Licht wirkt

Licht wirkt

Jedes Jahr vor Michaeli versammelt sich die Bewegung der Anthroposophischen Medizin zu ihrer Jahrestagung. War es letztes Jahr die Wärme, stand nun das Licht im Mittelpunkt. Hier die Tagung ausführlich nachgezeichnet.


800 Ärzte, Therapeuten und Pharmazeuten aus 42 Ländern kamen zusammen. «I come from Dubai», ergänzte eine Stimme, «I am from Malaysia» eine andere, als nach Ländern gefragt wurde. Matthias Girke eröffnete diese «Systole der medizinischen Bewegung» mit dem Hinweis, dass das Licht von der Farb- bis zur Gesprächstherapie beinahe alle Behandlungsformen verbinde. Er erinnerte an Viktor Frankl, der neben einer Tiefenpsychologie nach einer Höhenpsychologie fragte, in der die Sinnfrage, das Licht der Biografie, sich zeige. Dabei war interessant, sich die Wortbedeutung zu vergegenwärtigen: Biografie heißt ‹Schrift des Lebens›. In der Schrift gerinnt das Licht. Damit waren zwei Begriffe im Raum: Licht und Leben. Es sind zwei Begriffe, die Christus in den ersten beiden Ich-bin-Worten ausspricht: ‹Ich bin das Brot des Lebens› (Joh 6,35) und ‹Ich bin das Licht der Welt› (Joh 8, 12), womit Girke unterstrich, dass die Gegensätze eine Einheit bilden. Zur weiteren Einleitung in das Thema gehörte eine Lichtwesenskunde: Es gibt das physische Licht, das den Raum sichtbar macht, dann ein Licht, das von den Pflanzen ‹eingeatmet› wird bei der Photosynthese. Es folgt die seelische Dimension des Lichtes, dessen Wirkung z. B. in der Behandlung von Depressionen eingesetzt wird, und schließlich das geistige Licht. Unterhalb der vier Lichtwelten liege dabei noch mit der Elektrizität der Leichnam des Lichtes. Dabei betonte Girke, dass jede Zelle etwa 70 Millivolt Spannung in sich trage und diese Sphäre des Lichtes auch im Organismus vorhanden sei. Die Gegensätzlichkeit von Bewusstsein und Leben, dass im Leben das Bewusstsein sich abdämpft, habe der Philosoph Karl Fortlage (1806­–1881) als Erster beschrieben. Den umgekehrten Prozess, dass durch Wärme das Leben sich zum Bewusstsein steigere, nennt dabei Rudolf Steiner die ‹Ätherisation des Blutes›. Das sei, so Girke, der Prozess des Tages, während sich nachts umgekehrt aus der geistigen Lichtwelt das Leben regeneriere. Dann verfolgte Girke die Lichtspuren in der Substanz: 700 Gramm Phosphor trage jeder Organismus in sich, und er betonte, dass das Fruchtwasser die kieselreichste Flüssigkeit im Leben sei – und das (in seiner Komposition ganz ähnliche) Gehirnwasser die Erinnerung an dieses Lichtbett vor der Geburt.

Licht und Leben sind die beiden Begriffe, die Christus in den ersten beiden Ich-bin-Worten ausspricht: ‹Ich bin das Brot des Lebens› und ‹Ich bin das Licht der Welt›.

Mit der Zirbeldrüse ging es in die Nachtseite des Lichtes. Mit dem Melatonin, das dieses kleine Organ im Zentrum des Gehirns ausschüttet, bekommt der Schlaf Struktur und Tiefe. Als ‹drittes Auge› ist die Zirbeldrüse zu einem Organ des geistigen Lichtes geworden. Matthias Girke betonte, dass ähnlich wie bei künstlichen Vitamin-D-Zugaben auch die Melatonineinnahme die Lichtleistung des Organismus auf eine stoffliche Ebene reduziere. Der dann erwähnte ‹Nucleus suprachiasmaticus› war wohl für einige im Saal unbekannt. Zwischen Zirbeldrüse und Hypophyse, eng verbunden mit der Sehbahn, liegt dieser kleine Kern, der die Tagesrhythmen im Organismus steuert, indem er den Sonnenlauf in den Leib transformiert. Damit ergibt sich erneut der Gegensatz von Licht und Leben. Die Zirbeldrüse kümmert sich um die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, während die Hypophyse Wachstum und Lebensprozesse prägt. Zwischen diesen Polen vermittelt der Nukleus, indem er die an der Sonne orientierten Rhythmen steuert.

Am Ende sollte ein Vortrag in den Willen münden. So war es auch bei Matthias Girke: Er schloss seine Betrachtung mit sieben aufsteigenden Lichtübungen. Hier die ersten drei: 1. Wenn man die innere Beziehung der Tageserlebnisse beleuchtet und so die Schrift des Lebens sich vergegenwärtigt, dann kommt Licht in die Gefühlswelt. 2. Wenn man, wie von Rudolf Steiner in der ‹Geheimwissenschaft› beschrieben, jeden Moment drohender Langeweile in Empathie und Empfänglichkeit verwandelt, dann kommt Wärme in das Gefühl. 3. Wenn man auf die ‹gesunde Ahnung› aufmerksam wird, dann wird ein inneres Fühlen zu einem helleren Fühlen.

