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Wolle ist eine natürliche Haut

Claudy Jongstra, geboren 1963 in den Niederlanden, ist eine Textilkünstlerin, deren Werke weltweit ausgestellt werden. Sie hat im Utrecht College of Art studiert und befasst sich seit 1994 mit Wollfilz, dem frühesten Textil der Menschheit. In ihm sieht sie eine Möglichkeit, die Kunst an den Kreislauf der Natur unmittelbar anzuschließen. Von den Heideschafen, die die Wolle liefern, über die Pflanzenfarben, die auf einer biologisch-dynamischen Farm in den nördlichen Niederlanden hergestellt werden, verfolgt Claudy Jongstra mit ihren großformatigen Kunstwerken und architektonischen Installationen einen ganzheitlichen Ansatz.


Claudy Jongstra kommt auf Einladung der Sektion für Landwirtschaft anlässlich der Landwirtschaftlichen Tagung mit dem Titel ‹Wege zum Geistigen in der Landwirtschaft› ans Goetheanum. Jean-Michel Florin und Ueli Hurter haben sie im Sommer 2019 in den Niederlanden auf der Jahresversammlung von Demeter International kennengelernt. Sie hat dort ihre Arbeit vorgestellt und geschildert, wie die biodynamischen Materialien der gefärbten Wolle einen warmen, inneren Glanz geben. Die Sektion für bildende Kunst hat den Kontakt zu Claudy Jongstra und ihrem Team auf professioneller Ebene aufgebaut und kuriert eine Ausstellung am Goetheanum. Christiane Haid und Barbara Schnetzler haben Claudy Jongstra auf ihrem Künstlerhof in den Niederlanden besucht und ein Interview mit nach Hause gebracht.

Christiane Haid Sie verwenden in Ihren Kunstwerken reine ursprüngliche Materialien? Wie kam es dazu?

Claudy Jongstra In den Niederlanden gab es in den 1990er-Jahren wenig Gespür für Textilien und das traditionelle Handwerk, sodass ich nach Großbritannien ging. Ich habe zunächst Modedesign studiert und einige Zeit in diesem Metier gearbeitet, bis ich es zunehmend sinnlos fand und mich für ursprüngliche Materialien wie Wolle zu interessieren begann.

 


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Haid Wie sind Sie als Künstlerin dazu gekommen, Schafe zu züchten?

Jongstra Als ich anfing, mit Wolle zu arbeiten, kam es mir seltsam vor, Wolle von einem anonymen Lieferanten zu kaufen. Irgendetwas stimmte da nicht. So habe ich recht rasch Wolle von heimischen Schafen bezogen. Das stellt unmittelbar die Beziehung zu dem Ort her, an dem man lebt und an dem man verwurzelt ist.

Bald begann ich, selbst Schafe zu halten – die Drenthe-Heideschafe. Jetzt ist es eine Herde mit 250 Schafen und ein Schäfer betreibt mit ihnen eine natürliche Landschaftspflege. Es ist dadurch eine Art Naturreservat entstanden – ein wunderbar harmonisches Biotop. Die Wolle von diesen Schafen hat natürlich eine besondere Qualität, die wiederum auf die Verarbeitung und dann auf das Kunstwerk wirkt. Aber das ist nicht alles. Ich hatte von Anfang an die Vision, auf eine ethische Weise zu arbeiten und keine
Materialien von irgendwoher zu kaufen.

Barbara Schnetzler Was hat es mit der Substanz der Wolle auf sich? Was inspiriert Sie an dieser Substanz?

Jongstra Es ist die Genialität der Wolle, ihr ganzes Spektrum. Sie hält warm im Winter, körperlich und auch seelisch, und kühl im Sommer. Sie hat die Fähigkeit, sehr flexibel zu sein. Wenn man einen Wollpullover aus dem Koffer nimmt, ist er sofort wieder in Form. Die Fasern richten sich immer wieder auf, die Wolle ist antibakteriell, selbstreinigend. Das sind Dinge, die mich inspirieren.

Schnetzler Die Wolle hat heute an Marktwert verloren, synthetische Materialien haben ihr den Wert genommen.

