Zum 80. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch, liebe Michaela!


Das Rätsel des Intuitiven

Als ich einmal in Melbourne zu anthroposophischen Vorträgen, Kursen und Besuchen in Institutionen landete, kamst du, liebe Michaela, mir überall entgegen. Du warst kurz vor mir in der unermüdlichen Tätigkeit der Goetheanum-Leitung in Australien gewesen. Also nicht du selbst, aber deine Wirkung kam mir entgegen. So viele Menschen aller Generationen erzählten von ihren dringenden Fragen in Beruf und Praxis, von ihren Nöten in sozialen, fachlichen oder organisatorischen Angelegenheiten, auf die du mit hilfreichen Perspektiven eingegangen seist – meistens auch mit ganz konkreten Lösungsvorschlägen. Zuversicht und Sinnstiftung traf ich oft, wo du gewesen warst.

In anderen, uns gemeinsamen Gestaltungsaufgaben erlebte ich deine immer mit Verve vertretenen Auffassungen manchmal da als eindeutig, wo ich eher die Präzision der Deutung und die Kraft der Ergebnisoffenheit suchte. Hier trat mir das Rätsel des Intuitiven in der Unterschiedlichkeit unseres Wollens wie selten entgegen. Für beides bin ich dir dankbar. Bodo von Plato


Gespür für den Augenblick

Von Michaela Glöckler kann man lernen, dass der Ätherleib der Mutter Kräfte übrig hat, sobald die Kinder die Schulreife erlangen. Als Sektionsleitung braucht man ein sicheres Gespür dafür, wo Kraftquellen zu finden sind, damit man die vielen Aufgaben in der Welt gut verteilt bekommt. Kaum waren meine Töchter in diesem Alter angekommen, erreichte mich Michaelas erste Anfrage für einen Einsatz in der internationalen Ärztinnen- und Ärzteausbildung in Taiwan. So wurde der Übergang meiner Kinder in die Schule mein Übergang in neue Aufgaben.

Sie wusste es vermutlich nicht, spürte aber eben, dass ich gerade 42 Jahre alt geworden war und so knapp das richtige Alter für eine Lehrtätigkeit errungen hatte. Dann war es nur noch ein kleiner weiterer Schubs mit den Worten: «Du weißt, dass zur Repräsentanz der Anthroposophie in der Welt auch die Hochschulmitgliedschaft gehört.» – Und ich wurde selbstverständlich auch gern noch Hochschulmitglied. Diese Gaben von Michaela, Menschen auf den Weg zu bringen, Entwicklungsimpulse zu geben und Aufgaben zu verteilen, durfte ich seither noch öfter bewundern. Auf der ganzen Welt sind Initiativen durch ihre mutigen Anstöße gewachsen. Ihr Mut und ihre Intuition sind mir Vorbild geworden. Herzlichen Dank, liebe Michaela! Karin Michael


Es funktionierte!

Als Mitarbeiter der Medizinischen Sektion erlebte ich Michaelas Tun stets befeuert von ihrem zentralen Anliegen: Anthroposophie und Anthroposophische Medizin in die Welt zu tragen. Ich konnte wahrnehmen, wie ihr ausgeprägtes volkspädagogisches Talent, ihr Charisma, immer wieder Begeisterung für die geisteswissenschaftlichen Bezüge weckte – gerade auch bei Menschen, die bisher wenig oder keine Verbindung zur Anthroposophie hatten. Unter ihrer Ägide wurde die Sektionsarbeit eine alle medizinischen Berufsgruppen umfassende internationale Unternehmung, getragen von ihrer immerwährenden Initiativkraft, die sich zum Beispiel in der Gründung neuer Konferenz-, Organisations- und Ausbildungsformen manifestierte, stets abgelauscht den Bedürfnissen der Zeit. Dabei war ihre Maxime: Eingeschränkte finanzielle Mittel dürfen keine Initiative verhindern – das Geld beginnt zu fließen, wenn man sich ihr mit seinen besten Kräften in den Dienst stellt. Und tatsächlich: Das funktionierte – meistens.

