Philmont, USA. Natalia Gillespie ist Künstlerin in Residenz bei Free Columbia. In ihren Werken aus Fotografie, Videografie und Bildhauerei verwischt sie die Grenzen zwischen Körper und Erde. Ein Interview über die Beziehungen zwischen Kunst, Natur und Gesellschaft.
Paula Boslau: Was hat dein Interesse an der Verbindung von Körper und Natur geweckt?
Natalia Gillespie Mit dem tiefgründigeren Erforschen dieser Beziehung habe ich während meines Studiums am Bard College begonnen, das mitten im Wald am Hudson River liegt. Das Leben auf dem Land ist ein Geschenk. Ich verbringe viel Zeit damit, Pflanzen, Tiere und den Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten. So entwickle ich ein Gespür für die Rhythmen, von denen die Natur geprägt ist. Mit der Zeit konnte ich eine tiefgreifende Verwandtschaft zwischen diesen Rhythmen und meinem eigenen emotionalen und spirituellen Leben erkennen.
Das erste Naturelement, das für meine Arbeit zentral wurde, war die Höhle. Ich begann, Höhlen zu fotografieren, weil ich mich mit ihrem weiten Inneren und ihren Schatten verbunden fühlte. Ich sah in ihnen Verkörperungen unseres Innenlebens sowie Symbole der Weiblichkeit und des Vergehens der Zeit.
Wie sieht dein kreativer Prozess aus?
Es ist schwierig, genau zu sagen, woher meine Ideen kommen, denn Kunst entspringt einer so mysteriösen Quelle. Oft müssen wir Bilder in die Lebendigkeit locken, indem wir langsam und vorsichtig an einem Faden ziehen. Meine Inspirationen verändern sich abhängig von dem Medium, mit dem ich arbeite, sie sind aber meist in meiner Umgebung verwurzelt. In letzter Zeit sammle ich Fundstücke aus Trödelläden und von der Straße; sie sind dann mein Ausgangspunkt. Außerdem interessiere ich mich für ortsspezifische Installationen, bei denen der Raum selbst Mitgestalter und Rahmen für das Werk wird. Bestimmte Formen, Texturen und Bilder, die mich mein ganzes Leben lang angezogen haben, tauchen immer wieder von selbst auf. Meine Aufgabe ist es, aus ihnen etwas Neues zu synthetisieren.
Warum sind Künstlerinnen und Künstler für die menschliche Gesellschaft wichtig?
Kunst macht das Leben schön und lebenswert. Vorgesungen zu bekommen, eine Mahlzeit zusammenzustellen oder ein Bild für jemanden zu malen – all das sind kleine künstlerische Gesten, die mich mit Dankbarkeit erfüllen. Kunst zu machen, ist eine Übung in Achtsamkeit, Intentionalität und Andacht. Menschliches Handeln hinterlässt oft eine Spur der Zerstörung. Kunst bietet einen weiteren Weg, unsere Individualität zu einem Geschenk zu machen und so Sinn, Schönheit und Verbundenheit in die Welt zu bringen.
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