Der Körper als Intuitionsheimat

Der Körper ist dunkel. Alles, was in ihm passiert, ist unsichtbar. Von außen ist er sichtbar und als menschlicher Leib jeweils so vielgestaltig, so einmalig und reich und voller Sprache wie nichts sonst. Innen ist er ganz dunkel. Nacht des Innen. Alles aber, was ist, wird erst durch den Körper und in ihm bemerkbar. Ohne ihn und sein großes Dunkel ist für mich nichts.

Solange ich lebe, ist ohne ihn einfach nichts. Seit ich auf die Welt kam, lebe ich in und aus dem Dunkel. Der Körper lebt in einer Nähe zur Welt, die älter ist als ich. Ich komme aus ihrer Wärme und mit mir alles, was ist.

Mitten in dieser dunklen Wärme in mir ist es hell. Sonne, Tag des Innen. Bewusstsein. Aus dem Dunkel taucht das Bewusstsein auf und in ihm alles, was ich bemerke. Auch ich selbst begegne mir in meinem Bewusstsein. Alles, was nicht im Bewusstsein auftaucht, ist nicht. Alles, was auftaucht, macht, dass ich bemerke, ahne, fühle, spüre, träume, vermute, erfahre, weiß, erkenne, begreife, deute, verstehe, ersehne, erwäge, wünsche, will, mag, liebe, verabscheue, fürchte, erinnere … macht, dass ich innewerde.

Innewerden in der Anschauung. Alles, was hell wird, was im Bewusstsein auftaucht, taucht auf durch die Intuition. Sie scheint das Tor für alles, was auftaucht, sie ist nicht selbst etwas, sie macht, dass etwas erscheint, sie ist unmittelbar. Unmittelbarkeit im Bewusstsein.

Die Intuition lebt in einer Nähe zur Welt, die älter ist als der Körper. Sie ist ihrer Art nach wie ich und lebt nicht in der Trennung von Körper und Bewusstsein, aber in ihnen unmittelbar.

Solange ich innewerde und anschaue, ist der Körper die Heimat der Intuition und sie die meine in ihm. Darum spricht er diese reiche und je eigene und vielgestaltige menschliche Sprache.


Zeichnung von Gilda Bartel

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