Immer wieder nahm ich gegenüber Mitarbeitenden ihre Erwartung nach Eigenverantwortung wahr; selbst erlebte ich einen durch Zutrauen und Wertschätzung getragenen persönlichen Entwicklungsraum – Grundlage für die Bereitschaft, auch einmal letzte Arbeitsaufträge nach Mitternacht entgegenzunehmen oder eine notwendige Besprechung, für die sich kein Termin fand, in den Speisewagen zu verlegen und Michaela zum Flughafen zu begleiten. Dankbar schaue ich auf die zwölf Jahre Zusammenarbeit zurück, in denen ich Michaela auf den International Postgraduate Medical Training (IPMT)-Ausbildungswochen auch singend und tanzend erleben durfte, stets helfend Menschen gegenüber, die Initiative entfalten wollen, doch in erstaunlicher Konsequenz alle Verpflichtungen absagend, als es ihrem Georg schlecht ging und er ihre Pflege brauchte. – Chapeau! Stefan Langhammer


Wir hätten das Ziel nicht erreicht

Vor 20 Jahren entwickelte sich eine schöne Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen, Pädagogischen und Landwirtschaftlichen Sektion und bald darauf zusammen mit den Europäischen und Internationalen Dachverbänden der angewandten Anthroposophie die Initiative Allianz ELIANT. ELIANT macht sich für die Rechte anthroposophischer Lebensäußerungen auf europäischer Ebene bis heute stark. Eine ihrer ersten Aktionen war es, eine Million Unterschriften zur Bestärkung eben dieses Anliegens zu sammeln. Die Aktion begann schwungvoll, aber nach einem Jahr und 350 000 Unterschriften waren die ‹low hanging fruits› geerntet, und es deutete sich an, dass die restlichen 650 000 ein hartes Stück Arbeit bedeuten würden – und Kosten, wurde doch langsam klar, dass jede Stimme rund einen Euro kostete.

Während manchen von uns – so auch mir – der Mut schwankte, ob wir das ersehnte Ziel erreichen würden und ob Aufwand und Ertrag sich die Waage halten würden, schritt Michaela unbeirrt voran. Für Michaela war klar: Dieses Ziel gilt es zu erreichen! Und zwar natürlich nicht allein, sondern mit der Unterstützung vieler Menschen, Stiftungen, Unternehmen und weiterer Partner erreichte sie 2011 das ersehnte Ziel – das Memorandum wurde an die Europäische Kommission übergeben! Michaelas starker Wille ermöglichte das Erreichen des fast unerreichbar erschienenen Ziels. Chapeau, liebe Michaela! Nikolai Fuchs


Die Kraft einer Vision

Die erste Begegnung mit Michaela 2002 ist mir bis heute lebendig und strömt durch meine Arbeit. In den vergangenen 24 Jahren habe ich beobachtet und verstanden, dass sie diese Kraft der klaren Vision in sich trägt und dass aus ihrer warmen Liebe zur Menschheit jede Begegnung zu einem Raum der Heilung wird. Im Jahr 2003 nahm ich an unserem ersten IPMT auf den Philippinen teil, und dort wurde der Grundstein für das indische IPMT gelegt. Ab 2004 besuchte Michaela jedes Jahr Indien und begleitete uns geduldig und entschlossen. Sie führte uns auf einen Weg, der vielen Sinn und Bedeutung verlieh – Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen, Pädagoginnen und Pädagogen, Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sowie Eurythmistinnen und Eurythmisten – und der von einem starken sozialen Impuls getragen war. Wir wuchsen zu einer Gemeinschaft aus vielen Fachleuten, die zusammenarbeiten und auf der gemeinsamen Grundlage der Anthroposophie stehen. Unsere Reise in Indien geht weiter, insbesondere nach ihrem jüngsten Besuch im Januar 2026, bei dem sie das Thema ‹Soziale Heilung› ansprach. Ich hatte das Glück, einige Jahre lang mit ihr in den australischen IPMTs zusammenzuarbeiten, und der Impuls unter ihrer Führung lebt in vielen Waldorfschulen in Australien weiter. Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um ihr zu danken und unsere herzlichsten Wünsche, Liebe und Wärme zu übermitteln. Allamsetty Lakshmiprasanna


