Der Schreibtischbrand: Rudolf Steiners Lebenskrise 1898

Marginalien zu Rudolf Steiners Leben und Werk 30

«Eines Tages», so erzählt der Kunstkritiker Max Osborn kurz nach Rudolf Steiners Tod über einen Vorfall in dessen Zeit als Redakteur des ‹Magazins für Litteratur›1, «erhielten wir alle ein seltsames Rundschreiben, in dem der großmächtige Herr des ‹Magazins› uns mitteilte: leider sei etwas Fatales geschehen; als er, Steiner, sich gestern Nacht die Pfeife anzünden wollte, sei der ganze Schreibtisch in Flammen aufgegangen. ‹Sollten Sie, sehr geehrter Herr, noch unbeantwortete Briefe oder unerledigte Manuskripte bei mir vermuten, so kann ich zu meinem lebhaften Bedauern […]›. Nie hat jemand ermittelt, was sich in jener Schreckensnacht abgespielt hat […].»2


Es liegen einige Zeugnisse dieses Brandes vor, die es erlauben, das Ereignis zumindest ungefähr auf die letzten Septembertage 1898 zu datieren.3 Der Brand war sicher kein großes Feuer, vermutlich beschränkte er sich auf den Schreibtisch – wahrscheinlich konnte Rudolf Steiner ihn allein löschen. Aber immerhin hatte das Feuer wohl doch so viele Manuskripte vernichtet, dass der Redakteur das oben von Max Osborn angeführte «Rundschreiben» an seine Autoren verschicken musste.

Rudolf Steiners ‹Redaktion› war damals sein Schreibtisch in der Wohnung an der Habsburgerstraße 11 in Berlin, in der er seit Anfang Mai 1898 wieder zusammen mit Anna Eunike wohnte, nachdem beide seit dem Verkauf des Hauses in Weimar im Oktober 1896 an verschiedenen Orten getrennt gewohnt hatten. Der Schreibtisch sah sicher ähnlich aus wie derjenige in der (nächsten) Wohnung in der Kaiserallee, von der Alwin Alfred Rudolph erzählt: «[…] am Fenster ein Schreibtisch riesigen Ausmaßes, übervoll beladen mit Papieren und Büchern. […] Nur gerade vor dem Sitz war ein freier Platz für einen Bogen Papier. Und da schrieb er.»4 Auf jeden Fall markiert dieser Brand einen Zeitpunkt in Rudolf Steiners Leben, in dem er durch Schwierigkeiten aller Art zu gehen hatte und in einer tiefen Krise war.

Berufskrise

Seit etwas über einem Jahr führte er das ‹Magazin für Litteratur› – und es war dies kein gutes Jahr für ihn gewesen. Die Abonnentenzahlen gingen zurück und Rudolf Steiner geriet in größte Konflikte mit seinem Verleger Emil Felber in Weimar, der seine Bücher ‹Die Philosophie der Freiheit›, ‹Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit› und ‹Goethes Weltanschauung› verlegt und mit Rudolf Steiners Redaktionsbeginn auch das ‹Magazin für Litteratur› übernommen hatte. Sehr schnell aber gerieten beide dabei aneinander. Felber beklagte zu späte Manuskriptzusendungen, zu viele übersehene Fehler in den Artikeln, zu hohe Honorare, eine zu späte Erstellung des Jahresregisters 1897 etc.; auch passten ihm inhaltlich manche Artikel oder ganze Hefte nicht, sodass er gelegentlich Absätze strich, die ihm nicht gefielen. Am 21. September 1897 heißt es beispielsweise: «Man braucht nicht gerade Antisemit zu sein, um Nummern wie die dieswöchentliche denn doch nicht gerade gern zu sehen. Die Nummer macht den Eindruck eines Magazins für das Judentum. Jüdische Fragen und lauter jüdische Autoren; denn Ihrem Namen nach wird man Sie in den meisten Fällen auch zum auserwählten Volk rechnen.» Und am 28. Februar 1898: «Die Zolageschichte bringe ich höchst ungern. Ich vermag nicht einzusehen, was die Schuld oder Nichtschuld von Dreyfuß in einem Magazin für Litteratur zu thun hat. Jedenfalls bezweifle ich sehr energisch, daß sich die Sache so verhält; die wichtigsten Gründe sprechen dagegen.»5

