Dem Text und seiner Faszinationskraft vertrauen

Dreimal ‹Faust›-Sommerfestspiel am Goetheanum.


Dreimal spielte die Goetheanum-Bühne im Sommer ‹Faust I und II›. Nach nur vier Wochen Probenzeit kam die Inszenierung von Andrea Pfaehler mit Rafael Tavares (Regie Eurythmie) nach dem vergangenen Oktober erneut und erneuert in einem zweitägigen und zwei dreitägigen Festspielen auf die Bühne. Zum ersten Zyklus kamen 500 Gäste, zum zweiten 400 und zum dritten 600. Am ersten Theaterwochenende gab es für jugendliche Zuschauende ein eigenes Programm. Was früher am Goetheanum die großen ‹Faust›-Jugendtagungen waren, findet hier einen kleineren, neuen Schritt. Der Goetheanum-Park war bei den Aufführungen dabei. Aus ausgedientem Bühnenstoff wurden Picknickdecken verteilt, um sich in den Pausen im goetheschen Sinne in der Natur zu «erquicken». Andreas Krämer und Thomas Meyer, Vorstandsmitglieder der Internationalen Faust-Gesellschaft, schrieben nach dem Besuch in ihrem Newsletter: «Wir waren (und sind) absolut begeistert. Eine Inszenierung, die nicht versucht, durch billige Scherze den Goethe-Text zu verfremden oder zu ironisieren, sondern einfach dem Text und seiner Faszinationskraft vertraut. Vier Mephistos, einer besser als der andere. Und eine Margarete, die überzeugt wie keine zuvor.» Ähnlich positiv waren die schriftlichen Rückmeldungen des Publikums: Als herausstechende Szene wurde die Kerkerszene genannt, wenn Gretchen und Faust um ihre irdische Befreiung oder himmlische Erlösung ringen. Außerdem wurde in den Publikumsreaktionen die letzte Szene hervorgehoben. Der gestorbene Faust setzt nachtodlich seine ersten Schritte in der ‹anderen› Welt. In dieser Szene ‹Bergschluchten› erzählt die Inszenierung Goethes Dichtung in einer eurythmisch-schauspielerischen Lichtchoreografie. Während musikalisch Motive von Fausts Leben erklingen, bildet er durch seinen Schritt auf dem Bühnenboden einen Lichtpfad. Wege entstehen, indem wir sie gehen. Nächsten Mai kommen die 18 Schauspielenden, 21 Eurythmistinnen und Eurythmisten, der zehnköpfige Sprachchor sowie die sieben Musikerinnen und Musiker mit der Bühnencrew wieder zusammen, denn im Juli 2027 spielt der ‹Faust› – weiter entwickelt – wieder auf der Goetheanum-Bühne.


Foto Katharina Hoffmann

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