Vom 6. bis 9. Juli 2026 öffnete das Kongresszentrum in Davos zum dritten Mal dem World Child Forum seine Türen.
Das World Child Forum lud erneut dazu ein, eine Welt zu gestalten, wie sie uns gefällt – als Spielraum, als offenes Atelier und als sozialer Kunstraum. Die ersten beiden Foren in den Jahren 2023 und 2024 lebten vor allem von der großen internationalen Vielfalt und der beeindruckenden Zahl junger Menschen aus aller Welt. Das diesjährige Forum war kleiner. Gerade darin lag aber eine andere Qualität. Begegnungen konnten länger dauern, Gespräche sich vertiefen und Beziehungen wachsen. Nicht intensiver als zuvor, sondern auf eine andere Weise. Eine Frage stand über dem diesjährigen Forum: Wie muss ein Ort aussehen, an dem Zukunft nicht nur diskutiert, sondern gemeinsam gestaltet wird? Daraus entstand der Entschluss, das WCF in diesem Jahr bewusst als Werkstatt zu denken, als offenen Möglichkeitsraum. Es war ein Experiment. Und wie jedes gute Experiment brachte es Überraschungen mit sich. Vieles hat getragen. Die offenen Räume, die gemeinsamen Zeiten, das bewusste Nebeneinander von Spiel, Kunst, Musik, Gespräch und Stille haben eine Atmosphäre entstehen lassen, in der sich Menschen schnell begegnen konnten. Manche Übergänge waren noch ungewohnt, manche Prozesse hätten mehr Struktur vertragen. Eine Werkstatt ist aber niemals fertig. Sie entwickelt sich mit jedem Menschen weiter, der in ihr arbeitet.
Kein fertiges Format verwalten
Vielleicht ist genau das die Haltung des World Child Forum. Wir möchten jedes Jahr neu lernen. Das große Foyer des Kongresszentrums mit seinen Innengärten wurde in diesen Tagen zu einem gemeinsamen Lebensraum. Kinder bauten Spielwelten, Jugendliche diskutierten über Frieden und Zukunft, Erwachsene hörten zu, musizierten gemeinsam oder führten Gespräche, die oft bis spät in den Abend andauerten. Dazwischen entstanden immer wieder jene Momente, die sich weder planen noch moderieren lassen. Ein Vater aus Bosnien-Herzegowina erzählte, wie er als Kind vor dem Krieg floh und heute als Lehrer in Nordrhein-Westfalen arbeitet. Er hatte Schülerinnen und Schüler mit nach Davos gebracht, die zum ersten Mal erlebten, was es bedeutet, Menschen aus vielen Ländern nicht über Bildschirme oder Nachrichten kennenzulernen. Christian war aus Kolumbien angereist. Seit vielen Jahren setzt er sich dort politisch für Kinderrechte ein und sucht den Austausch mit Menschen, die ähnliche Fragen bewegen. Er war schon bei den vorherigen Foren dabei und war inspiriert. Jetzt arbeitet er daran, das World Child Forum eines Tages auch nach Bogotá zu holen. Solche Geschichten gab es viele. Vielleicht machen sie den eigentlichen Reichtum des World Child Forum aus. Ein dreizehnjähriger Teilnehmer sagte: «Ich war das letzte Mal auch schon hier. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich, als ich auf der Bühne stand, das erste Mal richtig frei gefühlt.»
Immer wieder sprechen wir davon, Kinder zu beteiligen. Doch häufig bleibt Beteiligung ein Programmpunkt. Auf die Frage, was Erwachsene von Kindern lernen könnten, antwortete Amil, ohne lange nachzudenken: «Keine Vorurteile haben. Man will einfach Spaß und Freundschaft. Die Erwachsenen denken zu viel nach.» Vielleicht steckt darin mehr Zukunft, als Strategiepapiere vermitteln können. Deshalb begannen die gemeinsamen vier Tage auch nicht mit Antworten, sondern mit Fragen. Wie können wir Hass überwinden? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit auf Weltfrieden? Was bedeutet Gerechtigkeit? Was brauchen Kinder heute wirklich? Sie hingen an den Wänden, tauchten in Gesprächen immer wieder auf und öffneten neue Denk- und Erfahrungsräume.