Immer wieder beklagten sich umgekehrt die Autoren bei Rudolf Steiner, dass sie von Felber ihre Honorare nicht erhielten. Am 7. September 1898, also wenige Wochen vor dem Schreibtischbrand, schrieb Rudolf Steiner an Emil Felber in bemerkenswerter Schärfe: «Soweit ist die Sache nun gekommen, daß ich […] fast täglich Reclamationen wegen Honorar-Rückständen erhalte […] Mir aber schreiben Sie beleidigende Briefe und Herrn Häfker ersuchen Sie, er solle, während Sie das Magazin verlegen, nicht mehr in demselben schreiben. – Ob Sie nun mit meiner Redactionsführung einverstanden sind oder nicht, eines ist sicher: Sie hätten mir während dieses Jahres auch höfliche Briefe schreiben können. Doch das alles kommt augenblicklich nicht in Betracht. Sie haben sich um das Magazin beworben; und ich konnte und durfte nicht voraussetzen, dass Sie in einer solchen Weise, wie es geschehen ist, mich schon in einem Jahre im Stiche lassen werden.»6 Denn schon Ende Juni 1898 hatte Felber den Vertrag mit dem ‹Magazin für Litteratur› für Oktober gekündigt. Danach überlegte sich Rudolf Steiner wohl, ob er das ‹Magazin› nicht ganz aufgeben und etwas anderes beginnen sollte. Eine Möglichkeit eröffnete sich ihm dadurch, dass die Beziehungen zum Nietzsche-Archiv wieder auflebten. Elisabeth Förster-Nietzsche bemühte sich erneut um Rudolf Steiner, da sie ihn als den geeignetsten Herausgeber ansah. Er war angesichts seiner Berufskrise auch nicht abgeneigt, wie man seinem – nach den vorhergegangenen Geschehnissen überraschend entgegenkommenden – Brief vom 27. Juni 1898 an Elisabeth Förster-Nietzsche entnehmen kann.7Doch stellte sie ihm als Bedingung, dass er eine Art ‹Schuldbekenntnis› für die Krise im Nietzsche-Archiv im Dezember 1896 verfassen sollte. Das aber ging Rudolf Steiner letztlich zu weit – und so schrieb er ihr am 23. August 1898 eine endgültige Absage: «Ich muß dem gegenüber doch daran festhalten, dass ich an all den Vorgängen nicht schuld war. Ich habe nichts getan, was diese Vorgänge herbeigeführt und zu so unliebsamen gemacht hat.»

Keine politischen Anschauungen

Ein weiteres für Rudolf Steiner bedeutsames Erlebnis dieses Jahres fällt genau auf den Zeitpunkt Ende September: Am 30. September 1898 erschien ein ‹offener Briefwechsel› zwischen John Henry Mackay und Rudolf Steiner im ‹Magazin für Litteratur›. Mit Mackay – den er durch Gabriele Reuter in Weimar kennengelernt hatte – verband ihn die große Begeisterung für Max Stirner und dessen radikalen Individualismus. Er empfinde den ersten Teil seiner ‹Philosophie der Freiheit›, schrieb Rudolf Steiner an John Henry Mackay am 5. Dezember 1893, als «philosophischen Unterbau für die Stirnersche Lebensauffassung. Was ich in der zweiten Hälfte der ‹Freiheitsphilosophie› als ethische Konsequenz meiner Voraussetzungen entwickle, ist, wie ich glaube, in vollkommener Übereinstimmung mit den Ausführungen des Buches ‹Der Einzige und sein Eigentum›.»8

