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Wer spricht in mir?

Elfmal verflucht Faust all das, was ihm einmal teuer war, aber was ihn nicht zum wirklichen Leben hat führen können.


In der Probe steht Mephisto still hinter dem sich um Kopf und Kragen redenden Faust. «Sprich leise mit, sprich so, als würdest du es sagen», ruft Andrea Pfaehler Markus Schönen, dem Darsteller des Mephisto, zu. Tatäschlich, es ist Mephisto, der hier mit Fausts Lippen spricht. So poltert Faust und fügt sich der teuflischen Eingebung. Bei den letzten drei Flüchen, die dem teuersten des Christentums dienen, dem Glauben, der Liebe und der Hoffnung, da tritt Mephisto zurück. Jetzt spricht Faust alleine, beherrscht schon des Bösen Einmaleins. «Der Teufel ist ein Egoist», raunt Faust, wenn sein dunkler Partner ihm die große Welt verspricht, und nennt ihn einen «armen Teufel», um doch den Pakt zu schließen. Hier klingt an, was Andrea Pfaehler als Grundton der Inszenierung ausgegeben hat: «Liebt das Böse gut.» Denn Faust versteht den Teufel als armen Teufel, Faust versteht ihn mit seinem Herzen. So kann der Geisterchor ihm über die ‹zerstörte schöne Welt› hörbar-unhörbar zurufen: «Bau sie wieder, in deinem Busen baue sie auf.» Wer spricht jetzt in Faust?


Foto: Wolfgang Held

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