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Was meine Aufgabe ist

Es ist nicht meine Aufgabe, Religiöses zu lehren, noch auch ist es meine Aufgabe, Theologisches zu lehren. Meine Aufgabe ist nur, mystisch-theosophische Lehren auseinanderzusetzen.


Das könnte ich nicht, wenn ich nicht davon durchdrungen wäre – ebenso wie es bei Goethe war, wo er sagt, jetzt geht mir erst das Göttliche in diesen Kunstwerken auf, jetzt erst verstehe ich die uralten Mysterien –, wenn ich nicht so sehr überzeugt wäre, dass in einem bestimmten Momente etwas aufleuchtet, das es möglich macht, das Ewige, das Göttliche zu erkennen, so könnte ich nicht so sprechen.

Nichts wird dem Kunstwerk genommen, wenn wir mehr sehen als das, was wir mit unseren Augen und Ohren vernehmen. Nichts wird uns genommen, wenn wir die Evangelien nicht nur geschichtlich betrachten. Wenn wir aber das Tiefere haben wollen, das Göttliche, so müssen wir weit hinausgehen über das Geschichtliche. Wenn Goethe schon in den Kunstwerken, welche in der äußeren Sinneswelt waren, das Göttliche sieht, dann muss es auch eine Betrachtungsweise geben, welche das Göttliche auf einer höheren Stufe sieht, wo es sich als Leben in den initiierten Persönlichkeiten zum Ausdruck bringt. Es würde wie ein Wunder vor uns stehen, wenn wir es nicht begreifen könnten in dem ganzen notwendigen Zusammenhang, in dem ewigen Weltengang durch die verschiedenen Gliederungen, durch das Materielle hindurch bis wieder zurück zu dem Göttlichen.


Aus: GA 87, 16. Vortrag, Berlin 22. Februar 1902

Titelbild: Archivalien zur Herausgabe von ‹Antike Mysterien und Christentum› von Rudolf Steiner in Dornach im Rudolf-Steiner-Archiv.

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