 
 Licht kennt tausend Farben, tausend Schattierungen. Erst am Stoff, an der Materie kann sich der Lichtzauber entfalten. Hier mit Zwiebelschalen gefärbte Seide.

Licht kennt tausend Farben, tausend Schattierungen. Erst am Stoff, an der Materie kann sich der Lichtzauber entfalten. Hier mit Zwiebelschalen gefärbte Seide.

 

Hymnus an die Sonne

Am ersten Abend wurden die Namen der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder der Medizinischen Bewegung vorgelesen. Es war ein besonderer Moment, als Name um Name erklang und es dann wohl jeweils in einzelnen Seelen resonierte. Die Namensliste ist lang. Aus dem Saal kamen weitere Namen. Es war ein Moment, an dem die Spanne vom Einzelnen, aufgehoben in einer Gemeinschaft, greifbar wurde. Dann folgte der Beitrag von Georg Soldner. Mit Ingeborg Bachmanns Gedicht hätte man seinen Hymnus auf die Sonne überschreiben können: «Nichts Schönres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein.» Soldner schilderte anhand des Beispiels verschiedener Patienten den heutigen Licht- oder besser Sonnenmangel, der zu einer Vielzahl an Erkrankungen führen könne, von Depression bis entzündlicher Kopfhaut. Er erinnerte daran, dass selbst Strafgefangene in Europa seit 1800 das Recht auf eine Stunde unter freiem Himmel hätten, eine Zeitspanne, die nicht wenige heute nicht erreichen. «LED und Tablets verursachen keinen Sonnenbrand – aber sie beleben auch nicht», bemerkte er zum blauen Licht der Monitore. Das Auge in seiner Sehnsucht nach Sonnenlicht wachse dann häufig in die Länge, was zu Kurzsichtigkeit (Myopie) führe. Es überrasche deshalb nicht, dass in Südkorea beinahe alle Studierenden eine Sehhilfe benötigten. Dabei gehe es nicht um das Sonnenlicht allein. Darin spiegle sich eine Schwäche, sich für den Umkreis zu interessieren. Deshalb liege hier in der Augenheileurythmie der therapeutische Griff, die Seele, den Astralleib für die Umgebung zu öffnen. Dann ging Soldner auf die Angst vor der Sonne ein: «Bei jedem Sonnenbrand sehen wir heute gleich den Hautkrebs – Sonnenschutzfaktor 50 scheint die Pflicht zu sein!» Dabei übersehe man, dass der Körper dann all diese Stoffe, zum Teil auch Sexualhormone, abbauen müsse, die Sonnencremes die Vitamin-D-Bildung blockierten und man in der Illusion lebe, sich nun 50-fach der Sonne aussetzen zu können. Dass nicht Bauarbeiter, die den ganzen Tag unter der Sonne sind, sondern vor allem Bürokräfte und leitende Angestellte zu bösartigem Hautkrebs neigen, gab dabei zu denken, wie auch die Beschreibung, dass 60 Prozent der Melanome an bedeckten Körperstellen auftreten und Gartenarbeit das Krebsrisiko halbiere. Es seien vielmehr seelische Erschütterungen, die zu einem höheren Risiko führten. Soldner ergänzte, dass jede Kultur eigentlich ihr angemessenes Verhältnis zur Sonne entwickelt habe. So bedecken sich Afrikaner angesichts des Übermaßes an Einstrahlung, während man sich in Skandinavien gerne reich dem spärlichen Sonnenlicht aussetze. Wenn nun ein Geflüchteter aus Eritrea seine Gewohnheiten in Schweden beibehalte, führe das leicht zu gesundheitlichen Schwierigkeiten.

Soldner kam auf die Beziehung der dreigegliederten Hüllen von Sonne, Erde und Mensch zu sprechen. Das harte Licht der äußersten Lichthülle der Sonne, der hochaktiven und eine Million Grad heißen Korona, werde in der obersten Luftschicht der Erde, der Thermosphäre, abgefangen, die auf 1000 °C erhitzt werde. Die unterhalb liegende Chromosphäre der Sonne sende ein Licht, das von der Stratosphäre aufgenommen werde und beim Menschen die untere Oberhaut erreiche. Das sichtbare Sonnenlicht der Photosphäre, der mit 5000 °C kühlsten Hülle des Sonnenleibes, erwärmt die unterste Atmosphärenschicht der Erde, die Troposphäre (vor allem durch die von der Erde rückgestrahlte Wärme). Dieses Licht wandere bis in die Unterhaut, die beim Menschen, der weder Fell noch Federn trägt, in einzigartiger Weise Fettgewebe bilde und damit Wärme speichern könne. Soldner verglich die vom Menschen hervorgerufene ökologische Schädigung und Instabilität der Troposphäre mit den Extremformen der Unterhaut durch Übergewicht und Magersucht.

