Dr Geischt isch nundergkome

Zum hundertjährigen Jubiläum des Landwirtschaftlichen Kurses feierten die Verantwortlichen der elf Sektionen.


«Es hat fürstlich begonnen», kommentiert Stefan Hasler (Sektion für Redende und Musizierende Künste) die Bilder des Schlosses aus dem Fotoalbum zur Reise Rudolf Steiners nach Koberwitz am 7. Juni 1924. Mit dem Ausspruch ‹Am Anfang war das Wort› erläuterte Matthias Rang (Naturwissenschaftliche Sektion), dass es in Koberwitz, wie allgemein bei anthroposophischen Initiativen, zuest mit einem Vortrag begann (Bild 1). Vesna Forštnerič Lesjak, Kollegin von Matthias Rang, zeigte an dem Buch von Jan-Albert Rispens ‹Bäume verstehen lernen›, dass man aus einem Satz Rudolf Steiners («Bäume sind aufgestülpte Erde») ein ganzes Buch machen könne. Karin Michael und Marion Debus (Medizinische Sektion) erinnerten daran, dass man im Operationssaal grün trage und dass Ita Wegman einen Bauernhof für die erste anthroposophische Klinik erworben hatte, damit die Patientinnen und Patienten frische Milch bekämen. Dann übernahm Oliver Conradt (Mathematisch-Astronomische Sektion) das Wort und sprach über die Erde, in der sich die Sternenwelt manifestiere. Stefan Hasler ließ Sylphen, Gnome und Zwerge eurythmisch auftreten (Bild 2). Während in der Landwirtschaft die Begegnung mit diesen Wesen tägliche Erfahrung sei, müsse man sich in der Kunst ziemlich strecken, um sie zu erfahren. Dorothee Prange (Pädagogische Sektion) erklärte mit Augenzwinkern, dass man Kinder als Salat und Jugendliche als Spätburgunder verstehen müsse, dann könne man sie am besten unterrichten. Grundlage war ein Text Philipp Reubkes (Pädagogische Sektion). Nathaniel Williams, Verantwortlicher der Jugendsektion, verglich daraufhin Denken und Düngen und sang mit den Tausend im Saal von Joan Baez den Refrain «how the winds are laughing». Einen Hymnus an die Göttin Natura, «du, der der Himmel geneigt ist», las Christiane Haid vor. Er inspiriere, um sich an die Zukunft zu erinnern. Dann trat Gerald Häfner (Sektion für Sozialwissenschaften) mit Gitarre im Arm auf. Soziales und Landwirtschaft seien geschwisterliche Gebiete, betonte er und stimmte das Lied ‹Merseburger Zaubersprüche› aus dem althochdeutschen (10. Jh.) an (Bild 3). Den letzten Gruß boten Constanza Kaliks und Peter Selg von der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion. Mit Perücke und Rock spielten sie einen Dialog von Hölderlin und Plato (Titelbild). «Dr Geischt isch nundergkome», erklärte Peter Selg alias Hölderlin und fasste so die Gründung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft schwäbisch zusammen.


Alle Fotos Xue Li

Print Friendly, PDF & Email

Letzte Kommentare