenverbindungen. Die Einsamkeit der Älteren, die Einsamkeit von Menschen mit Assistenzbedarf. Von kleinen Kindern an Ländergrenzen, beim Frühstück, in der Schule, im Krieg. Die Einsamkeit, die ich selbst empfinde, wenn ich sehe, wie die Menschen nebeneinander existieren, ohne jegliche Verbindung zueinander – alle gefangen in ihrem eigenen, endlosen Hamsterrad aus Erfolg und Kapital.
Was bedeutet dir Heimat?
Heimat ist ein Gefühl, kein Ort. Heimat ist das Gefühl, das du fühlst, wenn du aufwachst und die Luft riechst, die du atmest; wenn du das Wasser spürst, in dem du badest; wenn du den Kaffee schmeckst, der deine Kehle hinabrinnt. Heimat ist ein Bild des Friedens, der Liebe und der Stärke, sie ist ein Ort des Ich und ein Ort des Wir.
Hast du einen Bezug zu Spiritualität? Wenn ja, wie sieht das aus?
Mein Geist singt zu mir in der Stille, in einem schnell fahrenden Auto, an einem Bahnhof, wenn ich Geige spiele, wenn ich anderen in die Augen schaue, wenn ich ihr Weinen auf meine Schultern nehme. Ich spüre den Geist in dir und in meinem eigenen Spiegelbild. Ich finde ihn im Alleinsein ebenso wie in Gemeinschaft. Er ist nichts, wonach ich suchen muss, ich entdecke ihn in der tiefsten Essenz meines Seins.
Kontakt madison.shulkin@yip.network
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