Das Sonnenlicht verwandelt sich zu einem inneren Licht im Menschen. Rudolf Steiner: «Das bitte ich Sie durchaus zu berücksichtigen, dass der Mensch einfach dadurch, dass er Mensch ist, fortwährend aufgespeichertes metamorphosiertes Licht in sich hat.» (GA 312, 4. Vortrag) Der Sonnenbezug ist in seinem Wesen ein religiöser Bezug, fasste Soldner zusammen und schloss mit der Frage, wie der Lichtstrom sich umwende: «Christus hat sich als das Sonnenwesen mit der Erde verbunden – wie verbinden wir uns mit ihm und lassen ihn aus uns leuchten?»

Eine Wesenheit stellt den Menschen ins Licht

Peter Selg begann seinen Vortrag mit einem altindischen Sonnenmantram: «Das liebeweckende Licht des belebenden Sonnenwesens». Die johanneischen Worte Licht, Liebe, Leben seien in diesem frühen Zeugnis bereits vorhanden, und ähnlich könne man in allen alten Mysterienkulturen diese Lichtworte finden. Wobei bei Orpheus ‹Heilung› als viertes hinzukäme. Selg referierte aus Steiners Darstellungen (Geheimwissenschaft im Umriss) über die Entstehung des Sonnenlichts. «Schenkende Tugend habe sich beim Anblick des Opfers der Throne gebildet» und dieses Opfer hätten die Erzengel zur Sonne zurückgespiegelt, wodurch das Licht geboren worden sei. Licht sei also, so Selg, aus Opfer, Schenken und Anblick des Schenkens entstanden. In den alten Kulturen sei diese Lichtwelt von außen wahrgenommen worden, habe sich dem Menschen genähert. Die ersten Zeilen von Hölderlins ‹Hyperions Schicksalslied› siegelten dieses ursprüngliche Sonnenverhältnis: «Ihr wandelt droben im Licht / Auf weichem Boden, seelige Genien!» Selg nahm die Jordantaufe als Lichtereignis, das zu den Worten führe: «Ich bin das Licht der Welt.» Dann stellte er Persönlichkeiten in die Mitte, die diesen Schritt von der äußeren zur inneren Sonne beschrieben und gegangen seien: Franziskus an seinem Sonnengesang, Rembrandt an seinen Bildnissen des Auferstandenen beim ‹Abendmahl in Emmaus›, Goethe an seiner Bemerkung zu Eckermann, in der der Dichter die Sonne als das Höchste, Mächtigste nennt, das man wahrnehmen könne. Es folgte Jacques Lusseyran, der mit acht Jahren sein Augenlicht verlor und in Büchern und Vorträgen von dem inneren Licht berichtete. Selg ging auf den Vortrag Lusseyrans im Goetheanum am 19. April 1970 ein, den dieser mit «Hier bin ich nun zurückgekehrt» eröffnete. Lusseyran erwähnte, dass er es der Anthroposophie verdanke, doch nicht ganz blind geworden zu sein, dank der Kräfte, die die Lehre von Rudolf Steiner ihm gegeben hat.»

Der Mensch wird das auf der Erde wandelnde eigene Wesen als sonnengeführt erkennen. Er wird als Wahrheit empfinden lernen, dass ihn im Innern eine Wesenheit in ein Licht stellt, das zwar auf das Erdendasein leuchtet, aber nicht in diesem entzündet wird.
— Peter Selg

Den Weg des Sonnenlichtes von seiner äußeren, kosmischen Erfahrung hin zu einem innerseelischen Weg verfolgte Selg dann in Steiners Leitsätzen: «er [der Mensch] wird das auf der Erde wandelnde eigene Wesen als sonnengeführt erkennen. Er wird als Wahrheit empfinden lernen, dass ihn im Innern eine Wesenheit in ein Licht stellt, das zwar auf das Erdendasein leuchtet, aber nicht in diesem entzündet wird.» Und später: «Der Mensch weiß sich in einer Wirklichkeit, wenn er der physischen Sonne gegenübersteht und durch sie Wärme und Licht empfängt. So muss er der geistigen Sonne, Christus, die ihr Dasein mit dem Erdendasein vereint hat, gegenüberleben und von ihr in der Seele das lebendig empfangen, was in der geistigen Welt der Wärme und dem Licht entspricht.» Abschließend beschrieb Selg Meditationen, die Steiner einzelnen Patienten gegeben hat, und betonte, dass es immer Therapiekompositionen gewesen seien, bei denen Mantram und Arznei zusammengehörten. «Die Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen / Allein im Innern leuchtet helles Licht», ließ er Goethes Faust sprechen und betonte, dass dieses innere Licht kein Refugium sein dürfe, sondern wieder ausstrahlen müsse. Die Darstellung endete mit den Schlusszeilen des Grundsteinspruchs. Fünfmal ist dabei von Licht die Rede. «Lichtpentagramm» habe es der niederländische Arzt Willem Zeylmans van Emmichoven genannt.