Nur die halbe Probenzeit

Wir kennen uns seit mehr als 50 Jahren und ich durfte Michaela an allen für mich wichtigen Lebensstationen begegnen. Als sie in Tübingen Medizin studierte, hatten wir mit dem Fichte-Haus als Mittelpunkt eine unglaublich aktive anthroposophische Studentengruppe, aus der Ärztinnen und Ärzte, Priesterinnen und Priester sowie Lehrerinnen und Lehrer hervorgingen. Sie wirkte in ihrer eigenen unnachahmlichen Art prägend und strahlte aus, dass im Leben eine große Aufgabe auf sie wartete. Jedes Jahr führten wir das Oberuferer Dreikönigsspiel auf. Beeindruckend war für mich ihre Regie: Mit ihrer Begeisterungskraft, ihrem schauspielerischen Talent und ihrer Eindeutigkeit bei den Anweisungen benötigten wir nur die halbe Probenzeit, und auch die Frage nach einer Modernisierung der Musik beantwortete sie kurz und knapp so, dass ohne van der Pals ihr Ätherleib umgekehrt gebürstet würde.

Nie werde ich ihre Hochzeitsfeier mit Georg vergessen: Mehrere Anthroposophinnen und Anthroposophen, die Rudolf Steiner noch persönlich gekannt hatten, berichteten von ihrer Begegnung mit ihm, und so wurde erlebbar, wie dieses Paar selbst sein Leben ganz in den Dienst der Anthroposophie stellen würde, unter weitgehendem Verzicht auf ein sogenanntes Privatleben. Michaela ist für mich vorbildlich, wie sie im Sinne Ita Wegmans mit großen Herzenskräften und einem geistgetragenen unbeugsamen Willen die Wände des Goetheanum in die Welt hinein öffnete. René Madeleyn


Lehrerin der Menschenliebe

Michaela folgt einer weltumspannenden Mission. Gerade dadurch hat sie einen wachen Blick für zukunftsbringende wie zukunftsgefährdende Entwicklungen auch in unserer unmittelbaren Nähe. Als Lehrerin der Menschenliebe macht sie uns in unabweisbarer Form die eigene Verantwortung deutlich. Michaela war und ist Pionierin darin, die Entwicklung des kleinen Kindes konkret zugleich aus medizinischer wie pädagogischer Perspektive anzuschauen. Pionierin darin, unsere Erkenntnis der Entwicklungsbedürfnisse des kleinen Kindes zu vertiefen. Pionierin darin, Eltern von heute in hilfreicher Weise anzusprechen und zu unterstützen. Pionierin darin, Kleinkindpädagogik anthroposophisch zu professionalisieren und mit der medizinischen Unterstützung der frühkindlichen Entwicklung in der Praxis zusammenzuführen. Pionierin darin, die Gefährdung der Kindheit durch elektronische Medien frühzeitig zu erkennen.

So ist es ihr gelungen, fähige Mitstreiterinnen und Mitstreiter in vielen Ländern zu inspirieren, die bis heute gern mit ihr zusammenarbeiten und ihren Impulsen weitere Wirksamkeit verleihen. Ihre Schriften haben weltweit sehr viele Menschen erreicht und viele Herzen der Anthroposophie geöffnet. Ihre innere Jugend, ihr globales michaelisches Bewusstsein – ein sehr anstrengendes Bewusstsein – entfaltet bis heute unabweisbar seine Kraft. Geboren in einer kriegszerstörten Stadt, von sanguinisch-melancholischem Temperament, eignet ihr eine tiefe Empfindung für menschliches Leid und ein ansteckend spontanes Interesse für die Menschen, denen sie begegnet, und deren Fragen. Aus der Kinderärztin ist eine weltweit tätige Lehrerin der Menschenliebe geworden. Georg Soldner