Aber gerade dieser Individualismus Stirners in seiner Vertretung durch Mackay sollte ihm zur Prüfung werden: «Das Schicksal hatte nun mein Erlebnis mit J. H. Mackay und mit Stirner so gewendet, dass ich auch da untertauchen musste in eine Gedankenwelt, die mir zur geistigen Prüfung wurde. Mein ethischer Individualismus war als reines Innen-Erlebnis des Menschen empfunden. Mir lag ganz fern, als ich ihn ausbildete, ihn zur Grundlage einer politischen Anschauung zu machen. Damals nun, um 1898 herum, sollte meine Seele mit dem rein ethischen Individualismus in eine Art Abgrund gerissen werden. Er sollte aus einem rein-menschlich Innerlichen zu etwas Äußerlichem gemacht werden.»9

Rudolf Steiner deutet hier wohl auf etwas hin, was im offenen Briefwechsel zwischen ihm und John Henry Mackay offenbar wird. Nach dem Aufruhr durch die Geschehnisse des 10. September 1898 – die Kaiserin Elisabeth von Österreich (‹Sissi›) war durch den italienischen Anarchisten Luigi Lucheni ermordet worden, der sich als «individueller Anarchist» bezeichnete – bekam es Mackay wohl mit der Angst zu tun, als Verfasser eines Werkes mit dem Titel ‹Die Anarchisten› aus Deutschland ausgewiesen zu werden. So schreibt er an Rudolf Steiner am 16. September 1898 in eben einem jener beim Schreibtischbrand angebrannten Briefe: «Sie wißen, daß eine Internierung der ‹internationalen Anarchisten›, d[as] h[eißt] eine Ausweisung aller bekannten Persönlichkeiten aus einem ‹fremden Land› geplant wird. So wenig ich nun mit den Communisten gethan, wer – in dieser Zeit der Blödsinnkeit und des hellen Wahnsinns, frägt das noch? – Ich habe aber schwerwiegende Gründe, die mich zwingen, wenn nicht in Deutschland zu leben, so doch mir den Eintritt in unser Land nicht verwehren zu laßen durch die kommende Reaction.»10 Er bat deshalb um den Abdruck eines offenen Briefes als Leitartikel des ‹Magazins für Litteratur›. In diesem «Brief» nimmt er Stellung gegen die «Taktik der Gewalt», «um meinen Namen nicht zusammengeworfen zu sehen mit jenen ‹Anarchisten›, die – keine Anarchisten, sondern samt und sonders revolutionäre Kommunisten sind».

In die Schusslinie

Rudolf Steiner antwortet ihm in einem ebenfalls «offenen Brief» in derselben Nummer, dass er bisher vermieden hätte, auf seine Weltanschauung das Wort «individualistischer Anarchismus» anzuwenden, dass er aber jetzt sagen müsse, dass er als «individualistischer Anarchist» bezeichnet werden könne. Dieser Anarchismus sei aber ein anderer als der, der der «Propaganda der Tat» huldige: «Der ‹individualistische Anarchist› will, dass kein Mensch durch irgend etwas gehindert werde, die Fähigkeiten und Kräfte zur Entfaltung bringen zu können, die in ihm liegen. Die Individuen sollen in völlig freiem Konkurrenzkampfe sich zur Geltung bringen. […] Der individualistische Anarchist […] weiß dies eine: man macht den unabhängigsten Menschen dadurch den Weg frei, dass man jegliche Gewalt und Autorität aufhebt. – Auf die Gewalt und die Autorität aber sind die gegenwärtigen Staaten gegründet. Der individualistische Anarchist steht ihnen feindlich gegenüber, weil sie die Freiheit unterdrücken. Er will nichts als die freie, ungehinderte Entfaltung der Kräfte. […] Er bekämpft die Gewalt, welche die Freiheit unterdrückt; und er bekämpft sie ebenso, wenn der Staat einen Idealisten der Freiheitsidee vergewaltigt, wie wenn ein blödsinniger, eitler Bursche die sympathische Schwärmerin auf dem österreichischen Kaiserthrone meuchlings hinmordet.»11