Jongstra Genau. Wolle wird oft als ein Abfallmaterial angesehen. Indem wir bei unseren Projekten die Wolle wiederverwenden, versuchen wir, den Menschen den Wert dieses Materials zu zeigen.

Die mangelnde Erfahrung des Materials fängt ja schon bei den Kindern an. Nicht jedes Kind kann eine Waldorfschule besuchen, in der die Kinder mit der Wolle umgehen, weben und spinnen lernen. Wir veranstalten deswegen viele Bildungsprogramme für Kinder. Gerade in den Niederlanden ist das notwendig. 80 Prozent der jungen Menschen besuchen die Universität. Wir haben keine Leute mehr, die etwas mit der Hand herstellen können. Gerade diese Menschen brauchen wir aber. So laden wir Berufsschulklassen zu uns ein: 16-, 17-Jährige, Modedesigner, Spieldesigner, Floristen. Sie lernen, sich mit dem Saatgut, den Pflanzen, der Ernte zu verbinden. Dadurch bekommen sie ein anderes Bewusstsein von den Dingen. Erst dadurch kann ein Umdenken in Bezug auf unsere Welt entstehen und ein Wandel einsetzen. Denn Wandel kann nur im Tun erfolgen. Es nützt nichts, nur darüber zu reden.

 


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Haid Wie sind Sie mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Berührung gekommen?

Jongstra Durch unseren eigenen Bauernhof. Es ist ein kleiner Bauernhof. Wir bauen dort vor allem Färbepflanzen an. Für unsere Kunstwerke reicht das allerdings nicht, sodass wir unsere Farbpaletten erweitert haben und nun mit biologisch-dynamischen Landwirten zusammenarbeiten. Die durch Sonnen- und Ringel­blumen gewonnenen Farben beziehen wir beispielsweise von den mit uns zusammenarbeitenden Höfen.

Haid Arbeiten Sie auf Ihrer Farm auch biologisch-dynamisch?

Jongstra Ja, das tun wir. Wir haben hier inzwischen auch einen gewissen Vorbildcharakter bekommen. Es gibt viele konventionell und traditionell wirtschaftende Bauern, die sich für unsere Arbeitsweise interessieren. Aufgrund der starken Monokultur in den Niederlanden wächst das Interesse für biologische Vielfalt. Es tritt immer deutlicher ins Bewusstsein, dass Monokulturen die Natur und unser ganzes Leben zerstören. Mit der biologisch-
dynamischen Wirtschaftsweise wecken wir ein Bewusstsein für einen neuen Umgang mit der Natur.

Haid Ihre Kunstwerke stehen oft in Beziehung zu den Gebäuden, in denen sie hängen. Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit mit den Architekten?

Jongstra Die Architekten haben mich oder besser gesagt meine Kunst allmählich entdeckt. Meine Arbeit mit der Wolle stellt einen Gegensatz zu der meist kühlen, zuweilen auch kalten Architektur von heute dar. Sie kann diese im weitesten Sinne beleben und auch gewissermaßen individualisieren. Viele der heutigen modernen Gebäude lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden, sie sind alle gleich. Die Massenproduktion liefert identische Gebäude, man denke an Ikea, Obi oder andere weltweite Einrichtungsketten. Alles sieht gleich aus, alles fühlt sich gleich an und wird so letztendlich auch von innen her gleich. Eine Entfremdung tritt ein und der Mensch kann sich nicht mehr als Teil eines größeren Ganzen empfinden. Gerade Räume können sehr dazu beitragen, dass der Mensch sich selbst entfremdet. Durch Arbeiten wie die meinen werden die Räume menschlicher – man könnte sagen, es findet eine Art Humanisierung der Räume statt.

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Das innere Motiv meiner Arbeit? Klimawandel und die menschliche Entwicklung.

Doch der Zusammenarbeit mit den Architekten geht ein langer Prozess voraus. Zu Beginn war es für mich schwierig, Aufträge zu finden, weil ich mit einem untypischen Material arbeitete. Dann wurde die Wolle aus praktischen Gründen interessant – die Akustik stand im Vordergrund. Jetzt, nachdem ich lange Zeit mit diesem Medium gearbeitet habe, sehe ich eine Verschiebung von den praktischen Funktionen hin zur Schaffung von Räumen, die für die Heilung genutzt werden, Räume für Menschen, die sich darin wohlfühlen sollen. So kam es schließlich zur Zusammenarbeit mit Krankenhäusern.

