Impfpass: Ein Weg in die Freiheit oder in die geschlossene Gesellschaft?

Organisierte, jedoch nutzlose Freiheitsberaubung? Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, wurden seit Frühjahr 2020 gesamtgesellschaftliche Zwangsmaßnahmen verhängt, die Grundrechte beschneiden, zum Beispiel durch Reglementierung der sozialen Kontakte, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Verbote, bestimmte Berufe auszuüben usw. Diese Maßnahmen bestehen bis heute, April 2021, in vielen Ländern in mehr oder weniger scharfer Form fort. Der Ausweg aus diesem Lockdown zurück zur Freiheit soll in einer Impfung der großen Mehrheit der Bevölkerung bestehen. Dieser Artikel argumentiert dafür, dass das ein Trugschluss ist.


Es geht nicht um einen Weg zurück zu Freiheit und Rechtsstaat, sondern um einen Weg hin zu einer ‹neuen Normalität›. Das ist ein Weg in eine geschlossene Gesellschaft, der irreführend als Ausweg in die Freiheit dargestellt wird. Tatsächlich handelt es sich um die Zementierung der Freiheitsberaubung – nur nicht mehr durchgesetzt durch die Gewalt von Lockdowns, sondern durch die süße Versuchung sozialer Zertifikate in Form von Impfpässen.

Rufen wir uns zunächst einige Fakten in Erinnerung. Pandemien wie die Ausbreitung des gegenwärtigen Coronavirus hat es häufig gegeben – zuletzt in Europa in ähnlicher Größenordnung bezogen auf die Bevölkerungsgröße die Asien-Grippe 1957 und die Hongkong-Grippe 1968/69. Bis zum Jahr 2019 war es Stand der Wissenschaft, dass man Pandemien einer solchen Größenordnung rein medizinisch bekämpft mit Fokus auf den Schutz der gefährdeten Personen und mit allgemeinen Hygieneempfehlungen wie Abstand halten, Hände waschen usw. Gesamtgesellschaftliche Zwangsmaßnahmen wie Lockdowns wurden zwar auch schon früher erwogen, aber als unvernünftig und unverantwortlich abgelehnt.

Im Frühjahr 2020 fand ein Strategiewechsel statt. Es wurde von den Regierungen auch der westlichen Demokratien entschieden, die Coronapandemie nach dem Vorbild Chinas mit politischen Zwangsmaßnahmen zu bekämpfen. Das Ziel war und ist, die gesamte Gesellschaft durch die Pandemie zu steuern mit einer politischen Reglementierung des sozialen Lebens bis hinein in den engen Familienkreis. Im Rahmen des normalen, demokratischen und rechtsstaatlichen Entscheidungsverfahrens lassen sich solche Maßnahmen nicht herbeiführen. Wissenschaft sollte daher zu ihrer Legitimation herhalten. Allerdings war es von Anfang an offensichtlich, dass die epidemiologischen Fakten nicht zur Begründung dieses Strategiewechsels dienen können. Denn diese Fakten liegen in derselben Größenordnung wie in den genannten früheren Pandemien.

Damit die Wissenschaft dennoch diese Legitimation leisten kann, wurde der Versuch unternommen, sie politisch zu steuern – durch ihre Organisationen wie Akademien wie zum Beispiel die Leopoldina, die deutsche nationale Akademie der Wissenschaften, und durch einzelne Wissenschaftler, die bereit waren, sich für diese politische Verwendung zur Verfügung zu stellen und sich in Politik und Medien als die Sprachrohre der Wissenschaft präsentieren zu lassen. Sie sollten suggerieren, dass die in der Wissenschaft übliche Debatte dieses Mal gar nicht stattfindet, weil sie nicht stattfinden darf, damit die Strategie der wissenschaftlichen Legitimation politischer Zwangsmaßnahmen aufgeht. Wenn man diese Debatte zugelassen hätte, wäre dieser Strategie der Boden entzogen worden. Denn Politikerinnen und Politiker können ja nicht entscheiden, welche Seite in einer wissenschaftlichen Debatte recht hat.