Während Mackay sich durch seinen Artikel gewissermaßen ‹aus der Schusslinie› nehmen wollte, brachte sich Rudolf Steiner mit seinem Angriff auf den Staat und dem Bekenntnis zum «individualistischen Anarchismus» bewusst in diese hinein. Noch einige Jahre später wurde Rudolf Steiner von Karl Vorländer als «Schildknappe» Mackays bezeichnet und beide zusammen als «litterarisch-anarchistische Salon-Tiroler (!)».12 Dieser offene Briefwechsel wurde also am 30. September 1898 in Nr. 39 des ‹Magazins für Litteratur› veröffentlicht – im letzten Heft unter dem Verleger Emil Felber. Die Nr. 40 vom 8. Oktober 1898 erschien schon bei Siegried Cronbach, der Vertrag datiert vom 27. September 1898.13

Feuerproben

Der ganze Vorgang gehörte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu der geistigen Prüfung 1898, über die Rudolf Steiner wie oben erwähnt in ‹Mein Lebensgang› schreibt. Es heißt weiter: «Als ich dann, im Beginne des neuen Jahrhunderts, in Schriften wie ‹Die Mystik im Aufgange› und das ‹Christentum als mystische Tatsache› mein Erleben des Geistigen geben konnte, stand, nach der Prüfung, der ‹ethische Individualismus› wieder an seinem richtigen Orte. Doch verlief auch da [1898] die Prüfung so, dass im Vollbewusstsein die Veräußerlichung keine Rolle spielte. Sie lief unmittelbar unter diesem Vollbewusstsein ab, und konnte ja gerade wegen dieser Nähe in die Ausdrucksformen einfließen, in denen ich in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts von sozialen Dingen sprach. […] Ein inneres Bewegtsein, das alle meine Seelenkräfte in Wogen und Wellen brachte, war damals mein inneres Erlebnis.»14

Rudolf Steiner hatte in seinem Leben dreimal für ihn bedeutsame ‹Feuer›-Erlebnisse: Als kleiner Knabe, ca. 1865, als ein Eisenbahnzug mit einem brennenden Wagen in die Station einfuhr;15 zweitens der Schreibtischbrand im Jahr seines ‹Abgrunderlebnisses› 1898 – und schließlich das einschneidendste und schmerzlichste Brandereignis: der Brand des Goetheanum an Silvester 1922. Vielleicht darf man das Ereignis des Schreibtischbrands in diesem Schicksalkontext als ein Fanal lesen – als erstes Aufwacherlebnis auf dem Weg, der Rudolf Steiner in den nächsten Jahren den Abgrund überwinden ließ?