Insgesamt ist zu beobachten, dass ein immer stärkeres Bewusstsein für das Ganze wächst. Die Menschen wollen Verantwortung übernehmen. In den Niederlanden ist zu beobachten, dass mehr und mehr kleine, autarke Gemeinschaften entstehen, in denen viele Dinge selbst produziert werden. Das Handwerkliche wird wieder geschätzt.

Eine sehr erfolgreiche Modedesignerin aus Belgien, Veronique Branquinho, hat ihr Modelabel vor einiger Zeit aufgegeben, weil sie nicht mehr Teil der Modeindustrie sein wollte. Jetzt stellt sie Entwürfe zum Selbstschneidern her und verkauft sie als Nähset. Einen Rock, den man selbst mit der Nähmaschine näht, behält man lange, weil man sich damit Mühe gegeben hat. Man wirft ihn nicht einfach weg.

 


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Schnetzler In welchen Bereichen sind Sie noch tätig?

Jongstra Im Januar haben wir eine neue Firma gegründet, die Soziales, Bildung, aber auch die Landwirtschaft umfasst – Extended Ground heißt sie. Die Projekte haben alle eine soziale Dimension. In der Landwirtschaft sind wir dann auch in der Gartengestaltung tätig oder entwerfen Deiche. Im Pflegebereich arbeiten wir mit Wissenschaftlern zusammen, die durch neurowissenschaftliche Studien aufzeigen können, dass der Kontakt mit Wolle, zum Beispiel in der kreativen Therapie, Auswirkungen auf das Gehirn hat. Es verändert nachweislich den Serotoningehalt etc. Da viele Menschen weit davon entfernt sind, sich mit Naturmaterialien zu beschäftigen oder gar an ihre Heilkraft zu glauben, können wissenschaftliche Studien da sehr überzeugend sein.

Unsere sozialen Programme sind vor allem für Geflüchtete gedacht. Viele von ihnen kommen aus Afrika und sind so von sich aus sehr stark mit Naturmaterialien verbunden. So kann ein Dialog auf einer anderen Ebene entstehen, da man leicht über das Material, die Farbe kommunizieren kann. Dadurch entsteht eine Verbindung. Denn gerade Geflüchtete haben keinerlei Verbindung zur niederländischen Gesellschaft. Niemand ist interessiert an ihnen. Sie haben an nichts einen Anteil. Wie sollen sie hier jemals einen Platz finden? Indem wir mit ihnen an etwas arbeiten, das sie aus der Erinnerung heraus kennen, kann etwas Neues entstehen. Wir hatten einen jungen Mann aus Eritrea, der, wie sich bald herausstellte, Weber war. Er fand sofort Anschluss und arbeitet jetzt mit einem Tischler zusammen. Aus der alten Arbeit ist gewissermaßen eine neue Perspektive gewachsen. Man könnte also sagen, wir führen einen Dialog über unsere Arbeit mit diesen Menschen.

Ein ganz anderer Bereich umfasst die Entwicklung eines Parfüms. Man braucht Blumen und ein Bindemittel, das kann Öl aus Sonnenblumen oder Kokosnüssen sein. Wir benutzen Sonnenblumen und Bienenwachs. Dies ist auch eine Idee zur Stimulierung durch Vielfalt. Agrarökonomen erforschen für uns anhand von Kartoffel- und Maisfeldern den Gewinn für die Landwirtschaft. Die Parfümherstellung ist teuer. Mit welchen Pflanzen entsteht welcher Gewinn?

Diese Forschung hat nun für Bauern in der Übergangsphase gezeigt, dass es ein neues Einkommensmodell ist. Der Anbau ist lokal. Die Idee ist, hier im Norden eine Herstellerindustrie zu gründen, aber jeder Landwirt, beispielsweise in der Schweiz, kann eine Lizenz erwerben und die benötigten Pflanzen in seinem Land anbauen. Wir entwickeln das mit dem Team bereits seit etwa zwei Jahren. Im kommenden Jahr werden wir mit der Infrastruktur der Herstellung beginnen, denn es gibt viele interessierte Landwirte.