So wurden diejenigen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen diffamiert, welche die traditionelle, rein medizinische Vorgehensweise wie in früheren Pandemien vergleichbarer Größenordnung empfahlen, statt dass ihnen mit Argumenten begegnet wurde. Nun kann es selbstverständlich sein, dass es neue Erkenntnisse gibt und neue, bessere Handlungsmöglichkeiten und dass einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Fortschritt abwehren. Aber es kann nicht sein, dass jeder, sobald sie oder er den Wechsel von einer medizinischen zu einer politischen Strategie der Pandemiebekämpfung kritisiert, ihr oder sein wissenschaftliches Urteilsvermögen verloren hat. Das ist Diffamierung mit dem Ziel, politische Zwangsmaßnahmen wissenschaftlich legitimieren zu können. Man macht damit aus der Wissenschaft eine Art Staatsreligion, die nicht nur naturwissenschaftliches, sondern auch moralisch-normatives Wissen zur Lenkung der Bevölkerung hat und aus der abweichende Stimmen gleichsam als vermeintlich ketzerisch ausgeschlossen werden müssen, um diesen Anspruch aufrechterhalten zu können.

Inzwischen wissen wir jedoch, dass diejenigen, welche die traditionelle, rein medizinische Bekämpfung der Coronapandemie empfahlen, richtig lagen. Zahlreiche Studien weisen nach, dass politische Repressalien wie Lockdowns in den westlichen Demokratien keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Bekämpfung der Coronapandemie ergeben.1 Das kann man so veranschaulichen: Man legt Personen die relevanten Daten zum Infektionsgeschehen wie Krankenhauseinweisungen und Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung aus Ländern mit ähnlicher geografischer Lage und wirtschaftlicher Entwicklung über eine längere Zeitspanne hinweg vor. Anhand dieser Daten lässt sich nicht ersehen, welche dieser Länder scharfe politische Maßnahmen wie einen Lockdown mit der Anordnung, zu Hause zu bleiben, ergriffen haben und welche nicht.2 Ein Beispiel ist der Vergleich zwischen Deutschland und Schweden ab Mai 2020, nachdem Schweden die anfänglichen Versäumnisse im Schutz der Alters-und Pflegeheime in den Griff bekommen hatte: Zwischen Schweden ohne Lockdown und Deutschland mit Lockdown gibt es seit Mai 2020 keinen statistisch signifikanten Unterschied im Erfolg der Bekämpfung der Pandemie. Ein anderes Beispiel sind Bundesstaaten in den USA, wie etwa Florida und Kalifornien, die wegen ihres warmen Klimas und der Küstenlage vergleichbar sind. Seit September 2020 folgt der Gouverneur von Florida der Wissenschaft, nämlich derjenigen Wissenschaft, mit der Pandemien in vergleichbarer Größenordnung stets medizinisch erfolgreich bekämpft wurden. Florida steht trotz aller katastrophalen Prophezeiungen, wenn man dieser Wissenschaft folgt, in der Pandemiebekämpfung nicht schlechter da als Kalifornien, wo weiterhin politische Repressalien bestehen. Ähnliches gilt für South Dakota, das nie zu politischen Zwangsmaßnahmen griff, im Vergleich zu North Dakota.

Marie Boiseaubert ‹Algen und Flechten›, Tusche auf Papier, Skizzenbuch, 2015

Mehr noch: Man wusste von Anfang an und hat inzwischen die Bestätigung in Form zahlreicher Studien, dass die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden der sogenannten Corona-Schutzmaßnahmen deren Nutzen bei Weitem übersteigen werden. Berechnen tut man das mittels einer Abschätzung der Lebensjahre, die durch einen Lockdown gewonnen werden können, wenn dadurch vorzeitige Todesfälle vermieden werden, im Vergleich zu den Lebensjahren, die infolge der gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden, die Lockdowns anrichten, verloren gehen, weil Menschen wegen dieser Schäden früher sterben werden, als es ansonsten der Fall wäre. Diese Todesfälle treten natürlich erst in der Zukunft auf, und zwar weltweit und in sozial ungleich verteilter Weise: Sie betreffen in erster Linie unterprivilegierte soziale Schichten und sich entwickelnde Länder, vor allem durch die Rückschritte in der Gesundheitsversorgung und Armutsbekämpfung in diesen Ländern. Natürlich lassen sich diese Zahlen nicht exakt abschätzen, aber ihre Größenordnung ist eindeutig: Die Schäden an verloren gehenden Lebensjahren übertreffen die möglicherweise gewonnenen Lebensjahre um ein Vielfaches.3

