Das Esoterische im Mittelpunkt

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Sheffield, England. Quinlan Wingfield aus England hat Anthroposophie am Goetheanum studiert. Er wünscht sich, dass die anthroposophische Gemeinschaft ihre Eigenarten mehr ins Zentrum stellt.


Man kann sehr leicht unzählige Stunden damit verbringen, ziellos im Rudolf-Steiner-Onlinearchiv zu stöbern und nach dem nächsten spannenden Thema zu suchen. Doch gerade als jemand, der (noch) nicht mit der ‹Ersten Klassenstunde› gearbeitet hat, gerät man schnell in eine Lage, in der man zwar viele verschiedene interessante anthroposophische Fakten kennt, die Grundlagen dabei aber eher verschwommen bleiben. Eine strukturierte und individuell zugeschnittene Ausbildung in Anthroposophie – nicht Biodynamik, nicht Pädagogik, nicht Therapie, sondern Anthroposophie – wird immer seltener. Und wo ginge das besser als am Goetheanum? Die meisten Kursteilnehmenden, wenn nicht sogar alle, kommen zum Goetheanumstudium wegen der spirituellen oder esoterischen Seite der Anthroposophie. Die größte Herausforderung, vor der ich und fast alle anderen, mit denen ich hier gesprochen habe, stehen, ist die Tatsache, dass das Esoterische nicht mehr im Mittelpunkt steht. Es ist zwar nach wie vor präsent, aber ich habe den Eindruck, dass das Marketing, die Art der Präsentation der Inhalte und die Themen verwässert werden, um ‹normaler› zu wirken. Anthroposophie und verwandte Themen als ‹noch eine professionelle Alternative zu X› darzustellen, ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Wir stellen unsere Stärken nicht in den Vordergrund und schaffen eine Situation, in der jemand beispielsweise die Idee der Biodynamik interessant finden könnte, aber auf Steiners spirituelle Werke stößt und ohne den nötigen Kontext oder die entsprechenden Ressourcen beides sofort wieder ablehnt. Diese Art der Selbstdarstellung funktioniert nicht, wird aber immer häufiger. Wenn wir das Ungewöhnliche annehmen und anerkennen, dass es ungewöhnlich ist, geht es uns vielleicht besser.


Kontakt qgeorgewin@gmail.com
Bild Quinlan Wingfield

Mehr studium.goetheanum.ch

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