Die Haut als Auge

Der Hautarzt Christoph Schempp schilderte jüngste Forschungen über die Lichtaufnahme durch die Haut als Lichtorgan. Andrzej Slominski konnte zeigen, dass der aus den Augen bekannte Sehpurpur auch in der Haut vorkommt, beispielsweise an den Haarwurzeln, und damit ein Hinweis auf Lichtwahrnehmung ist. Licht, so Christoph Schempp, wirke auf das Haarwachstum und die Karotinbildung in der Haut. Man müsse deshalb Goethes Satz erweitern: «Wäre nicht die Haut sonnenhaft, wie könnte sie die Sonne schauen.» Neben den bekannten Sinneseigenschaften der Haut wie Temperatur, Schmerz, Druck, Berührung und Zug habe man nun Geräuschrezeptoren entdeckt. Seine Forschungsgruppe habe erstmalig Bitterstoffrezeptoren nachweisen können. Die Haut ist somit umfassender als bisher angenommen ein Sinnesorgan. Es war erstaunlich zu hören, dass bei Kindern der Spracherwerb sich verzögere, wenn die Lautwahrnehmung über die Haut gestört sei. Die Bitterstoffrezeptoren lassen die Haut Substanzen wahrnehmen, die so auf den Stoffwechsel der Haut wirken.

Es folgte ein Blick auf die drei Schichten der Haut im obersten zehntel Millimeter. Oben die mit Nerven durchzogene Oberhaut (Epidermis), darunter die Lederhaut (Dermis) mit Muskeln, Durchblutung und Drüsen und dann die Unterhaut, wo Stoffwechsel und Fettlagerung geschehen. Die unterschiedlichen UV-Strahlen der Sonne dringen nun unterschiedlich tief in die Haut ein. Die kurzwellige UVB-Strahlung erreiche nur die Oberhaut. UVA dringe bis an die Grenze zur Lederhaut und der sichtbare Anteil des Lichts bis in die Unterhaut. Der infrarote Teil des Lichtes erreicht sogar die unter der Haut liegenden Muskeln, weshalb mit entsprechenden Lampen Muskeln gezielt erwärmt werden können.

Schempp zählte daraufhin elf Hormonsysteme der Haut auf, vom Melatonin bis zu Steroiden, und anders als im Gehirn werden all diese Hormonnetzwerke durch das Licht moduliert. Dabei gab er eine stoffliche Erklärung, warum man sich bei Sonnenlicht wohler fühle: Kurzwellige UVB- und UVC-Einstrahlung stimuliere das Opioidsystem und die Ausschüttung von Betaendorphinen in der Haut.

Das Licht, so fasste er die Forschungsergebnisse von Andrzej Slominski zusammen, moduliert über die Haut und die Vitamin-D-Bildung die gesamte Hormonaktivität des menschlichen Organismus. Das Sonnenlicht wirkt damit nicht nur auf den Stoffwechsel der Haut, sondern auch auf das Immunsystem, auf die hormonelle Regulation. Es beeinflusst den gesamten Stoffwechsel des Körpers, die Stimmung, die Sexualität sowie den Blutdruck und die Gesundheit der Knochen.

Schempp schloss mit einer Abbildung eines Kleinkindes und einer alten Frau: glatte Haut und geschlossene Augen, die das Sonnenlicht aufnehmen, da, gefurchte Haut und geöffnete Augen, aus denen das innere Licht herausstrahlt, dort.

 
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Anthroposophie weckt das innere Licht

Die brasilianische Ärztin Sheila Grande sprach über Tropenkrankheiten wie Denguefieber, Gelbfieber und Chikungunya. Eindrucksvoll war die Zuversicht, die sie ausstrahlte, trotz der schweren Krankheiten, mit denen sie zu tun hat. Wie denken wir über Krankheiten, fragte sie. Im 13. Jahrhundert hätte man Gott für die Krankheiten verantwortlich gemacht, dann im 15. seien sie vom Teufel geschickt worden und heute seien Viren schuld. Sie zitierte Steiners Beispiel eines schmutzigen Badezimmers mit Ungeziefer. Ursache dieser ‹Gäste› ist die Faulheit des Besitzers, das Bad zu putzen. So seien die Viren ebenfalls Anzeiger, nicht Ursachen. Grande beschrieb die Furcht vor der Krankheit, und diese Furcht sei es, die die Ernährung für krankmachende ahrimanische Wesen schaffe. Dann kam sie auf das Denguefieber. Neun Epidemien hätte sie in ihrem Berufsleben als Ärztin in Rio de Janeiro erlebt. Vor allem Kinder werden befallen, das von Grande entwickelte anthroposophische Therapiekonzept kann wesentlich zu einem besseren Verlauf und einer schnelleren Erholung beitragen. Das gilt auch für die sich ausbreitende Erkrankung Chikungunya. Die starken Gelenkschmerzen führten häufig zu Resignation, zu der auch eine Todeserwartung gehöre. Gerade hier sei Anthroposophische Medizin weiße Magie, denn durch sie entzünde sich wieder Zuversicht, sie wecke das innere Licht. «Es ist wie ein Zauber.»