Die neue Normalität der geschlossenen Gesellschaft

Es ist an der Zeit, diese Fehler anzuerkennen und sicherzustellen, dass sich politische Repressalien, wie wir sie seit Frühjahr 2020 erlebt haben, nicht wiederholen – beispielsweise durch einen Verfassungsartikel, der Lockdowns und ähnliche Maßnahmen verbietet, weil sie unvereinbar mit Menschenwürde, Grundrechten und dem Rechtsstaat sind. Stattdessen wird uns ein Ausweg aus dem Engpass der organisierten Freiheitsberaubung suggeriert, der in der Impfung mehr oder weniger der gesamten Bevölkerung bestehen soll. Impfzertifikate sollen dann der Ausweis sein, durch den man sich Menschenwürde und grundlegende Freiheitsrechte erwirbt.

Es ist eine hervorragende Leistung medizinischer Forschung, in so kurzer Zeit einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt zu haben. Es gibt Risikogruppen, für die eine Infektion mit dem Coronavirus lebensgefährlich ist und für die eine Impfung daher Lebensjahre retten kann. Aber kein Staat hat das Recht, Impfungen anzuordnen. Eine Impfung ist ein körperlicher Eingriff. Menschenwürde, Grundrechte und Rechtsstaat gebieten es, dass jeder selbst über eine Impfung entscheiden darf, in einer persönlichen Abwägung der Nutzen und Risiken. Niemand – kein Staat, keine Wissenschaft, keine gesellschaftliche Gruppe – hat ein moralisches Wissen oder ist eine moralische Autorität, die Impfungen gebieten könnte. Auch Menschen, die statistisch zur Risikogruppe gehören, haben das Recht, mögliche Nebenwirkungen eines Impfstoffes in Betracht zu ziehen und auf die Impfung zu verzichten, zum Beispiel, weil sie die verbleibende Lebenszeit ohne etwaige Nebenwirkungen einer Impfung verbringen möchten. Statistisch gesehen liegt für alle unter 70 Jahren das Risiko, infolge einer Infektion mit dem Coronavirus schwere gesundheitliche Schäden zu erleiden, im Bereich alltäglich akzeptierter Risiken (wie zum Beispiel regelmäßiger längerer Autofahrten). Für diese Personen gibt es statistisch gesehen keine medizinische Grundlage, eine Impfung zu empfehlen. Aber auch hier soll jedem, der es wünscht, die Möglichkeit einer Impfung gegeben werden.

Man wusste von Anfang an und hat die Bestätigung durch zahlreiche Studien, dass die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden der sogenannten Corona-Schutzmaßnahmen deren Nutzen bei Weitem übersteigen werden.

Ferner ist es berechtigt zu verlangen, dass Personen, die in Kontakt mit gefährdeten Personen sind, in Situationen, in denen diese sich nicht selbst schützen können – wie in Alters- und Pflegeheimen –, im Rahmen des medizinisch Möglichen nachweisen müssen, dass sie diese Personen nicht in Gefahr bringen. Aber die skandalös hohe Zahl der Corona-Toten in Alters- und Pflegeheimen zeigt eben auch, dass der Versuch, die gesamte Gesellschaft mittels Reglementierung des sozialen Lebens durch die Pandemie zu steuern, einen gezielten Schutz der Risikogruppen unterminiert. Die politische Reglementierung des sozialen Lebens aller wird geradezu zur Entschuldigung, sich nicht gezielt um den Schutz der gefährdeten Personen kümmern zu müssen, mit fatalen Folgen für diese. Der angebliche Ausweg zurück zur Freiheit durch Impfungen ist deshalb so gefährlich, weil er einen wiederholbaren Präzedenzfall schafft, Freiheit an Bedingungen zu knüpfen. Coronaviren werden uns erhalten bleiben, ähnlich wie Grippeviren. Soll dann eine jährliche Impfung stattfinden? Ferner stehen andere Krisen vor der Tür, wie die Klimakrise. Sollen diese Krisen in ähnlicher Weise wie die Coronakrise bekämpft werden mit Aussetzen von Grundrechten, die man dann unter der Bedingung des Erwerbs eines Nachhaltigkeitspasses zurückerhält?

