Diese auf den ersten Blick ziemlich einfache Frage nach dem Umfang der Rudolf Steiner Gesamtausgabe erweist sich bei näherem Hinsehen als gar nicht so leicht zu beantworten.
Gewiss, bei der von der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung herausgegebenen Edition, die wir im Rudolf Steiner Archiv betreuen, handelt es sich mit rund 450 Bänden um die größte Werkausgabe der Geistesgeschichte. Leibniz, Goethe oder Marx und Engels können da nicht mithalten. Doch wie zählt man diese Bände nun? Naheliegend ist, dass man auf die GA-Nummern schaut. Hier ist GA 354 (‹Die Schöpfung der Welt und des Menschen›) der am höchsten nummerierte Band. Aber: Nicht jede Zahl von 1 bis 354 ist vergeben. Es gibt ordnungsbedingte Leernummern (etwa 50, 86, 241/242, 247–249) und vergriffene Titel – solche, die möglichst bald, und solche, die bewusst nicht wiederaufgelegt werden, da ihr Bestand inzwischen in andere Bände aufgenommen wurde. So werden etwa die ausgewählten Briefe (GA 38/39) durch die Edition sämtlicher Briefe (GA 38/1–6) abgelöst. Dieser Hinweis verrät zudem, dass manche Nummern mehrfach belegt sind, allein die Eins gleich siebenfach: GA 1 (‹Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften›), GA 1a–e (‹Goethes Naturwissenschaftliche Schriften›) und GA 1f (‹Editorische Nachworte zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften›). Dann gibt es Bände, die einst in (heute vergriffenen) Teilbänden, später als ein Band ediert worden sind, etwa die ‹Klassenstunden› der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (zuerst als GA 241a–c und GA 242, dann als GA 270/I–IV, zuletzt als GA 270). Und es gibt Doppelnummern in einem Band, etwa GA 47/48 (‹Aus Notizbüchern und Notizzetteln›). Nicht vergessen darf man freilich neben den GA-Nummern der Schriften und Vorträge die K-Nummern des künstlerischen Werks, darunter allein 30 Bände mit sämtlichen Wandtafelzeichnungen (GA K 58/1–30). Kurzum: Wie viele GA-Bände es gibt, hängt davon ab, wie man sie zählt. Jenseits des Zählens zählt, wie man sie liest.
Foto Rudolf Steiner Archiv

