Ich allein — Was mich auszeichnet

Ich allein — Was mich auszeichnet

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich erstmals gefragt wurde, was denn nun mein Alleinstellungsmerkmal sei. Ich weiß nur noch ganz genau, dass mich diese Frage wie aus heiterem Himmel traf, dass ich sie als sehr unangemessen, ja, indiskret empfand – und dass ich sie, indem ich sie falsch verstand, eigentlich richtig verstand.


Denn für mich war diese Frage eine Variante von: ‹Wer bist du?›, während mein Gegenüber mich bloß fragen wollte: ‹Wie verkaufst du dich am besten?›. So missverständlich, so lehrreich. Seither bin ich immer wieder in Situationen geraten, in denen es darum ging, das Alleinstellungsmerkmal einer Sache oder gar eines Menschen zu ermitteln. Und immer wieder beschlich mich dabei das gleiche Gefühl: dass nämlich diese an und für sich sehr gehaltvolle, wesentliche Frage bloß aus profanen Verkaufsgründen gestellt und von den so Bloßgestellten bloß mit allerlei Belanglosigkeiten beantwortet wird. Dabei ist doch sonnenklar: Ich allein bin mein Alleinstellungsmerkmal! Ergo: Wenn ich etwas tue, dann sollte ich nicht darüber nachdenken müssen, wie ich es irgendwie anders als die anderen machen könnte, allein damit ich mich irgendwie von ihnen unterscheide, sondern ich bin dann gefragt, ob ich tatsächlich jener bin und sein will, der tut, was er tut. Der erste Lehrsatz der Ich-Ökonomie lautet folglich: Ich allein stehe für mich ein; und ich bin darauf angewiesen, dass andere für sich einstehen. Denn: Wir ernähren uns künftig von Ich-Dienstleistungen, nicht von geschmacklosem Alleinstellungsmarketing. Wer für sich einsteht und sich selbst bestimmt, der erweitert die Freiheit um seine Person – und dient damit den anderen.

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Zuschrift ‹Die Enträumlichung der Welt›

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Inmitten von Fragilität und Intensität

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