Man spielt hier im Namen angeblicher Solidarität ein Problem aus, das unsere freiheitliche Rechtsordnung ins Mark trifft, nämlich das Problem negativer Externalitäten. Damit ist Folgendes gemeint: Die Freiheit des einen endet dort, wo sie die Freiheit anderer bedroht. Handlungen des einen einschließlich der Verträge, die er eingeht, haben Auswirkungen auf Dritte, die außerhalb dieser Beziehungen stehen, deren Freiheit zur Gestaltung ihres Lebens aber durch diese Handlungen beeinträchtigt werden kann. Die Grenze, jenseits der die freie Lebensgestaltung des einen der freien Lebensgestaltung anderer einen Schaden zufügt, ist nicht von vornherein festgelegt. Man kann sie weit oder eng fassen. In der Corona-Krise – und auch in der Klimakrise – versuchen Verantwortliche in Politik, Wissenschaft und Medien mittels geschürter Angst diese Grenze so eng zu fassen, dass de facto kein Spielraum mehr für die freie Lebensgestaltung bleibt: Jede freie Lebensgestaltung des einen kann so ausgelegt werden, dass mit ihr negative Externalitäten einhergehen, die potenziell eine Bedrohung für die freie Lebensgestaltung anderer darstellen.

Marie Boiseaubert ‹Algen und Flechten›, Tusche auf Papier, Skizzenbuch, 2015

Es wird Angst geschürt vor der Ausbreitung einer angeblichen Jahrhundertseuche – aber natürlich kann jede Form physischen Kontaktes zur Ausbreitung des Coronavirus (ebenso wie anderer Viren und Bakterien) beitragen. Es wird Angst geschürt vor einer drohenden Klimakatastrophe – aber natürlich hat jede Handlung Auswirkungen auf die nicht menschliche Umwelt und kann dadurch zur Veränderung des Klimas beitragen. Das Ziel ist, Akzeptanz für Folgendes zu erlangen: Jeder soll nachweisen, dass er mit seinem Handeln nicht unabsichtlich zur Ausbreitung eines Virus oder zur Schädigung des Klimas beiträgt usw. – die Liste könnte man beliebig erweitern. Man stellt damit alle Menschen unter Generalverdacht, letztlich mit allem, was sie tun, andere zu schädigen. Folglich kehrt man die Beweislast um: Es muss nicht der konkrete Nachweis geführt werden, dass jemand mit bestimmten seiner Handlungen andere schädigt. Vielmehr muss jeder nachweisen, dass er andere nicht schädigt. Dementsprechend können sich die Menschen von diesem Generalverdacht nur dadurch befreien, dass sie ein Zertifikat erwerben, durch das sie sich reinwaschen – wie einen Impfpass, einen Nachhaltigkeitspass oder generell einen sozialen Pass. Das ist eine Art moderner Ablasshandel. Damit ist Freiheit abgeschafft und ein neuer Totalitarismus installiert; denn die Ausübung von Freiheit und die Gewährleistung von Grundrechten hängt dann von einer Genehmigung ab, die eine Elite von Expertinnen und Experten erteilt – oder eben verweigert.

Diese Elite von Expertinnen und Experten hat jedoch kein Wissen, das sie in die Position versetzen würde, solche Bedingungen ohne Willkür festzusetzen. Das wird uns in der Corona-Krise vor Augen geführt angesichts der gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden, welche die sogenannten Corona-Schutzmaßnahmen anrichten. Es geht auch nicht um Solidarität mit den gefährdeten Personen. Denn deren gezielter Schutz wird durch die politische Reglementierung des gesamten sozialen Lebens ja geradezu verhindert. Es geht um soziale Kontrolle der Lebensgestaltung aller.

