Auf kulturellem Boden

Weimar, Deutschland. Zu Beginn des Goetheanum-Anthroposophie-Studiums reisen die Teilnehmenden nach Weimar, um dort Rudolf Steiners frühe biografische Erfahrungen mit den Werken von Goethe, Schiller, Nietzsche und der Bauhaus-Kunstschule zu erkunden. Ein Interview von Andrea De La Cruz, Koordinatorin für Studium und Weiterbildung, mit Owen Parker Hughes.


Was hat dich dazu bewogen, Anthroposophie am Goetheanum zu studieren?

Meine anthroposophische Familie, meine Zeit an der Waldorfschule, Unzufriedenheit mit meinem Studium an einer konventionellen Hochschule und mein Interesse an deutscher Philosophie und daran, wie Steiners Werk diese fortführt. Ich hatte mich schon vorher für deutschen Idealismus interessiert, und dieses Interesse hat sich während des Studiums noch vertieft. Dazu kam mein Interesse an Steiner als Pädagogen und als vergleichendem Mythologen sowie an seinen Ideen zu Karma und Reinkarnation. Auch der Wunsch, in Europa zu leben, hat bei meiner Entscheidung für das Studium mitgewirkt.

Welche Rolle spielte aus deiner Sicht die Studienreise nach Weimar für das Studienprogramm?

Für mich war das Thema der Reise ‹Kontrast› – wie sich das 20. Jahrhundert, die deutsche Geschichte, Traditionen und Denkweisen in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Man konnte sehen, wie die Dinge im Michael-Zeitalter in die Irre gehen können, aber auch, wie damals der Samen der Anthroposophie gepflanzt wurde. Die Reise gab uns auch weiteren Kontext zu Steiners Herkunft und zu dem kulturellen Boden, aus dem die Anthroposophie hervorging. Die Persönlichkeiten, von denen in der Anthroposophie oft die Rede ist, wie Schiller oder Goethe, wurden greifbarer. Ich habe einen anderen Steiner kennengelernt, was ich sehr hilfreich fand: Steiner als Archivar, als Akademiker, als junger Mann, vor seiner Zeit als Theosoph in Berlin. Wir bekamen eine Vorstellung davon, wie er an diesem kleinen Ort seine Ideen von Freiheit und Individualismus entwickelte; wie er diesen Weg zurücklegte. Die Reise hat das konkretisiert und kontextualisiert. Außerdem bot sie die Gelegenheit, Zeit mit zwei bedeutenden Personen der Anthroposophie zu verbringen – Peter Selg und Constanza Kaliks –, an einem Ort, der unendlich viel Gesprächsstoff liefert, während man gemeinsam unterwegs ist. Die Reise findet zudem zu Beginn des Trimesters statt und ich glaube, dass jede Reise die Teilnehmenden einander näherbringt. Das ist wichtig, um ein Gruppengefühl zu kultivieren, wenn man sich anfangs noch fremd ist.


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Foto Andrea De La Cruz

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