Geteilte Erwartung

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Ich beobachtete, wie sich Dutzende Menschen auf einem Feld versammelten. Kinder rannten herum. Menschen stellten Teleskope oder Kameras auf, sprachen aufgeregt miteinander und verteilten merkwürdige Sonnenbrillen. Als die Sonnenfinsternis begann und die Dunkelheit zunahm, wurde es ruhiger. Die Kinder hielten inne, die Erwachsenen flüsterten. Während der Totalität sprach niemand mehr und niemand bewegte sich. Als das erste Glimmen der Sonne wieder erschien, brach die Menge in Jubel aus, Menschen umarmten sich.

Viele Jahre zuvor saß ich allein im Wald. Das Licht fiel durch die Lücken im Laub und bildete kleine runde ‹Pfützen› auf dem Boden. Als sich der Mond vor die Sonne schob, verwandelten sich diese Lichtflecken in kleine ‹Haarsträhnen› – die goldenen Locken des verschwindenden Sonnenkindes. Die Farben traten zurück, aufgesogen von einem tiefen Grau. Es herrschte Grabesstille. Keine Brise, kein Vogelgesang, nichts. Der Wald hielt seinen Atem an. Es verging ein Moment. Und noch einer. Würde es für immer so sein? Auch ich hielt meinen Atem an. Dann ein kleines Vogellied, ein Farbflüstern und das plötzliche Einatmen von Freude in mein Herz sagten mir: Wir sind hindurchgegangen.

Ich dachte an einen Flug in eine kleine spanische Stadt. Als wir landeten, applaudierten und lachten die Passagiere. Ich lachte auch. Unser Verstand weiß, dass die Sonne zurückkehrt und das Flugzeug landet. Doch unser Herz empfindet einen Übergang, der viel großartiger ist. Es ist gut, einen Moment von unerwarteter Freude zu teilen: Wir sind hindurchgegangen, wir sind immer noch hier, zusammen.


Illustration Adrien Jutard

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