Wenn Wärme uns wieder zusammensetzt

Auf der Jahrestagung der Medizinischen Sektion vom 16. bis 20. September steht das Thema Entwicklung im Mittelpunkt. Heilung hängt auch von unserem Entwicklungsstand ab.


Um ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten, müssen wir uns nicht nur mit einer Wunde auseinandersetzen, sondern ganz allgemein mit einer Störung, die das Zusammenspiel der vier Aspekte des Menschen verändert. Oft werden wir in zwei Richtungen gezogen oder gedrängt: in einen Zustand der Hypervigilanz, in dem die Aufmerksamkeit für die Umgebung so stark wird, dass wir die Verbindung zu unserer eigenen inneren Welt verlieren können. Oder wir heben uns aus dem Körper heraus in einen eher schlafähnlichen, dissoziativen Zustand. Wir können uns stärker in die eine oder andere Richtung bewegen, oder zwischen beiden hin- und herwechseln. Heilende Unterstützung entsteht, wenn wir Erfahrungen machen, die unsere Anteile wieder miteinander verweben. Die besten Wege, dies zu erreichen, hängen oft von unserem Alter und unserem aktuellen Entwicklungsprozess ab.

Immunologische Prozesse bei gewöhnlichen Krankheiten und Entzündungen fördern in den ersten sieben Lebensjahren eine tiefe Verbindung und ein Gefühl der Zugehörigkeit zwischen Selbstorganisation und dem physischen Körper. Maßgeblich tragen dazu auch spielerische, bewegungsorientierte Aktivitäten bei. Mit Fieber arbeiten wir immunologisch daran, jeden Teil unseres Körpers zu beanspruchen und zu reinigen. Durch Bewegung heben und beleben wir all unsere Knochen, Muskeln und Organe, bis hin zu den Fingern und Zehen. Wenn wir also eine dissoziierte Selbstorganisation wieder mit dem Körper verbinden möchten, können Erfahrungen intensiver Wärme und bewegungsreiche Spiele als Heilmittel wirken. Sich selbst und die Welt auf positive Weise durch nährende Sinneserfahrungen wieder zu verbinden – etwa durch den Duft von Rosen, Vanille oder Lavendel, eine sanfte Berührung, barfuß spielen oder ein Gleichgewichtsspiel –, trägt dazu bei, vertrauensvollere Erfahrungen mit der Umwelt aufzubauen.

Im zweiten Siebenjahreszyklus verbindet sich die Ich-Organisation über die Seele mit der Lebensorganisation. Daher liegt der Schwerpunkt auf der Pflege des Rhythmus: lernen, zu atmen und zu schlafen. Ein Schock zum Beispiel bringt uns aus dem Rhythmus. Die Wiederherstellung von Rhythmen, Routinen und Abläufen ist deshalb so wichtig und hilfreich. Schlafen und regelmäßiges Essen wirken stärkend. Die Seele findet erst wirklich ihren Platz in diesen Rhythmen, wenn diese von Schönheit durchdrungen sind, wenn der Schlaf an einem gemütlichen Ort stattfindet, das Essen köstlich und gesund ist und Bewegung von Musik begleitet wird. Je jünger die Kinder sind, desto direkter ist ihre Wahrnehmung mit der Lebensorganisation verbunden. Sie kann Blockaden und Belastungen auflösen und korrigieren. Sobald im Alter von neun Jahren der Rubikon überschritten ist, wird das Gefühl der spirituellen Zugehörigkeit bewusster. Spirituell orientierte Erwachsene oder ein passendes Gedicht oder Gebet können dann eine besondere Quelle der Unterstützung sein. Wenn das Ich während der Jugend seinen Platz in der eigenen, neu geborenen, nackten Seele finden muss, sind es einerseits die Gemeinschaft von Gleichaltrigen, die ähnliche Kämpfe durchleben, und andererseits die persönlichen Beziehungen, die Halt und Hilfe bieten. Diese Beziehungen und Gespräche erfordern selbstbewusste, mitfühlende, warmherzige Erwachsene, weise Psychologinnen und Menschen, die die Seele verstehen und sich um sie kümmern.

Selbstbefragungen

Während unserer gesamten Lebenszeit bieten sich Möglichkeiten zur Heilung und Wiedereingliederung. Die wesentlichen Elemente der ersten drei Siebenjahresphasen – Fieber und Bewegung, beständige Rhythmen und vertrauensvolle Beziehungen – bleiben weiterhin wichtige Wege für eine gesunde Veränderung. Im Laufe unseres Erwachsenenlebens können uns die sich entwickelnden Stufen der Selbsterkenntnis dazu veranlassen zu sagen: «Jetzt ist es Zeit für eine Veränderung.» Und dann beginnen wir, uns zu bewegen. Es ist eine besondere Bewegung, weil sie von innen nach außen geht. Sie ist eigentlich das Gegenteil einer traumatischen Erfahrung, die von außen kommt und in uns eindringt. Fortlaufende Siebenjahresrhythmen, wie 28, 42 oder 63, können uns dazu veranlassen zu fragen: Ist diese Art, mich zu schützen, noch hilfreich? Besteht das Risiko einer Verletzung noch, lässt es sich auf eine Weise verhindern, die zuvor nicht möglich war, oder gehört es zu einem Teil meines Lebens, der vorbei ist? Dass aus diesen Fragen etwas erwächst, ist nicht garantiert. Neue Wege zu beschreiten, ist nicht einfach, und manchmal ist Veränderung noch immer nicht möglich. Doch es eröffnen sich durchaus Möglichkeiten für Veränderungen. Der Weg des Erwachsenen durch verschiedene Lebensphasen bietet Chancen für ein tieferes Bewusstsein für den spirituellen Faden, der sich durch all unsere Erfahrungen zieht. Wir spüren die Bestätigung der Ewigkeit unseres spirituellen Selbst, das durch Krankheit, Veränderung und Verlust fortbesteht. Gleichzeitig spüren wir die verschiedenen Teile von uns: Teile, die noch Narben tragen, aber auch Teile, die aus den Prozessen der Wiedereingliederung und Heilung, die wir durchleben, gelernt haben. Dieses Lernen schafft eine neue Art von Raum, in dem wir die Wunde nicht ignorieren, den Schock nicht herunterspielen und den Schmerz nicht abtun müssen. Wir vergeben und vergessen sie nicht einfach, denn sie sind Teile unserer Erfahrung. Aber wir beginnen, sie als Teil unseres irdischen Lebens zu sehen, das unsere Erfahrung zwar geprägt hat, sie aber nicht mehr bestimmen muss. Unser Engel fungiert als helfender Begleiter, während wir daran arbeiten, die Schritte auf diesem Heilungsweg zu finden.


Bild Workshop auf der Jahrestagung der Medizinischen Sektion 2025, Foto: Xue Li

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