Ähnliches ist bei dem politischen Umgang mit der Klimakrise zu befürchten. Die mit der Industrialisierung korrelierte Erderwärmung ist eine ernsthafte Herausforderung. Nichtsdestoweniger zeigt uns der Umgang mit Klimaveränderungen in der Geschichte, wie die Menschheit diese bisher durch spontane Anpassung zusammen mit technologischen Innovationen gemeistert hat. Die politische Steuerung von Wirtschaft und Gesellschaft, die sich wiederum über Menschenwürde und Grundrechte hinwegsetzt und die mit ziemlich willkürlichen, politisch beeinflussten Definitionen dessen operiert, was jeweils nachhaltig sein soll, führt nicht zum Ziel. Die Fakten zeigen schon jetzt, dass der CO2-Ausstoß in Industrieländern ohne Energiewende (wie Frankreich, Großbrittanien, USA) in den letzten 20 Jahren prozentual in gleicher Größenordnung zurückgegangen ist wie in Ländern, die mit enormem finanziellem Aufwand eine Energiewende betrieben haben (Deutschland).

Marie Boiseaubert ‹Algen und Flechten›, Tusche auf Papier, Skizzenbuch, 2015

Es ist wiederum zu befürchten, dass die politische Lenkung zur angeblichen Rettung des Weltklimas eine gezielte, je lokale Bekämpfung derjenigen konkreten Umweltprobleme verhindert, die tatsächlich in der Gegenwart jedes Jahr eine Vielzahl von Todesopfern fordern. Wiederum geht es um soziale Kontrolle, wie man zum Beispiel am Umgang mit denjenigen Aktivitäten sieht, die nicht unter das staatlich verordnete Nachhaltigkeitsschema fallen. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die Verunglimpfung der gesamten anthroposophischen Bewegung in einem Artikel der anerkannten Zeitung ‹The Guardian› vom 10. Januar 2021 (die in anderen Zusammenhängen wertvolle und aufklärende journalistische Arbeit leistet).4 Es ist kein Zufall, dass es weitgehend dieselbe Expertise-Gruppe und ihre Organisationen wie Akademien im Verbund mit einigen aus Politik und Wirtschaft sind, welche Corona-Krise und Klimakrise zum Anlass nehmen, eine politische Steuerung des sozialen Lebens vorzunehmen. Die Ausbreitung des Coronavirus soll offenbar als Generalprobe für Folgendes herhalten: durch das gezielte Schüren von Angst negative Externalitäten so umfassend zu definieren, dass jede Freiheitsausübung unter Generalverdacht steht, um dann eine Kontrolle der Freiheit durch von angeblichen Expertinnen und Experten formulierte Bedingungen durchsetzen zu können.

Wieso geschieht das? Für viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und Intellektuelle ist es offenbar schwer einzugestehen, kein normatives Wissen zu haben, das die Steuerung der Gesellschaft ermöglicht. Für Politikerinnen und Politiker ist es wenig attraktiv, das Leben der Menschen seinen Gang gehen zu lassen. Da kommt die Gelegenheit recht, altbekannte, aber in neuer Form auftretende Herausforderungen zu existenziellen Krisen hochzureden und Angst zu schüren mit pseudowissenschaftlichen Modellrechnungen, die in Katastrophenprognosen münden. Dann können Wissenschaftler sich mit politischen Forderungen ins Rampenlicht stellen, denen durch den angeblichen Notstand keine rechtsstaatlichen Grenzen gesetzt sind. Die Politik kann durch wissenschaftliche Legitimation eine Macht erhalten, in das Leben der Menschen einzugreifen, die sie auf demokratischem, rechtsstaatlichem Wege nie erlangen könnten. Bereitwillig hinzu gesellen sich diejenigen wirtschaftlichen Akteure, die von dieser Politik profitieren und die Risiken ihrer Unternehmen auf die Steuerzahlenden abwälzen können. Dahinter steht allerdings keine gezielte Planung oder gar eine ‹Verschwörung›. Es ist ein Trend, der sich aus kontingenten Umständen gebildet hat und der dann immer mehr gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure mit sich reißt – sei es aus aufrichtiger Überzeugung, aus Machtwillen oder aus Profitinteressen.