Anthroposophische Medizin ist weiße Magie, denn durch sie entzündet sich wieder Zuversicht selbst in schwerer Krankheit.

Umkreis für gelingende Biografie

Sonja Zausch hat mit ihren beiden Kollegen Bart van Mechelen und Jan Göschel von Rüdiger Grimm die Leitung der Konferenz für Heilpädagogik übernommen. Jetzt gab sie einen kurzen Einblick in die Entwicklung der anthroposophischen Heilpädagogik. Zuwachs gebe es vor allem im Osten, in Asien. «Es werden immer mehr Menschen, die sich für Sozialtherapie einsetzen», betonte sie. Dabei bestünden in den einzelnen Kulturen große Unterschiede, wie man mit Menschen mit Assistenzbedarf umgehe. Steiner habe den Heilpädagogen ja die Punkt-Umkreis-Meditation gegeben und tatsächlich dreht sich in der Heilpädagogik alles um diese Frage: Wie kann man einen solchen Umkreis, einen solchen Umraum um den Menschen schaffen, dass er ‹seine› Biografie verwirklichen kann? Diese Frage stelle sich dabei von der Geburt bis zum Tod, das illustrierte Zausch anhand von drei heilpädagogischen Einrichtungen: einer Camphillgemeinschaft in Georgien, wo im öffentlichen Café Menschen mit Assistenzbedarf arbeiten, einer Einrichtung für milieugeschädigte Jugendliche in Samara, Rumänien, und den Troxlerwerkstätten in Wuppertal, wo für ältere Menschen mit den in diesem Lebensabschnitt auftretenden Alterserkrankungen Angebote entwickelt werden.

Licht für den inneren Raum

Im World Space der Konferenz erzählte Johanna Gunkel von ihrer kunsttherapeutischen Arbeit in einem Frauengefängnis. Über die Malerei gibt sie den psychisch belasteten Frauen die Möglichkeit, über Farb-Sand-Meditationen Sehnsüchte zu artikulieren und zu sich selbst zu kommen. Auch Blindporträts, bei denen man sich selbst abtastet, helfen, so Gunkel, eine neue Perspektive über sich selbst zu gewinnen. Die Gespräche mit den inhaftierten Frauen zeigten, wie wichtig die Kunsttherapie hier ist, weil sie ermögliche, einen ‹anderen›, inneren Raum als die 8,6 Kubikmeter der eigenen Zelle zu erfahren.

Henrietta Espaniola schilderte, wie es in Iloilo auf den Philippinen möglich wurde, an der Universität Workshops in Anthroposophischer Medizin zu veranstalten. Indem die Grundfragen des Lebens, die vier Elemente und Kunsterfahrung behandelt werden, zeige sich die Anthroposophische Medizin nicht als Spezialisierung, sondern eröffne vielmehr eine umfassende Perspektive. Raphael Kleimann berichtete von Konferenzen in Norwegen mit anderen medizinischen Vereinigungen über die Wirkungen von elektromagnetischer Strahlung, Lichtverschmutzung und Therapierichtungen mit Biophotonen und Körperenergien. Man müsse die Auffassungen nicht teilen, aber man lerne viel, war sein Resümee. Man könne nicht theoretisch die Anthroposophische Medizin hier abgrenzen, es sei als Sache spiritueller Forschung zu verstehen, wo und wie sich eine Medizin, die von Bildekräften spricht, und eine Medizin, die sich Energien vorstellt, begegnen können. Bilder von Schülern unter LED-Beleuchtung und unter klassischen Glühlampen zeigten, dass bei Ersteren die Bilder klein und formal werden. Er schloss damit, dass es nicht nur darum gehe, mit Licht zu heilen, sondern auch darum, das technisch geschädigte Licht zu heilen.

Aus Licht wird Zeitlichkeit

Christian Schopper stellte in seinem Abendvortrag die ätherische Seite des Lichtes dar und schilderte, wie in der Depression das innere Licht ‹wie ausgeknipst› sei und es darum gehe, die Patienten gleichsam zum Licht zurückfinden zu lassen. Seinen Vortrag illustrierte er mit Bildern des Landschaftsmalers Claude Lorrain, die eine Lichtqualität zeigen, die dem ätherischen Wirken des Lichtes sehr nahekommt.

«Licht ist eine Wesenheit in der Sinneswelt, die aber selbst außersinnlich ist»: Licht ist für Rudolf Steiner zwischen dem sinnlich Fassbaren und dem Übersinnlichen angesiedelt. Die Frage, wie sich das Licht mit dem Leib verbindet, hat Steiner dann 1887 zur Anschauung des dreigegliederten Menschen geführt – die Grundlage der Anthroposophischen Medizin.