Print Friendly, PDF & Email

Footnotes

  1. ‹Erinnerungen› am 1. April 1925 in der ‹Vossischen Zeitung›, Morgen-Ausgabe.
  2. Max Osborn hatte am 24. September 1898 einen Artikel im ‹Magazin› veröffentlicht mit dem Titel ‹Unser München I.› – und so ist zu vermuten, dass die Fortsetzung ‹Unser München II.› ein Raub der Flammen geworden war.
  3. Es liegen einige angesengte Briefe und Bücher sowie ein Brief von Moritz Zitter vom 6. Oktober 1898 vor, der, auf einen angekündigten Brief wartend, schreibt: «Hat der Zimmerbrand auch den letzten Rest Deiner Brief-Energie aufgezehrt?»
  4. Alwin Alfred Rudolph und Johanna Mücke, Erinnerungen an Rudolf Steiner und seine Wirksamkeit in der Arbeiterbildungsschule in Berlin 1899–1904. Basel 1979, S. 44 u. 55.
  5. Rudolf-Steiner-Archiv (im Folgenden abgekürzt mit RSA). Interessanterweise ist eines der Bücher mit Brandspuren, das sich in Rudolf Steiners Bibliothek erhalten hat, das Buch von Dreyfus: Briefe aus der Gefangenschaft, Berlin 1899, dessen Erscheinen im Verlag Cronbach im ‹Börsenblatt des deutschen Buchhandels› vom 26. Sept. 1898 gemeldet wurde – und von dem Rudolf Steiner vermutlich ein druckfrisches Exemplar bei der Vertragsunterzeichnung am 27. Sept. 1898 von Siegfried Cronbach erhalten hatte. Weitere Bücher, die damals wohl angebrannt wurden, waren: Emil Reich, Henrik Ibsens Dramen. Dresden u. Leipzig 1894; Robert Zimmermann, Über das Tragische und die Tragödie. Wien 1856.
  6. RSA. Dieser Brief wird in Band 3 der ‹Sämtlichen Briefe›, GA 38/3, erscheinen. Noch im Laufe des Jahres 1898 verklagte Rudolf Steiner Emil Felber wegen fälliger Honorarzahlungen – der Prozess sollte sich bis ins Jahr 1907 hinziehen und durch einen Vergleich enden.
  7. Briefe Band II: 1890–1925. GA 39, 2. Aufl. Dornach 1987, S. 362–364.
  8. In: Sämtliche Briefe 2. GA 38/2. Basel 2023, S. 528. Vgl. zu diesem Thema den Aufsatz: David Marc Hoffmann, Rudolf Steiners Auseinandersetzung mit Max Stirner und Friedrich Nietzsche und ihre Bedeutung für das Entstehen der Anthroposophie, in Jost Schieren (Hrsg.), Die philosophischen Quellen der Anthroposophie. Frankfurt 2022, S. 191–223.
  9. Mein Lebensgang. GA 28, 9. Aufl. Basel 2000, S. 372.
  10. RSA.
  11. 11 Die beiden Briefe sind abgedruckt in: Briefe Band II: 1890–1925. GA 39, 2. Aufl. Dornach 1987, S. 368–373.
  12. 12 In ‹Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik›, Bd. 119, Leipzig 1902, S. 209.
  13. Eine andere Art von ‹offenem Briefwechsel› hatte es fast gleichzeitig in den Nummern 38 und 40 der ‹Dramaturgischen Blätter› gegeben – vom 24. Sept. und 8. Okt. 1898 –, die damals dem ‹Magazin für Litteratur› beilagen: Rainer Maria Rilke hatte einen Artikel über den «Wert des Monologes» geschrieben, zu dem Rudolf Steiner einige Bemerkungen anfügte, auf die Rilke wiederum mit «Noch ein Wort über den ‹Wert des Monologs›» antwortete. Auch dies also in diesen bedeutsamen Wochen.
  14. GA 28, siehe Anm. 9, S. 372.
  15. GA 28, siehe Anm. 9, S. 16.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  1. Im Jahr zuvor verfasste Rudolf Steiner eine biografische Skizze Jean Pauls für Cotta, in der Steiner zwischen den Zeilen andeutet, Jean Paul wäre so etwas wie ein Homosexueller (GA 33). Eine völlig aus der Luft gegriffene Einschätzung, die ganz offensichtlich das Sensationsbedürfnis eines gewissen Publikumssegments bedienen sollte.

    «Jede Natur ist gut, sobald sie eine einsame bleibt und keine allgemeine wird; denn selber die Naturen eines Homer, Plato, Goethe dürfen nicht allgemeine und einzige werden […].»

    «Jean Paul lebte mehr in den Regionen, in denen sich die Natur selbst widerspricht und im einzelnen dem untreu wird, was aus ihrem Ganzen als Wahrheit und Natürlichkeit spricht.»