Die anstehende Weichenstellung

Wie nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, stehen wir heute erneut vor einer Weichenstellung zwischen einer offenen und einer geschlossenen Gesellschaft. Die offene Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie jeden Menschen als Person anerkennt: Die Person hat eine unveräußerliche Würde. Sie hat die Freiheit, ihr Leben nach eigenem Ermessen zu gestalten, ebenso wie die Verantwortung, für ihr Handeln auf Verlangen Rechenschaft abzulegen. Freiheit ist die Condition humaine. Wenn wir denken und handeln, sind wir frei. Das ist deshalb so, weil man für Gedanken und Handlungen – und nur für diese – Gründe und damit Rechtfertigungen verlangen kann. Für Verhalten, das eine Reaktion auf biologische Reize und Begierden ist, ergibt es hingegen keinen Sinn, Gründe zu verlangen. Frei sind wir, weil die Spezies Mensch sich in der Evolution von dem Zwang befreit hat, einer bloßen Reaktion auf Reize unterworfen zu sein.

Wir stehen heute vor einer Weichenstellung zwischen einer offenen und einer geschlossenen Gesellschaft. Die offene erkennt jeden Menschen in seiner Würde an.

Aus dieser Freiheit ergeben sich Grundrechte. Das sind Rechte der Abwehr gegen äußere Eingriffe in die eigene Urteilsbildung darüber, wie man sein Leben gestalten will. In der Philosophie werden diese Grundrechte so gedacht, dass sie mit der Existenz von Personen gegeben sind, also nicht vom positiven Recht eines Staates und kontingenten historischen Umständen abhängen. So zum Beispiel im Naturrecht seit der Antike; in der Aufklärung, die universelle Menschenrechte politisch einforderte, die für alle Menschen in gleicher Weise gelten und unter anderem zur Abschaffung der Sklaverei führten; bei Kant, dessen kategorischer Imperativ fordert, Menschen stets als Zweck an sich selbst und nie nur als Mittel zu einem Zweck zu behandeln; im 20. Jahrhundert unter anderem auch in der Diskursethik von Karl-Otto Apel oder der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls. Der Staat ist ein Rechtsstaat, der diese Rechte schützt; er lenkt die Gesellschaft nicht, sondern lässt den Menschen freien Lauf, ihre sozialen Beziehungen zu gestalten.

Die geschlossene Gesellschaft zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass sie ein bestimmtes Gut – wie heute Gesundheitsschutz oder Klimaschutz – in dem Sinne absolut setzt, dass sie es über Grundrechte und Menschenwürde stellt. Die Gewährung von Grundrechten und der Respekt der Menschenwürde zur individuellen Lebensgestaltung werden von Bedingungen abhängig gemacht, die eine Allianz von Experten, Politikerinnen und Wirtschaftsführern zusammen mit den Mainstreammedien festsetzt als angeblich erforderlich, um dieses Gut zu schützen. Der Zugang zum gesellschaftlichen Leben wird durch diese Bedingungen reglementiert und in einem Impfpass, einem Nachhaltigkeitspass oder generell einem sozialen Pass zertifiziert. Das ist ein Totalitarismus: Das gesamte gesellschaftliche Leben bis hin zur familiären und individuellen Lebensgestaltung wird durch diese Elite im Verbund mit den Leitmedien gesteuert.

Es zeichnet sich jedoch schon heute wieder das altbekannte Resultat ab: Wenn man Wert X – hier Gesundheitsschutz oder Klimaschutz – über Menschenwürde und Grundrechte setzt, dann zerstört man nicht nur diese, sondern erzielt im Endeffekt auch ein schlechtes Resultat in Bezug auf X. In diesem Falle sind das gravierende negative Effekte für den Gesundheitsschutz, für die gesamte Bevölkerung und weltweit betrachtet infolge der verheerenden Schäden, welche die sogenannten Corona-Schutzmaßnahmen anrichten; ebenso die Vergeudung immenser Summen in fehlgesteuerte Energiewenden zur angeblichen Rettung des Weltklimas, welche den gezielten, lokalen Umweltschutz unterminieren.