Am nächsten Morgen begann Marion Debus, leitende Onkologin an der Klinik Arlesheim, ihren Vortrag mit einem Vergleich, wie man sich die schwer zu denkende Nichtlokalität der Lichtteilchen denken könne. Es sei wie beim Schreiben: Bevor man das erste Wort niederschreibe, gäbe es viele Möglichkeiten, es sei ein offener Zustand, doch sobald die ersten Worte auf dem Papier sind, ist aus dem Möglichkeitsraum ein Wirklichkeitsraum geworden. Ähnlich sei es mit den Photonen und ihrem unbestimmten Ort, solange man sie nicht gemessen habe. Steiner, so Debus, habe Anfang des 20. Jahrhunderts mit Leidenschaft die Forschung zum Licht verfolgt. Die Beschreibung von Licht als elektromagnetisches Phänomen habe ihm dabei ‹Seelenpein› bereitet und ihn zu eigenen Versuchen mit Prismen geführt. «Licht offenbart sich in den Farbwahrnehmungen, wird aber selbst nicht sinnlich wahrgenommen. Licht ist eine wirkliche Wesenheit in der Sinneswelt, die aber selbst außersinnlich ist», habe er notiert. Licht sei für Steiner zwischen dem sinnlich Fassbaren und dem Übersinnlichen angesiedelt. Die Frage, wie sich das Licht mit dem Leib verbinde, habe Steiner dann 1887 zur Anschauung des dreigegliederten Menschen geführt – die Grundlage der Anthroposophischen Medizin. Ähnlich wie das Licht sei auch die Dreigliederung zwischen Anschauung und Idee angesiedelt. Was Goethe an der Urpflanze als Idee ‹gesehen› habe, das habe Steiner beim dreigegliederten Menschen erfahren.

 
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Dann beschrieb Debus Studien über die Wirkung von Tageslicht für die Gesundheit: Es sei das Morgenlicht, das uns Menschen in den Tagesrhythmus führe. In Schweden habe eine Studie gezeigt, dass Menschen, die sich dem Licht aussetzen, länger leben, Lichtexposition senke das Krebsrisiko und Piloten, die in Ost-West-Richtung flögen, hätten ein fünffach höheres Krebskrisiko als diejenigen, die ohne Zeitverschiebung Nord-Süd-Flüge ausführten. Eindrücklich war auch die Studie, dass Sonnenabstinenz das Krebsrisiko mehr erhöhe als Tabakkonsum. Selbst radioaktive Strahlung sei weniger schädlich als der Rhythmusverlust. Debus schloss ihre Darstellung mit einem Blick auf den Nucleus suprachiasmaticus, jenem schon oben erwähnten Kern des Zentralnervensystems, der den Tag-Nacht-Rhythmus ordne und damit auch den Wärmehaushalt des Menschen präge. So präge das Sonnenlicht die Zeitstruktur und auch den Wärmeorganismus des Menschen.

Von der inneren Stimme zur neuen Tat

Am letzten Tagungstag sprach Soldner in seinem Vortrag zum Heilungsimpuls des Lukasevangeliums darüber, dass es nötig sei, von der natürlichen Haltung, dass die Krankheit – vom Zahnschmerz bis zum Tumor – ‹weg› solle, sich wandeln müsse, um sie als Boten verstehen zu lernen. Das könne gelingen, wenn der Arzt ahnend empfinden könne, «was aus früheren Inkarnationen herüberkomme» (R. Steiner, GA 316, Vortrag vom 24.4.1924). Hier zähle das Hin- und Hineinhören, wie es Steiner als Übung in ‹Wie erlangt man Erkenntnise der höheren Welten› beschrieben habe, betonte Soldner und sagte, dass Ärzte – im Kontrast dazu – ihre Patienten durchschnittlich nach 11 bis 23 Sekunden erstmals unterbrächen.

Die Laute und die Sprache einer anderen Person als Offenbarungen von deren Wesen fühlen zu lernen, führe schließlich dazu, so Steiner, auch das Unhörbare zu hören. Es sei die «Wahrnehmung des inneren Wortes». Darum gehe es auch im Lukasevangelium, so Soldner, wenn Zacharias und später Maria den Worten des Engels Vertrauen schenken sollen. Dabei sei es nicht Wissen, sondern Wandlungsbereitschaft, die es Maria ermögliche, den Worten zu glauben. Auch das Pfingstereignis, das Brausen des Heiligen Geistes, ist zunächst ein Hörereignis, aus dem eine neue Art des Sprechens wächst.

Die Heilungen im Lukasevangelium zeichnen drei Schritte, die in der Freien Hochschule ihren Ausdruck finden: das Erleben einer inneren Stimme, die Bereitschaft zur Wandlung und der Beginn neuen Handelns.

