Grenz- und Zukunftsfragen in der Medizin

Last updated:

Das Symposium ‹Grenz- und Zukunftsfragen in Onkologie und Palliativmedizin› findet am 19./20. Juni statt und richtet sich an Berufsgruppen aus Medizin, Pflege und Therapie und Interessierte.


Die Onkologie nimmt aktuell einen beeindruckenden Aufschwung auf dem Gebiet ‹personalisierter› Therapien – Medikamente sind dabei nicht allein auf die Krankheit, sondern auch auf den einzelnen Erkrankten zugeschnitten. Zur anthroposophischen Therapie gehört dabei, die Individualität des Patienten vom Moment der Erstdiagnose an zu stärken und in das Therapiegeschehen einzubeziehen. In der Palliativmedizin ist bekannt, dass ein solcher Ansatz das Überleben verlängern kann. Aber wie ist es bei Tumoren in frühen Stadien? Welcher Forschungsbedarf besteht, und wie können diese Therapien umgesetzt werden? Das Kolloquium ‹Intratumorale Therapieverfahren› der Medizinischen Sektion beleuchtet diese Herangehensweise. Tumorzellen nutzen natürliche Kontrollpunkte des Immunsystems (Checkpoints) aus, um sich vor der Zerstörung zu tarnen. Neue Inhibitoren schalten diese Bremsen des Immunsystem aus, wodurch die Immunantwort gegen den Tumor entfesselt wird. Viel hängt somit davon ab, ob der Tumor durch das Immunsystem erreicht werden kann. Es gibt Therapieverfahren, die die Tumore für das Immunsystem zugänglich machen, indem sie ‹kalte› Tumore in immunologisch ‹heiße› (aktivierte) Tumore zu überführen und so möglicherweise zu besserem Ansprechen auf systemische Tumortherapien beitragen. Hier kommt die Misteltherapie ins Spiel.

Der zweite Teil des Symposiums widmet sich Grenz- und Zukunftsfragen der Palliativmedizin. Eine menschengemäße Palliativmedizin, so Marion Debus, hat die Aufgabe, einen Raum zu schaffen, in dem die Patientinnen und Patienten gemeinsam mit den ihnen nahestehenden Menschen diese letzten Entwicklungsschritte des Lebens gehen können. Die Linderung bestehender Leiden wie Schmerzen, Atemnot etc. ist dabei wesentlich. In den letzten Jahrzehnten, so Debus weiter, hat sich jedoch die Ansicht darüber, was unter ‹Linderung des Leidens› zu verstehen ist, stark gewandelt: Assistierter Suizid ist auf dem Vormarsch. Er hat das Ziel, jegliches Leiden in dieser Lebensphase komplett zu vermeiden, indem die Patientin, der Patient in diese erst gar nicht eintritt. Alternativ wird in der immer häufiger angewandten terminalen Sedierung eine adäquate Vorgehensweise gesehen, um die Patientin, den Patienten sicher von seinem Leiden zu befreien und ihr oder ihm einen ruhigen Sterbeprozess zu ermöglichen. An dem medizinischen Symposium geht es um die Frage, wie man aus anthroposophischer Perspektive mit dieser Entwicklung umgehen kann und inwieweit assistierter Suizid Ausdruck autonomer Entscheidungsfindung sein kann. Dabei ist, so Marion Debus abschließend, die Unterstützung der Bewusstseinsentwicklung am Lebensende ein wesentliches therapeutisches Ziel.


Bild Verstanstaltungsankündigung

Letzte Kommentare