Wirklicher als das Leben

Bisher kannte ich diese Stimmung nur von Vorträgen, als das einsame Gefühl, jetzt bald an der Reihe zu sein.


Foto: W. Held

Man ordnet die Gedanken, noch einmal. Habe ich alle Bücher, die Stichpunkte? Stecken die Zettel zwischen den richtigen Seiten? Es ist die freudige und gespannte, die erwartungsvolle und zögerliche innere Atmosphäre vor dem Auftritt. Jetzt erlebe ich erstmals diese Stimmung, die Weihnachtsvorabend und Tag vor der Fahrprüfung zugleich ist, erstmals kollektiv bei der Generalprobe zum ‹Faust›. Eine höhere Energie ist in jedem und jeder der Gruppe und ist zwischen allen. Es ist stiller auf den Gängen hinter der Bühne und doch meint man tausend Stimmen zu hören. Nichts Dingliches wird geschaffen und doch steht der Sinn außer Frage. Ein Lebensernst, sonst nur in Schicksalsfragen vertraut. Auf die ewige Frage, was Kunst ist und nicht ist, hier gibt es die wortlose Antwort.

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