Was meine ich mit Kindheit?

Was Kindheit ist, habe ich erst durch meinen kinderärztlichen Beruf erkannt. Diese unbändige Neugier und Lebensfreude, diese unschuldige Sicherheit des Daseins – dass dies in jedem Menschen unauslöschlich veranlagt ist, habe ich von den Kindern gelernt, die ich beobachten und untersuchen durfte.


Foto: Annie Spratt, Unsplash

Der Holocaustüberlebende Jacques Lusseyran charakterisiert in seiner Biografie seine Kindheit mit den Worten Vertrauen – Schutz – Wärme. Es braucht viel, um in der heutigen Zeit der Corona-Angst-Pandemie diese Qualitäten den Kindern vorleben zu können. Gelingt dies, so sind gerade diese drei die wichtigsten Schutzfaktoren, die einer ganzen Biografie mit ihren Höhen und Tiefen Kraft und Orientierung geben können. Im ersten Lebensjahr richten sich die Kinder auf und lernen, sich im Raum zu orientieren. Im zweiten Lebensjahr geschieht die Orientierung in der Zeit, erwacht der Sinn für Prozesse, entwickelt sich der Spracherwerb am Zuhören. Im dritten Lebensjahr geht das Bewusstsein bereits über Raum und Zeit hinaus ins Übersinnliche – in den Bereich des Denkens: Ich bin ich – das ist der erste selbstbewusste Gedanke, den jeder Mensch am Anfang seiner individuellen Bewusstseinsbiografie bildet. Und später liest man dann im Johannesevangelium die Worte: Ich bin der Weg (gehen lernen) und die Wahrheit (sprechen lernen) und das Leben (denken lernen). Es sind die Christuskräfte, die die frühe Kindheit mit Wärme, Schutz und Schicksalsvertrauen umgeben. Je mehr die Erwachsenen sich dieser Tatsache bewusst sind, umso gesünder können Kinder aufwachsen.

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