Hast du die Sorge nie gekannt?

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So fragt die geheimnisvolle Gestalt am Ende des Dramas. Die Sorge trifft Faust als Hundertjährigen. Deren Schwestern, Mangel, Schuld und Not, vermag er auszusperren, aber nicht die Sorge. Als würde jemand aus der Überfülle heutigen Konsums sprechen, bekennt Faust: «Was nicht genügte, ließ ich fahren, Was mir entwischte, ließ ich ziehn.» Und die Sorge gibt die Diagnose, die zur allgemeinen Einsicht eines Konsumzeitalters gehört: «Er verhungert in der Fülle.» Wie in der Antike, wo der Blinde sehend wird, nimmt die Sorge Faust sein Augenlicht und langsam dämmert es ihm: «Die Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen, / Allein im Innern leuchtet helles Licht».


‹Faust› im Goetheanum Sommerfestspiel

Bild Links Faust (Torsten Blanke), rechts Sorge (Rafael Tavares), Foto: Laura Pfaehler

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