Mit zentnerschwerem Koffer

Als eine Gruppe von Medizinstudierenden kamen wir zweimal jährlich zusammen, um am Jungmedizinerkurs zu arbeiten. Während wir mit jugendlicher Impulsivität über die Inhalte eines Vortrags diskutierten, saß Michaela schweigend und intensiv zuhörend dabei, um dann an entscheidender Stelle einen weiterführenden Beitrag zu geben. Ich sehe sie spätabends auf einem Treppenaufgang des Goetheanum mit einer Persönlichkeit aus unserem Kreise sitzen, um sie zu ermuntern, einen für den nächsten Tag vorgesehenen Beitrag im großen Saal doch zu geben. Wenige Wochen nachdem ich eine neue Arbeit als Onkologin am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin aufgenommen hatte, rief mich Michaela an und bat mich, in Indien auf dem IPMT anthroposophische Onkologie zu unterrichten. Ich erklärte wortreich, dass das ganz unmöglich sei, da mir jegliche Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit der Misteltherapie fehle. Sie nahm dies freundlich zur Kenntnis, jedoch schienen all meine Begründungen sie unbeeindruckt zu lassen. Sie blieb anteilnehmend, aber unbeirrt so lange am Telefon, bis ich schließlich zusagte und mit einem zentnerschweren Koffer voller Bücher über Misteltherapie nach Indien flog. Es wurde meine erste, prägende Erfahrung, wie sich durch das geniale IPMT-Konzept die Keime der Anthroposophie beziehungsweise der Anthroposophischen Medizin in anders geartete kulturelle Verhältnisse einsenken konnten, und es entstand daraus eine nunmehr zwanzigjährige Beziehung zu diesem Land.

Waches Wahrnehmen der Menschen, die im Sektionszusammenhang tätig sind, und ein liebevolles Gefühl für deren Schicksalsaufgabe, ebenso wie ein entschiedenes Initiativ-Werden im richtigen Moment, verbunden mit unerschütterlichem Optimismus und Vertrauen in das Mitwirken der geistigen Welt – das konnte ich bei dir, liebe Michaela, erleben. Es ist mir heute Leuchtstern für meine eigene Tätigkeit in der Leitung der Medizinischen Sektion. Marion Debus


Wenn sie unsere Lieder singt

Michaela lebte in ihrer Kindheit ein Jahr in Mexiko. Sie spricht Spanisch und in ihrer Seele lebt auch die lateinamerikanische. Man kann es hören, wenn sie unsere Lieder singt an der Gitarre und wie sie mit unserem Humor umgeht. Michaela selber kam 1978 zum ersten Mal nach Argentinien, wo sie die schulärztlichen Tätigkeiten erweiterte und für die Waldorfpädagogen und Eltern Seminare und Vorträge gab. Sie unterstützte den Impuls, dass die Anthroposophische Medizin ein Teamwork sein soll, wo die verschiedenen Therapien, Eurythmie und Kunst zusammenarbeiten sollten und dafür ein Therapeutikum nötig sei, wo sich alles unter einem Dach abspielen könnte. Die Ausbildungen in Europa waren damals nicht allen zugänglich. Unter diesen Umständen entschied Michaela, dass die Medizinische Sektion sich zu den Menschen vor Ort bewegen müsse. Eine Idee, die sich dann in der Wirklichkeit zu einem Erfolg entwickelte. Dabei gehört zu Michaela auch Georg Glöckler. Beide haben alle Einladungen immer zugesagt und bei der Finanzierung geholfen. Sie haben sich jeder Situation angepasst, oft in primitiven Verhältnissen. Sie bringt Ordnung, klares Denken und eine Herzlichkeit hinein, die es erlaubt, dass die Menschen ihre Gedanken in das eigene Denken eingliedern und erweitern können. Wir konnten die Liebe erfahren, die Georg und Michaela zu Lateinamerika hatten und haben. Mariana Mampaey


Bild Michaela Glöckler, 100 Jahre Weihnachtstagung am Goetheanum 2023, Foto: Ariel Turner

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