    Höhepunkt dieser Zeit ist aber das Buch ‹Goethes Weltanschauung› für Emil Felber, auch von 1897 (GA 6), dieses Werk markiert den einsamen Gipfel der gedanklichen Tätigkeit Rudolf Steiners.

    Da war die erneute, diesmal öffentliche Beschäftigung mit John Henry Mackay 1898 vermutlich der Versuch eines Befreiungsschlags, eine Ablenkung, vielleicht sogar nur das harmlose Spiel zweier junger Cowboys. Kein Urteil Steiners ist von Dauer, ein Jahr später ist das Gegenteil wahr, alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.

    1. Ich kann in diesem Zitat aus GA33 wirklich nichts von einem Anspielen auf Homoseksualität lesen. Es gibt so viel augenscheinlicher Widerspruch in der Natur: Erdbeben, eine Katze die ein Vöglein frisst, der Tod überhaupt…

  2. Wieso sind die Bücher von Frau Sam so teuer?

    √ Rudolf Steiner Kindheit und Jugend Lieferbarkeit: lieferbar EUR 50,00
    √ Rudolf Steiner Die Wiener Jahre Lieferbarkeit: lieferbar EUR 50,00
    √ Rudolf Steiners Faust-Rezeption Lieferbar 68.00 CHF inkl. MwSt.
    √ Rudolf Steiners Bibliothek CHF 178.00 / EUR 168.00

    Man muss die Internetseite des Buchs der Bibliothekarin zeigen!

    Die kauft das Buch für einen, FALLS man gute Noten auf dem Gymnasium schreibt. Schreibt man schlechte Noten, dann muss man sich das Buch selber kaufen.

  3. Liebe Frau Sam, ich habe mir vorhin die Flugschrift „Sind Anarchisten Mörder?“ mit den Beiträgen von John Henry Mackay und Rudolf Steiner von 1899 aus München besorgt. Da steht alles erklärt!

    https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb11127662?page=5

    Selbstverständlich sind wir keine Mörder, sondern stolze Anarchisten.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_anarchistischer_Attentate

    Das erste Reclambändchen von „Der Einzige“ erschien bereits 1892, ich denke, Rudolf Steiner wird es sich wohl druckfrisch besorgt haben (Stirner/Steiner, zu witzig!), aber wo sind wir da nur hineingeraten?

  4. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Dr. Martina Maria Sam, wenn ich die Informationen aus den Anmerkungen 2, 5 und 13 zusammenziehe, dann hat sich der mysteriöse Schreibtischbrand nach der Veröffentlichung des ersten Beitrags von Rainer Maria Rilke ereignet, aber vor der Einsendung des zweiten Teils. Die Frage ist, ob hier eine Kausalität oder Synchronizität vorliegt, die Frage ist, ob Rilkes Artikel diesen Brand ausgelöst hat oder das zeitliche Zusammentreffen mehr oder weniger Zufall ist. Gegen Ende des zweiten Teils seines Artikels schreibt Rilke:

    «Ich stelle Ihnen, verehrter Herr Doktor, anheim, ob Sie etwas von diesen Erörterungen für Ihr gesch. Blatt verwenden.»

    Das könnte gesch[eites] Blatt bedeuten, aber vermutlich soll es wohl heissen: Ihr gesch[eitertes] Blatt. Das ist bitter, aber es ist freundschaftlich gemeint, offensichtlich versucht Rilke Steiner vor Schaden zu bewahren. Rainer Maria Rilke war Homeride. Und er gibt sich in der Einleitung des zweiten Teils seines Beitrags gegenüber Steiner als solcher zu erkennen:

    «…ich habe nicht an jene einsamen Worte gedacht, in welche gehüllt, große Vergangenheiten unter uns leben wie Zeitgenossen.»

    Quelle der Rilke-Zitate: https://doi.org/10.1007/978-3-476-02976-8_24

Letzte Kommentare