Was meine ich mit ästhetischer Erziehung?

Ästhetische Erziehung gibt es in dreierlei Bedeutung. Erstens bedeutet es eine Erziehung durch einen hohen Anteil an künstlerischen Tätigkeiten.


Jedes Kind, das viel malt oder viel Musik macht oder viel tanzt oder viel liest und Theater spielt oder sogar all das zusammen, durchläuft eine ästhetische Erziehung. Deren Qualität hängt zu einem erheblichen Teil ab von der pädagogischen Qualität der jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer und deren Vermögen, die Potenziale des Kindes freizulegen und zu fördern. Zweitens: Ästhetische Erziehung heißt, dass die Unterrichtsstunde selbst künstlerisch wird. Alle große Kunst atmet. Auch eine Unterrichtsstunde kann atmen zwischen Schwere und Leichte, zwischen Ernsthaftigkeit und Heiterkeit. […] Drittens umfasst ästhetische Erziehung im Sinne von Schillers ästhetischer Freiheitserziehung einen vierstufigen Prozess: 1. Das erkennende Wahrnehmen der Naturkräfte, der Seelen- und Geistkräfte im Kind. 2. Das Entwickeln der heiligsten Gefühle gegenüber diesen Kräften. 3. Das Empfangen individueller pädagogischer Ideen für den individuellen Fall, gesprochen von der Natur selbst. 4. Die opferbereite Liebe zur Ausführung der pädagogischen Intuitionen.


Aus Valentin Wember und Martin Kollewijn, Schillers ästhetische Freiheitserziehung. Tübingen 2021

Grafik Sofia Lismont

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