Dann untersuchte Soldner die verschiedenen Schilderungen von Heilung im Lukasevangelium. Bei der Heilung der zehn Aussätzigen ist es einer, der umkehrt, um Christus zu danken. Wenn Christus sagt: «Dein Vertrauen hat dich gerettet», zeige es, so Soldner, dass hier nicht nur zähle, die Heilung zu sehen, sondern auch, sie zu fühlen. Es sei diese Gemütstiefe, die sehend und hörend mache. Der Schritt in den Willen zeige sich dann in der Heilung des Saulus, der geblendet die Stimme des Herren hört und darauf die Pfingstfrage stellt: «Was muss ich tun, Herr?» Dieses Motiv ‹Dein Wille geschehe› sei die Stimmung des Heiligen Geistes. Damit seien die drei Schritte gezeichnet, die in der Freien Hochschule ihren Ausdruck finden: das Erleben einer inneren Stimme, die Bereitschaft zur Wandlung und der Beginn neuen Handelns.

Kerzen drohen auszusterben

Im ‹Science Space› kamen wissenschaftliche Projekte an die Reihe. Jan Vagedes schilderte die Erfahrungen mit eingefärbten Gläsern, in die man Patienten schauen lässt. Verschiedene Metallsalze ergeben eindrückliche Farben. Das Metall sei dabei in seinem ‹embryonalen›, feinst verteilten Zustand. Matthias Rang und Johannes Kühl gaben Einblicke in die optischen Studien an der Naturwissenschaftlichen Sektion. «Man sieht nur, wenn sowohl Licht als auch Dunkelheit da sind», betonte Kühl und beschrieb es als die Eigenschaft der Materie, Dunkelheit und Helligkeit zu trennen, denn erst wenn Licht auf Materie falle, werde es sichtbar. Rang zeigte Studien zu Bild und Nachbild.

Ursula Wolf gab Einblicke in ihre Forschung an der Uni Bern zur Farbwahrnehmung. Es sei im Gehirn gar nicht so dunkel, wie man meine, denn der infrarote Anteil des Lichtes dringe in den Schädel ein. In ihren Versuchen werden detailliert physiologische Parameter bei unterschiedlicher Farbwahrnehmung gemessen. So zeige sich im Frontalhirn besondere Aktivität, wenn man intensiv Blau betrachte. Die Studien, so Wolf, stünden allerdings erst am Anfang.

 
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«Was haben Kerzen und Berggorillas gemeinsam?», fragte dann Silke Schwarz von der Uni Witten/Herdecke. Beide seien vom Aussterben bedroht. Tatsächlich führen Brandschutzverordnungen dazu, dass Kerzen in Kindergärten, Krankenhäusern oder Heimen zunehmend verboten werden, obwohl die Menschen sie lieben. Kerzen verleihen Ruhe, Festlichkeit, Trost und Hoffnung, lassen Rabauken friedlich werden und ihr Licht käme dem Spektrum des Sonnenlichts am nächsten. Die meisten Brände in Krankenhäusern würden durch elektrische Fehler und Zigaretten verursacht. Wer also Brandschutz wolle, müsste Elektrizität und Patienten aus Krankenhäusern verbannen – nicht Kerzen. 89 Prozent der Befragten sehen eine positive Wirkung, wenn man für andere eine Kerze anzünde, und 70 Prozent sind überzeugt, dass derjenige oder diejenige dann schneller gesund werde. Trotzdem verschwinden die Kerzen. Brauchen wir eine Kerzenleitlinie? Ein weiterer mutmachender Beitrag war der Vortrag von David Martin, Professor an der Universität Witten/Herdecke zur ‹Fieber-App›, einem vom deutschen Bundesministerium für Forschung und Technologie mit 2,3 Millionen Euro geförderten Projekt, Eltern auf ihrem Smartphone, unterstützt durch eine Animation, Sicherheit im positiven Umgang mit Fieber zu vermitteln. Der Deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützt die Entwicklung und großflächige Einführung der ‹Fieber-App›. Damit ist Martin in dem so zentralen Feld des Umgangs mit der Wärme ein großer Brückenschlag zur Schulmedizin gelungen. Abschließend schilderte Dietrich von Bonin die Wirkung von Sprachgestaltung auf die Fähigkeit des Herzens, mit Blutdruckschwankungen umzugehen.

Vier Stufen des Entrückens

Am letzten Tag wendete sich die Konferenz in zwei Beiträgen nach innen, es waren auch neben den eurythmischen Darbietungen durch Stefan Hasler die stillsten Momente dieses großen Zusammenseins der medizinischen Bewegung. Rolf Heine sprach über Demenz und erzählte, wie Angehörige einer dementen Frau meinten: «Gott sei Dank merkt sie es ja nicht mehr» und er selbst habe den Schmerz in den Augen der alten Frau gesehen. Was für eine Welt ist es, so fragte er, in der die intellektuelle Leistungsfähigkeit mit dem Menschsein gleichgesetzt wird. Was für eine Welt, in der wir feiern, immer älter zu werden, und zugleich Angst vor der vermeintlichen Entwürdigung durch Demenz haben. Dann die nüchternen Zahlen: 1,2 Prozent der 65-Jährigen, 13 Prozent der über 85-Jährigen und ein Drittel der über 90-Jährigen zeigen Symptome von Demenz. Angesichts dieses ‹Gespensts› dürfe man das gesunde Altern der meisten Menschen nicht aus den Augen verlieren.

