Entwirrungshilfe

Alle Sektionsleiter der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum haben die unterschiedlichsten Aspekte der Coronakrise erörtert, zusammengetragen und zu einer in kürzester Zeit herausgekommenen Publikation verarbeitet.


Ist das Covid-19-Virus eine Antwort auf die unwürdige Behandlung des Tierreiches durch den Menschen? Kann der schöpferische künstlerische Prozess Widerstandskräfte gegen das Virus stärken? Hat die Coronaerkrankung als gestörte Funktion insbesondere der Atmungswege und der Lungen etwas mit der gestörten Atmungsfunktion der weltweit zerstörten Wälder zu tun? Wie steht es bei den staatlich erlassenen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus mit den Menschenrechten? Zielt das alles nach chinesischem Muster auf eine Bevormundung des Menschen durch den Staat? Welches sind die Konsequenzen digitalisierten Fernunterrichts für die Entwicklung der Kinder? Was bedeutet es, wenn betagte Menschen über Monate in ihre Zimmer eingeschlossen bleiben, von keinen Verwandten und Freunden besucht werden dürfen und einsam sterben? Sind wir alle dem Diktat von hochspezialisierten, aber auf ihr Blickfeld beschränkten Virologen und damit einer unfasslichen Wissenschaftsgläubigkeit aufgesessen?

Jetzt kommt es darauf an, nicht einfach nur in Widerstandshaltung aufzubegehren, sondern mit durchdringendem Verstehen die Lage zu durchschauen. Die aus dem Gesichtspunkt verschiedenster Lebensgebiete zusammengetragenen Aufsätze vertiefen einerseits die Fragen, was ein erster Schritt für eine Erkenntnis der Probleme ist, liefern andererseits aber auch konkrete Ansatzpunkte für einen Weg aus der Krisis heraus. Das bedeutet in der Medizin die Abwendung von einem faszinierten Hinstarren auf die Gefährlichkeit der Krankheit und Hinwendung zur Frage: Wie kann ich im Sinne einer Salutogenese die Gesundheit des Menschen so stärken, dass er weniger anfällig ist. In der Kunst: Künstlerisch-schöpferische Tätigkeit – und zwar durch jedermann, nicht nur durch die Künstler – stärkt die Ichkräfte und überwindet Angst, die es in sich hat, in einem gewissen Sinne die Krankheit anzuziehen. Im Sozialen: Den anderen Menschen als potenziellen Träger des feindlichen Virus zu sehen, führt zu anti-social distancing, zu Entfremdung, wo man den Mitmenschen durch eine Plastikscheibe wahrzunehmen anfängt. Und überhaupt: Wie stehen wir zum Tod? Wie oft verweigert man alten Menschen durch erzwungene medizinische Maßnahmen ihren individuell richtigen Todeszeitpunkt. Und jetzt sind sie in die Vereinzelung, in die Einsamkeit getrieben worden und möglicherweise daran gestorben.

Das Buch umfasst siebzehn Aufsätze. Darauf hinzuweisen ist, wie die Vielfalt der Gesichtspunkte, die zur Geltung kommen, wesentliches Material liefern, um die Coronakrise besser zu verstehen und innerlich zu den durch die Krise aufgeworfenen Problemen Orientierung zu bekommen. Und das tut gut angesichts der Verwirrung, in die man durch die unerwartete bedrohliche und nur schwer durchschaubare Situation gestoßen worden ist.


Buch Ueli Hurter, Justus Wittich (Hg.), Perspektiven und Initiativen zur Coronazeit, Verlag am Goetheanum, Dornach 2020 ISBN 9783723516416

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