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Erde, Mineralien, Pflanzen, Tiere und Mensch versteht Jongstra als einen Schöpfungszusammenhang. Diesen zu begreifen und zu kultivieren, bedarf gerade in unserer heutigen Zeit besonderer Verantwortung und Pflege.

Haid Was sind die inneren Motive für Ihre Arbeit?

Jongstra Klimawandel und menschliche Entwicklung. Ich möchte dem Menschen gerecht werden und der Natur.

Haid Wie groß ist das Team, mit dem Sie arbeiten?

Jongstra Insgesamt sind es ungefähr 20 bis 25 Menschen. Wir sind ein internationales Team und versuchen, auch Raum für junge Menschen zu geben. Gerade arbeitet ein junges Mädchen aus Frankreich bei uns, das sehr geschickt im Sticken ist. Wo kann man heute noch einen Job finden, um Stickereien herzustellen? In der Haute Couture, aber das ist es auch schon. Solche Menschen zu fördern, empfinde ich als zukunftsträchtig.

So sind wir auch sehr daran interessiert, verlorene Handwerke zu bewahren und zu zeigen, zum Beispiel die Strohstickerei oder Stickereien mit Garnen aus Mais, aus Roggen. Auch in der Schweiz hatte das eine große Tradition. Die Menschen waren damals erfinderisch. So benutzten sie den Abfall, der sich beim Brotbacken ergab, für Stickereien. Das Stroh als goldener Faden. Aber das beherrschen heute nur noch fünf Menschen auf der Welt.

Schnetzler Sie beschäftigen sich auch mit Farbe, besonders mit Indigo. Wie sehen Ihre Forschungen dazu aus?

Jongstra In den letzten zwei Jahren haben wir die schwierigste Naturfarbe, das Naturschwarz, zusammen mit Wissenschaftlern erforscht. Dazu muss man tief in die Geschichte hineingehen, um herauszubekommen, wie die Farben hergestellt wurden. In den Rezepten wird zum Beispiel Holzofenasche verwendet, oder auch Sauerteig. Die Menschen haben alles voneinander und untereinander verwendet. Zuerst hatten wir keine Pläne für eine Bäckerei. Und jetzt zeigt sich aus dem, was in den Rezepten steht, wie die Menschen zusammenlebten. Nun haben wir selbst auch eine Bäckerei auf unserem Hof eingerichtet.

Nehmen wir die Wurzel einer Krapp-Pflanze: Es dauert fünf Jahre, um daraus Farbe zu erzeugen, die berühmte rote Farbe. Rembrandt hat diese Farbe viel benutzt. Wir haben ein Stück, das jetzt elf Jahre alt ist. Es ist interessant, diese Analysen mit den Wissenschaftlern zu machen, um die Rezepte zu verstehen.

Haid Wie kommen Sie zu Ihren Motiven?

Jongstra Meist hängen die Motive mit dem Auftragsort zusammen – das kann die Küste sein, das Meer, eine Heidelandschaft. Dann wiederum sind die Motive eher abstrakt aus dem aktuellen Zeitgeschehen heraus gewonnen. Zurzeit arbeiten wir an einem Kunstwerk für ein Museum – es ist politischer Natur. Es geht um eine Landschaft, eine rechteckige Landschaft. Ein Ausdruck für den wirtschaftlichen Profit, der das Land beherrscht. Ergänzt wird dies mit einer Stickerei in einem sehr organischen Muster. Es ist ein Muster, das von einer Karte aus dem 17. Jahrhundert stammt. Als die Menschen im 17. Jahrhundert Landteilungen vornahmen, taten sie dies mit ästhetischen Absichten, nicht mit wirtschaftlichen.

Haid Ihre Arbeit entsteht also aus dem Kontext heraus, ist selbst eine Art Webvorgang?

