Ist die Philosophie eine «Göttin»?

Im Seminar der Sektion für Schöne Wissenschaften ließ der Philosoph Eckart Förster die Meilensteine der europäischen Philosophiegeschichte aufleben, begleitet von eurythmischen Vorführungen (Nico Prestifilippo) der ‹Eleusis›-Dichtung von Hegel.


2100 Jahre liegen zwischen Platon und der Goethezeit. Dies ist ungefähr die Zeit, in der die Philosophie ihren Entwicklungszyklus durchlief. Von der griechischen Antike über das Mittelalter und die Entstehung der Moderne bis zum Hegel’schen Höhepunkt hat Eckart Förster eine Art Embryologie des europäischen Bewusstseins skizziert. Dieser Blick auf die Entwicklung des abendländischen Denkens, der bei aufschlussreichen Momenten anhielt, um dort ‹Aperçus› im Goethe’schen Sinne zu erblicken, ließ die Biografie eines Wesens erscheinen. Das Wesen ‹Philosophie›, das diese Menschheit begleitete, um sie von der Natur zu befreien, um ihr Bewusstsein zu emanzipieren. Wenn Platon der Prophet des Zeitalters der Philosophie gewesen ist, so ist es Goethe, der etwa 2100 Jahre später zum Propheten eines neuen Zeitalters wurde, eines neuen Zyklus, der die bloße Rationalität transzendiert, um zu einer kontemplativen Wissenschaft des Lebendigen aufzusteigen, einem neuen kreativen Bewusstsein. Das menschliche Bewusstsein, das sich durch das Wesen ‹Philosophie› emanzipiert hat, kann jetzt allmählich lernen, sich durch eine ‹Anthroposophie› auf freie Weise wieder mit dem lebendigen Kosmos zu verbinden.


Foto Eckart Förster

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