Es ist höchste Zeit, dass wir uns der Weichenstellung bewusst werden, vor der wir stehen. Dazu ist ein nüchterner Blick erforderlich, der sich nicht von den Ängsten trüben lässt, welche die heutigen Gegner und Gegnerinnen der offenen Gesellschaft in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien schüren, nämlich den Blick und das Vertrauen darauf, was jeden Einzelnen von uns als vernunftbegabtes Lebewesen auszeichnet: die Würde der Person, die in ihrer Freiheit im Denken und Handeln besteht.

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Fußnoten

  1. Studien zusammengefasst in Eran Bendavid et al., Assessing mandatory stay-at-home and business closure effects on the spread of COVID-19. In: European Journal of Clinical Investigation 51 (2021), e 13484. Siehe auch die Übersicht über die relevanten Studien des American Institute of Economic Research, Lockdowns do not control the coronavirus: the evidence (abgerufen 20. Dezember 2020). Siehe ferner Christian Bjørnskov, Did lockdown work? An economist’s cross-country comparison. In: CESifo Economic Studies, 29. März 2021, 1–14, DOI: 10.1093/cesifo/ifab003. Für eine Kritik der Lockdownpolitik in Deutschland siehe Christoph Lütge und Michael Esfeld, Und die Freiheit? Wie die Corona-Politik und der Missbrauch der Wissenschaft unsere offene Gesellschaft bedrohen. München, Riva 2021.
  2. Vgl. R. F. Savaris et al., Stay-at-home policy is a case of exception fallacy: an internet-based ecological study. In: Nature Scientific Reports 11, 2021, Artikel Nr. 5313.
  3. Siehe zum Beispiel für Deutschland Bernd Raffelhüschen, Verhältnismäßigkeit in der Pandemie: Geht das? In: WiSt. Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Juli 2020; für die Schweiz Konstantin Beck und Werner Widmer, Corona in der Schweiz. Plädoyer für eine evidenzbasierte Pandemie-Politik. (abgerufen 16. Dezember 2020) ISBN 978-3-033-08275-5, ; für das Vereinigte Königreich David K. Miles, Michael Stedman und Adrian H. Heald, «Stay at home, protect the National Health Service, safe lives»: a cost benefit analysis of the lockdown in the United Kingdom. In: International Journal of Clinical Practice 75.3, 2020, DOI: 10.1111/ijcp.13674. Siehe auch den Oxfam-Bericht, The hunger virus: how COVID-19 is fuelling hunger in a hungry world, 9. Juli 2020, herunterzuladen auf oxfam.de/presse.
  4. Ginger root and meteorite dust: the Steiner ‘Covid cures’ offered in Germany
  1. Die Analyse von Herrn Elsfeld empfinde ich als wenig konkret. Was folgt daraus? Soll der Staat aufhören darauf zu achten, daß z.B. Geschwindigkeitsbegrenzungen überschritten werden? Darf ich andere schädigen, z.B. auch wenn ich infektiös bin, es aber möglicherweise gar nicht weiß? Das sind doch die konkreten Fragen in diesem Zusammenhang. Wo hört denn die Verantwortung des Staates auf und wo erwarten wir geradezu, daß er sich um das Wohl der Gemeinschaft, möglicherweise durch Einschränkung des Wohls des Einzelnen kümmert. Und schließlich: Wie könnte man das dann in einer Pandemie unter Berücksichtigung politisch korrekt organisieren ohne die Grundrechte zu verletzen oder einzuschränken? Es wäre wirklich hilfreich, wenn diese und andere Fragen, vielleicht auch nur ansatzweise, in diesem Artikel besprochen würden. Ansonsten bleibt der Eindruck einer theoretischen und nicht wirklich an den gesellschaftlichen Bedingungen ausgerichteten Kritik.