Jongstra Ja. Gerade arbeiten wir an einem Projekt für eine Bank in Deutschland. Die Vision der Bank ist, dass sie eine Art Gemeindehaus sein will. Eine Bank mit offenen Türen, mit einem Café. Jung und Alt sind gern gesehen, Start-up-Unternehmer arbeiten dort und teilen ihr Wissen. Diese bereichsübergreifende Idee der Bank ist selbst eine Art Gewebe. Man könnte also sagen, das Konzept des Kunstwerks ist der gestaltete, gewebte Frieden.

Haid Welche Philosophie steht hinter Ihren Werken?

Jongstra Den Menschen gerecht werden und dem Land gerecht werden. Es geht also mehr um die menschliche Fähigkeit. Wir sind keine Fabrik, wir sind nicht Louis Vuitton oder Dolce & Gabbana, aber unser Hof kann für andere ein Modell sein, zu verstehen: Ich kann mein Leben ändern. Es ist greifbar und nicht unmöglich.

 


Claudy Jongstra, Woven Skin, Stone Barns Center For Food and Agriculture USA, (2.2 × 48 × 10 m), 2018 Foto © Jeroen Musch

Claudy Jongstra, Woven Skin, Stone Barns Center For Food and Agriculture USA, (2.2 × 48 × 10 m), 2018 Foto © Jeroen Musch

 

Haid Können Sie noch etwas zu dem Kunstwerk ‹Woven Skin› sagen, das Sie im Goetheanum ausstellen werden?

Jongstra Ja. Das ist eine sehr politische Arbeit. Es ist ein Werk, das buchstäblich gewebte Haut ist. Es sieht aus wie Haut, aber es ist Wolle. Es hat diese typischen Farbpaletten, und es ist vielleicht ein bisschen schockierend. Es geht hier nicht um Ästhetik. Denn etwas Ästhetisches zu schaffen, ist nicht schwer. Es ist ein Kunstwerk, das dazu auffordert, etwas zu tun, handlungsfähig zu werden. Von daher muss ‹Woven Skin› als Kreis oder Spirale aufgebaut sein, sodass die Leute wirklich hineingehen können.

‹Woven Skin› war Teil der Klimawoche in New York letzten Sommer, wurde aber auch in Palermo bei der Manifesta 12 gezeigt. Die Italiener hatten keine Probleme damit, weil sie eine starke Beziehung zum Tod haben. Sie begreifen die Arbeit mit dem Herzen.

Haid Im ersten Moment, aus der Ferne betrachtet, kann man das Gefühl haben, dass es sich um rohes Fleisch handelt. Ich finde es sehr interessant, dass Sie den Begriff Haut verwenden. Die Haut trennt die Innen- von der Außenwelt. Ich glaube, es geht auch um Verletzlichkeit.

Jongstra Was ist Haut? Sie beschützt uns auch, aber sie ist sehr verletzlich.

Schnetzler Und sie ist der Wolle sehr ähnlich.

Jongstra Ja, Wolle ist eine natürliche Haut.

Haid Ich denke, für die Menschen vor Ort ist es wichtig, zu verstehen, was Ihre Idee ist, damit sie beim Besuch der Ausstellung nicht schockiert sind. Obwohl, ein bisschen schockiert zu sein, ist vielleicht gar nicht schlecht.

Jongstra Das sollten sie sein! Denn auch das gehört zum Sinn der Kunst, sie ist ein Manifest. Das äußerlich Schöne verändert nicht die Welt. Wir müssen wach werden!


Veranstaltungen mit Claudy Jongstra

Die Großinstallation ‹Woven Skin› wird im Goetheanum-Park vom 5. bis 8. Februar zu sehen sein, ein weiteres, dreiteiliges Werk von Claudy Jongstra, ‹landscape in pointillism›, Triptych (1,1 × 0,8 m) aus dem Jahre 2019 wird bis Ende Mai 2020 im Foyer des Goetheanum präsentiert.

Freitag, 7. Februar, Künstlergespräch mit Claudy Jongstra bei der ‹Woven Skin›- Skulptur, 15 bis 16 Uhr

Samstag, 8. Februar, Beitrag von Claudy Jongstra an der Landwirtschaftlichen Tagung, 8.30 Uhr

Mehr: www.claudyjongstra.com, Instagram claudyjongstra

Bilder: Eindrücke aus Jongstras Studio. Fotos: Ch. Haid, B. Schnetzler.

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