Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rathe ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharf denkender Kopf zu sein, auch meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest, nein! Vielmehr sollst du es ihm selbst allererst erzählen.
Heinrich von Kleist
Aus: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. In: Ders., Sämtliche Werke und Briefe Band II. München/Frankfurt am Main 2010, S. 284.
Die Weisheit des Dialogs liegt im gedankenbildenden Sprechen und in der Kraft des Zuhörens – im Zusammentreffen von beidem wachsen Sprechende und Zuhörende über sich hinaus.
Kommentar Johanna Lamprecht
Zeichnung Philipp Tok

