Jahresbudget für den ersten Jahrgang

Es gibt einen Jahreskostenvoranschlag für die ‹Wochenschrift› vom Verlag am Goetheanum, vermutlich von Willy Storrer, der für eine Wunschauflage von 4000 Abonnenten berechnet ist.


Für die Redaktion sind 19 000 Fr. eingesetzt (davon 6000 für den ständigen Redaktor, 10 000 für Autorenhonorare), 17 000 Fr. für die Administration (davon 3600 Fr. für den Geschäftsführer, 3600 Fr. für den Akquisiteur von Abonnenten und Inseraten, 2400 Fr. für eine Büroangestellte für Korrespondenz, Buchhaltung und allgemeine Büroarbeiten, der Rest für Mieten, Energie, Reisespesen, Telefon), Druckkosten und Spedition für 5000 Exemplare 27 000 Fr. Die Jahreseinnahmen von 4000 Wunschabonnenten: 48 000 Fr. Bei zwei Seiten Inseraten pro Nummer 15 600 Fr. Damit wäre es mit je 63 600 Fr. Ausgaben und Einnahmen gerade aufgegangen. Ein schöner Traum von Storrers undurchschaubarer Kassenführung, mit der eh niemand je glücklich wurde. (Im August 1923 war man bei 1500 Abonnentinnen und Abonnenten angelangt, wie Storrer im Brief vom 24.8.1923 an den Verein des Goetheanum mitteilte: Aboeinnahmen 24 000 Fr. plus Inserateeinnahmen 10 000 Fr.).

Für Steffen bedeutete dieser Kostenvoranschlag ein festes Honorar von monatlich 500 Fr. plus Autorenhonorare. Für Storrer (Geschäftsführung, Administration und bald in Personalunion Akquisition von Abonnenten und Inseraten) monatlich 600 Fr.

Laut einer Zahlungsanweisung der Administration der ‹Wochenschrift› erhielt Steffen effektiv von August 1922 bis Dezember 1923 monatlich 833.35 Fr.

Ein allfälliger Vorschuss bez. ein Defizit sollte laut Rudolf Steiners Vorschlag die Futurum AG übernehmen. Diese geriet aber bereits 1922 in große Finanzschwierigkeiten und wurde unter dem Verwaltungsrat aus Willy Storrer, Willy Stokar, Edgar Dürler, Karl Day, Ernst Gimmi und Christian Krebs schließlich 1924 liquidiert und von der heute unter dem Namen Weleda bekannten Firma übernommen. Der Goetheanumbau wie die ‹Wochenschrift› standen unter dem Vorzeichen bedrückender Geldsorgen. Ab Sommer 1922 galoppierte eine Hyperinflation in Deutschland. Am 24.10.1929 überschattete der Börsencrash in New York alles.

Außer Hans Reinhart aus Winterthur half zu Beginn immer wieder Josef van Leer aus Wien bei der finanziellen Unterstützung. Für den ersten Jahrgang der ‹Wochenschrift› sponserte er 200 Jahresabos.

In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre war der Umsatz der Zeitschrift offenbar so gut, dass der Reingewinn zur Vollendung des Baus abgegeben werden konnte. Das waren im Betriebsjahr 1928 immerhin 21 000 Fr., 1929 noch 19 000 Fr. wegen Abnahme der Abonnentinnen und Abonnenten in Deutschland auf 3000. (Gemäß einem Appell von Albert Steffen an die Mitglieder, für die Zeitschrift zu werben und ihn mit guten Arbeiten und Berichten zu unterstützen, siehe ‹Nachrichtenblatt›, 2.2.1930, 5/1930, S. 20).

Ruedi Bind

Dokument Kostenvoranschlag für die Wochenschrift ‹Das Goetheanum› mit handschriftlichen Eintragungen Rudolf Steiners – in zwei sich ergänzenden Teilen von vmtl. unterschiedlichen Exemplaren. Quelle: Rudolf-Steiner-Archiv.

Auflage/Abonnenten

Entwicklung der Abozahlen

G Wochenschrift ‹Das Goetheanum› N ‹Nachrichtenblatt› für die Mitglieder TB Tagebuch

1922 1700

Abonnenten, bei einer Auflage von 4500 Ex., lt. Steffen, TB 2./3.8.1922.

1922, Juli 1430

Storrer, Brief an Verein des Goetheanum, 12.8.1923: Betrifft ‹Schweizer Abos›

1922, Aug. 1190

Storrer, Brief an Verein des Goetheanum, 12.8.1923: Betrifft ‹Schweizer Abos›

Erste Jahre 1500

Storrer, Brief an Wegman, 20.11.1925

1923 1500

Storrer, Brief an Verein des Goetheanum, 12.8.1923: ‹Betrifft Schweizer Abos›

1923 1400

Storrer, Brief an Futurum AG Kristiania, 6.11.1923: 830 Schweiz, 600 übrige

1925 6500

Storrer, Brief an Wegman, 20.11.1925

1940 4000

Brief der Druckerei Birkhäuser vom 14.3.1940, Auflage: G 4000 Ex., N 3000 Ex.

1952 4000

Gmelin, Brief an Wachsmuth, 12.1.1953

1963 5511

Hiebel, Rechenschaftsbericht, in: N 1984, S. 102

1983 7756

Hiebel, Rechenschaftsbericht, in: N 1984, S. 102

1988 9863

Auswertung aufgrund Magnetband-Datensicherung, Marti

1990 10 425

Auswertung aufgrund Magnetband-Datensicherung, Marti

1996 11 956

Auswertung aufgrund Magnetband-Datensicherung, Marti

2001 10 427

WEMF-zertifizierte Auflage, Versand in 64 Länder, in G 2001, S. 605

2018 5107

WEMF-zertifizierte Auflage, lt. Goetheanum-Website, Mediadata

2021 5315

Papier 4914

Online 401

Stand: August 2021

Follower in den sozialen Medien

Facebook 11 612

Instagram 2 991

Twitter 1 689

Website ~31 300

Die Angaben zur Auflagenhöhe der ersten Jahre schwanken je nach Quelle. In den ersten Jahren fiel es der Administration unter Willy Storrer offensichtlich schwer, einigermaßen verlässliche Abozahlen zu liefern. Ob Abo- oder Auflagenzahl ist nicht immer klar.

Der größte Teil der Auflage ging 1987 wie bisher in die Schweiz und nach Deutschland. Weitere Exemplare gingen bis nach Island, Südamerika, Südafrika, Äthiopien, Indien, Kanada, Australien, Neuseeland und in die damalige UdSSR. Ruedi Bind

Seit 2009 ist die ‹Wochenschrift› in den Sozialen Medien aktiv (Twitter 2009, Facebook 2011, Instagram 2018). Seit 2019 kann man die ‹Wochenschrift› als reines Onlineabonnement beziehen. Die Papierausgabe wird heute in über 50 Ländern gelesen: Argentinien, Armenien, Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kirgisistan, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, St. Vincent, Südafrika, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn, Uruguay, Vereinigte Staaten.

Jonas Lismont

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