Intensiver Einsatz für die integrative Medizin

Um die integrative Medizin in der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie ging es bei einem viertägigen Kongress der Academy of Integrative Health & Medicine in Kalifornien mit dem Titel ‹Hope, Resilience and Healing in the Covid-19 Era› Ende März.


Rund 1200 Menschen aus 76 Ländern hatten sich zur Onlinekonferenz angemeldet. Der erste Kongresstag war der Anthroposophischen Medizin gewidmet. Berichte der anthroposophischen Ärzte Friedemann Schad (Klinik Havelhöhe, Berlin), Pieter Wildervanck (Klinik Arlesheim, Schweiz) und Thomas Breitkreuz (Paracelsus-Krankenhaus, Bad Liebenzell) bildeten den Auftakt. Im Mittelpunkt der Ausführungen stand der Beitrag, den komplementärmedizinische Behandlungen in der Pandemie leisten können. «Wir haben von den Berichten der chinesischen Kollegen gelernt, dass es so etwas wie ein ‹goldenes Fenster› im Verlauf der Krankheit gibt», berichtete Breitkreuz. In diesem ersten Stadium sei es sinnvoll, die Widerstandskräfte des Patienten, der Patientin so weit zu stärken, dass es zu den späteren, schlimmeren Stadien erst gar nicht komme.

Wie viel Dramatik die Pandemie in anderen Ländern der Welt in sich birgt, war in den Berichten aus Brasilien und Russland zu spüren. Sheila Grande aus Rio de Janeiro hat in ihrer Hausarztpraxis 357 Covid-19-Patienten behandelt. Eine Chance auf Krankenhausaufenthalte sei wenig gegeben, die Diagnose Covid-19 stürze die Menschen auch in Ängste und Verzweiflung. Die Ärztin wies auf die extrem hohe Todesrate in Brasilien hin. Außerdem habe die Pandemie im Amazonasgebiet ihren Ausgang genommen mit dem Hotspot Manaus, wo auch die Luftverschmutzung durch die Rodungen des Urwaldes die Bevölkerung gesundheitlich belastet. Denis Koshechkin schilderte seine Erfahrungen in einer Klinik in Sankt Petersburg, die 5900 Patienten und Patientinnen pro Jahr versorgt. Irgendwann seien «alle Patienten der Klinik Covid-Patienten gewesen», berichtete er. Er stellte ebenfalls eine Fallstudie einer Patientin vor, die er mit einer Behandlung durch die stärkenden Heilmittel gut durch die Pandemie gebracht hatte, trotz ihrer Krebsvorerkrankung.

Zum Schluss dieses Tages berichtete der Neurologe Robert Fitger aus der Arlesheimer Klinik über die sogenannten Long-Covid-Symptome, die noch wenig erforscht sind und die offenbar monatelang anhalten können. Dazu gehören Erschöpfung, Depression, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen und Haarausfall. Auch Erkrankte mit milden Covid-19-Verläufen seien davon betroffen, Frauen eher als Männer. Fitger stellte ein integratives Behandlungskonzept bei Long-Covid vor. Für eine Bewertung müsse noch mehr geforscht werden, betonte er.


Quelle: END/NNA/UNG

Mehr Academy of Integrative Health & Medicine und International Federation of Anthroposophic Medical Associations (IVAA)

Titelbild: Kristine Wook, unsplash

Print Friendly, PDF & Email

Letzte Kommentare