Friedensnobelpreis für alle Kinder
Was vor wenigen Jahren mit der unmöglich erscheinenden Frage ‹Was wäre, wenn alle Kinder den Friedensnobelpreis verliehen bekämen?› begann, hat inzwischen eine weltweite Bewegung ausgelöst. Tatsächlich sind heute rund 2,4 Milliarden Kinder durch das World Child Forum nominiert. Allein diese Tatsache verändert den Blick auf Frieden. Sie erinnert daran, dass Frieden immer dort beginnt, wo Kinder geschützt, gesehen und ernst genommen werden. Während des Forums schrieben Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Lorena Dunant, aus der Familie Henry Dunants (Gründer des Roten Kreuzes und erster Friedensnobelpreisträger), einen Brief an das Komitee in Oslo. Drei Kinder brachten ihn anschließend selbst auf den Weg. Dass dieser Brief ausgerechnet im Davoser Kongresszentrum entstand, an jenem Ort, an dem jedes Jahr die Mächtigen der Welt über globale Entwicklungen beraten, verleiht dieser Geschichte eine besondere Symbolkraft.
Ein wichtiges Zeichen setzte auch der Besuch des Davoser Bürgermeisters Philipp Wilhelm. Er kam nicht, um ein Grußwort zu sprechen und wieder zu gehen. Er nahm sich Zeit, hörte zu, beteiligte sich an Gesprächen und diskutierte gemeinsam mit den Teilnehmenden über die Zukunft des World Child Forum. Am Ende stand nicht nur große Wertschätzung für das diesjährige Forum, sondern auch die Bereitschaft der Stadt Davos, den gemeinsamen Weg weiterzugehen und das Forum auch 2027 zu unterstützen. Das hat uns Mut gemacht.
Neben allem Gelungenen hat das Forum auch deutlich gezeigt, wo seine nächsten Entwicklungsschritte liegen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene brauchen zunächst unterschiedliche Räume. Kinder brauchen das freie Spiel, Natur, Kunst und Bewegung. Jugendliche brauchen Verantwortung, internationale Begegnungen und die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln. Erwachsene brauchen Orte, an denen sie gemeinsam überlegen können, wie die Gedanken des Forums in Politik, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft hineinwirken. Die eigentliche Kraft entsteht dort, wo sie sich begegnen. Genau diese Übergänge möchten wir in Zukunft noch bewusster gestalten – als Herzstück des Forums. Vielleicht braucht unsere Zeit genau solche Orte. Orte, an denen Menschen nicht zuerst nach Alter, Herkunft oder Funktion gefragt werden. Orte, an denen Zukunft nicht beschlossen, sondern gemeinsam ausprobiert wird. Wir erleben täglich Geschichten des Misslingens, von Krieg, Krisen und Spaltung. Sie gehören zu unserer Gegenwart. Aber sie sind nicht die einzige Wirklichkeit. Genauso notwendig sind Geschichten des Gelingens, die zeigen, dass Menschen Vertrauen aufbauen können, dass Begegnung Vorurteile verändert, dass gemeinsames Spiel Brücken schlägt und dass Kinder nicht erst unsere Zukunft sind, sondern unsere Gegenwart. Das World Child Forum endet deshalb nicht mit der Abschlussrunde in Davos. Es lebt in entstandenen Freundschaften weiter. In den Projekten, die nun wachsen. In den Fragen, die mit nach Hause genommen werden. Und in der Hoffnung, dass aus vielen kleinen Begegnungen etwas Größeres entstehen kann. Denn vielleicht beginnt Zukunft nicht dort, wo wir glauben, alles zu wissen. Vielleicht beginnt sie dort, wo wir bereit sind, einander wirklich zu begegnen. Nächstes Jahr geht die Geschichte weiter.
Foto World Child Forum 2026