Heine schilderte dann vier Stufen des Entrückens: 1. Das verwirrte Ich: Namen oder Passwörter entfallen einem. Manchmal sei es die Scham über Geschehenes, wenn wir den Schleier des Vergessens über die Dinge ziehen. 2. Das verirrte Ich: Man ist in einem Labyrinth von Erinnerungen, wie beispielsweise eine Frau, die sich in Kriegszeit und Hunger versetzt erlebt und deshalb beklagt, dass sie keine Kartoffeln hat. Hier kommt es darauf an, die Geschichte zu kennen, um helfen zu können. 3. Das verborgene Ich: Wie eine Sphinx erscheine der Mensch in seiner Innenwelt verhaftet, gebannt in der eigenen Vergangenheit. Die Geschwindigkeit und Professionalität der Jüngeren stellten die so Entrückten durch reine Menschlichkeit infrage. Heine erinnert sich an eine Frau, die mit leerem Blick im Gang saß, und er habe sie immer im Vorbeigehen gegrüßt. Einmal habe er es vergessen, da kam von ihren Lippen: «Guten Morgen.» 4. Das versunkene Ich: Hier scheint der Mensch nicht mehr erreichbar, ist kaum mehr in der Lage, sich zu bewegen, und schwer zu pflegen. Wie erreicht man solche Menschen? Was uns der Seele am fernsten scheint, die vegetativen Regungen wie Atem und Puls und Wärme, ist hier die Mitteilungsform. Hier lohnt es, sich an den Ort zu wenden, an den sich dieses Ich verbogen hat, an den Engel. Es ist der Grenzbereich zwischen geistiger und physischer Welt. Ein Ich, das den eigenen Leib nicht mehr erreichen kann, ist dann geborgen in den Herzen der Gemeinschaft.

Es sei die Geschichte eines Menschen, der aus der Dunkelheit ins Licht gekommen ist. So begann der peruanische Arzt Yvan Villegas die berührende Geschichte eines Patienten, die er mit holzschnittartiger Sprache vortrug. Anders als die kosmische Weite der ersten Vorträge von Girke und Soldner, ging es nun um einen ganz bestimmten Menschen. Damit war die Spanne aufgeschlagen, die zur Anthroposophischen Medizin wohl gehört: bis zu den Sternen und zugleich allein das persönliche Schicksal eines Menschen. Villegas schilderte einen verschlossenen Juristen, der wenig Lebensfreude hatte und bei dem nun ein weit fortgeschrittener Nierenkrebs diagnostiziert wurde. Villegas begann eine Misteltherapie. In einer Sprechstunde habe der Mann ein Buch mitgebracht und der Arzt bat ihn, davon zu erzählen. Die Arztstunden wurden so mehr und mehr zu Literaturstunden, später kam Malerei dazu. Schritt für Schritt kam Licht in das Leben des Patienten, er wurde gesprächiger und freundlicher. Aus der ursprünglich prophezeiten verbleibenden Lebensspanne von Monaten wurden mehr als sieben Jahre, Jahre einer Verwandlung zum Licht. «Sie haben mich geheilt», habe der Arzt dabei zu seinem Patienten gesagt, ehe der Patient zuletzt versöhnt mit seinem Schicksal und seiner Familie über die Schwelle schritt.


Freie Hochschule

Wie in den vorangehenden Tagungen hat die Medizinische Sektion die Arbeit am meditativen Erkenntnisweg der Freien Hochschule in die Jahreskonferenz aufgenommen und die Jahreskonferenz mit einer Tagung zu Finsternis, Farbe und Licht eingeleitet. Licht ist im meditativen Erkenntnisweg zentral, denn dieser Weg beginnt bei aller äußeren Helligkeit der Alltagswelt im Dunklen. Für das geistige Erkennen besteht noch vollständige Finsternis. Die lichterfüllte Welt der Erscheinungen lässt noch nicht das Licht der geistigen Wesenswelt entstehen. Dieses muss vielmehr intensiv erarbeitet werden. In verschiedenen Beiträgen haben Georg Soldner, Michaela Glöckler und Seija Zimmermann diesen Weg beleuchtet. Die Arbeit setzte sich fort in den frei gestalteten Klassenstunden während der Jahrestagung.


Zu den Bildern: Food colour pavillon von Nina Gautier, Fotografische Ausschnitte der Farbinstallation, 2,40 x 2,40 x 2,40 m, ausgestellt an den Food Culture Days in Vevey im November 2018.

Dieses Farbspektrum von Hellgelb über Gold bis zum Bernstein ist von Hand pflanzlich gefärbt mit Zwiebelschalenabfällen aus Basler Restaurants. So wird ein Ende zu einem neuen Beginn: Mal glänzt, mal schimmert, mal leuchtet die so behandelte Seide von innen heraus – je nach Einfall des Lichts.

Es malt in mir

Es malt in mir

Gibt es eine anthroposophische Kunst?

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