Christof Schnürers Buch ermutigt Betroffene zur Eigenverantwortlichkeit. Kern ist die Darstellung der Phänomenologie und Therapie von Asthma.
Asthma, Allergien und Autoimmunerkrankungen sind Volkskrankheiten. Die Schulmedizin lindert den Leidensdruck. Wer tatsächlich Beschwerdefreiheit oder Heilung sucht, geht häufig einen weiten Weg. Nicht selten führt dieser über die Alternativmedizin schließlich zu einem Verständnis der Erkrankung und des eigenen Selbst. Christof Schnürer ist Internist mit langjähriger leitender Tätigkeit im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke mit Schwerpunkt Atemwegserkrankungen und heute noch als Privatarzt tätig. Zunächst argumentiert er ausgehend von der Darstellung der Corona-Erkrankung für die gleichberechtigte Beteiligung der Patientinnen und Patienten an medizinischen Entscheidungen. Partizipation als Voraussetzung medizinischen Erfolgs ist ein Kerngedanke dieser Arbeit, der angesichts des zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Impfdrucks bedeutend wird. Bevor Schnürer tief in die Asthma-Thematik einsteigt, skizziert er seine zugrunde liegenden therapeutischen Denkweisen und macht dabei den Stellenwert der Anthroposophischen Medizin als Erweiterung der Schulmedizin klar. Die Notwendigkeit, die schulmedizinischen Therapien in ihren Möglichkeiten und Risiken zu kennen und gleichzeitig die Ressourcen der Anthroposophischen Medizin nutzbar zu machen, stellt einen Mehrwert in der Behandlung dar. Schulmedizinische Interventionen lassen sich auf diese Weise womöglich reduzieren und die Krankheit vielleicht überwinden. Ein weiterer Schwerpunkt des Buchs ist der Einblick in die Funktion von Entzündungsprozessen. Schnürer versteht sie als Ureigenschaft des Beseelten: «Die Überwindung von fremdem Leben ist der Quell, Kräfte für unser Eigenleben zu entwickeln.» Entzündungen liegt das Prinzip der Auflösung von Stoffen zugrunde, wie es in der Verdauung stattfindet. Sie sind unverzichtbar, indem sie Eingedrungenes abwehren und Verhärtungen im Feuer der Entzündung auflösen. Wenn das Gleichgewicht jedoch gestört ist, beginnt der Organismus sich selbst zu verdauen. Die überschießende Entzündung greift die eigene Substanz an. Bei Asthma, Allergien und Autoimmunerkrankungen handelt es sich um entgleiste Entzündungen, die nicht die Integrität des Körpers verteidigen, sondern widersinnig agieren. Es wird angenommen, dass ihr Aufkommen in den Industrienationen durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika, Schmerzmitteln und die Belastungen des westlichen Lebensstils begünstigt wird. Gleichzeitig lässt die rasante Entwicklung der Mikrobiomforschung hoffen. Die Zusammenhänge von Flora und Fauna im Darm und auf der Haut werden heute mit individuellen Ernährungsgewohnheiten, Umwelteinflüssen und seelischen Faktoren in einer dynamisch-symbiotischen Beziehung verstanden. Zur Orientierung und Ermächtigung von Asthmatikerinnen und Asthmatikern gibt Schnürer eine umfassende Einführung in das Labyrinth schulmedizinischer Medikamente und Therapiestrategien. Darunter eine Übersicht über Produktnamen und Wirkstoffkombinationen, Nebenwirkungen inhalativer Anwendungen etc. Weiter spannt Schnürer den Bogen zum Spektrum alternativer Therapien aus der Anthroposophischen Medizin sowie Atem-, Kunst-, Bewegungs- und Psychotherapien. Die Krux in der Behandlung liegt in der multiperspektivischen Sicht auf die Entzündungserkrankung.
Das Buch ist von der ärztlichen Überzeugung getragen, dass Erkrankte einer fundierten Schulung bedürfen. Entsprechend rücken Eigenaktivität und Selbstmanagement in den Mittelpunkt der Behandlung, während passive Medikamentenwirkung in den Hintergrund gerät. Das Buch regt Reflexionsprozesse an, beispielsweise über die Rolle des Nervensystems bei Asthma und Allergien. Schnürer beschreibt die besondere Sensibilität vieler Betroffener als Herausforderung, die durch Erkenntnisprozesse produktiv gestaltet werden kann. Weiterhin werden Ernährungsempfehlungen zur Seite gestellt, die über rhythmisierte Nahrungsaufnahme auch für eine nachhaltige geistig-seelische Verdauung sensibilisieren und letztlich Grenzprozesse stärken. Ein ganzheitlicher Blick auf den Menschen und seine Erkrankung. Fundiert, verständlich, prägnant. Für Betroffene, Ärztinnen, Therapeuten und an ganzheitlichen Gesundheitsfragen Interessierte bietet das Buch zahlreiche Denkanstöße und praktische Orientierung. Schulmedizinische Erkenntnisse werden mit anthroposophischen Perspektiven verbunden. Dabei wird deutlich: Der Weg mit einer Erkrankung wird angenehmer, wenn er in ein achtsames Verhältnis von Mensch und Welt führt.
Buch Christof Schnürer: Entzündungskrankheiten verstehen – behandeln – überwinden. Gesundheitspflege initiativ, Esslingen 2026