  2. Endlich einen breitgefächerten Kommentar – habe aufgeatmet, so gut tut es sich der Wahrheit zu nähern- freue mich jede Woche auf „mein goetheanum“ Gruß GSNowatzki

  3. Vielen Dank für diesen Beitrag Herr Esfeld! Und wie unendlich schade, dass man solche Aufklärungen, die unsere Gesellschaft dringend lesen sollte, sonst nirgends veröffentlicht.

    1. Sehr einseitige Darstellung und ignoriert teilweise Fakten bzw. sie werden nicht umfassend dargestellt.
      Schweden befindet sich demgegenüber mit einer knapp 40 Prozent höheren Pro-Kopf-Covid-Sterblichkeit als Deutschland in der Nachbarschaft von Norwegen, mit dem das Land eine lange Grenze teilt. In Norwegen verstarben an Covid-19 758 Menschen, in Schweden 14 000. Die Bevölkerungszahl der beiden Länder unterscheidet sich um den Faktor 2, die Zahl der Toten um den Faktor 20. Das Nachbarland Finnland mit etwas mehr als der Hälfte der Bevölkerungszahl Schwedens hat 914 Covid-Todesfälle zu beklagen. Hier wird deutlich, dass ein genauerer Blick erforderlich ist, um zu einem wirklichkeitsgesättigten Urteil zu kommen. Stimmt es im Übrigen, dass Schweden «keinen Lockdown» hat? Öffentliche Veranstaltungen sind seit Beginn der Pandemie stark eingeschränkt (Konzerte, Vortragsveranstaltungen). Am 15. März 2021 war zu lesen, dass mit Ausnahme von Bestattungen in Schweden die Anzahl von Besuchenden an öffentlichen Veranstaltungen auf acht Teilnehmende beschränkt war. Sicher hat Schweden etwa im Schulbereich manches besser gemacht als Deutschland, aber es kann keine Rede davon sein, dass es in Schweden nicht empfindliche Einschränkungen gerade im Kulturleben gäbe.
      (Soldner)

  4. Der Start hat die Pflicht seine Bürger vor Gefahren zu schützen. Das betrifft nicht nur militärische Schutzmaßnahmen.
    Es ist mir deswegen unverständlich dass vorübergehende Maßnahmen zum Schutze großer Teile von Bevölkerungen nicht anerkannt werden beziehungsweise die Schutzbedürftigkeit bagatellisiert wird. Spätschäden von COVID-19 werden hier mit keiner Silbe erwähnt. Nach jetzigen noch nicht abgeschlossenen Schätzungen betrifft dies etwa 10 % der Infizierten. Dies wären in Zahlen zum jetzigen Zeitpunkt circa 35.000 Betroffene.

    1. Spätschäden von Covid19 sind das eine. Sie sagen bis jetzt ca. 35’000 Betroffene. Da Sie dies aufführen, gestatten Sie, die jetzt bereits vorhandenen und sich unweigerlich zu SEHR lang andauernden Spätschäden auswachsenden negativen Folgen der polititschen Antipandemiemassnahmen daneben zu stellen. Es sind, weltweit zusammengerechnet, Milliarden Menschen davon betroffen: lockdownbedingte Suizide, familiär, seelisch, gesundheitlich, allgemein sozial, wirtschaftlich, allgemein gesellschaftlich, in Bezug auf den persönlichen Ruf, entwicklungsgeschädigte, traumatisierte und bildungsvernachlässigte Kinder. Longcovid lässt sich in ein paar Monaten bis Jahren überwinden, sofern man nicht nur auf schulmed. Massnahmen setzt und neben den med. Massnahmen auch seelische Hygiene und wahrheitsgetreues Denken und Urteilen übt. Die gesellschaftlichen Schäden im allerweitesten Sinn werden die Menschheit noch mehrere Generationen lang belasten.

      In Wirklichkeit ist es zutiefst unethisch, diese Art von Vergleichen anzustellen und Gesundheit, Klima, Freiheit und Menschenwürde gegeneinander abzuwägen, als wären das Wirtschaftsgüter und Unternehmensplanungen. Die Menschheit ist kein Wirtschaftsunternehmen oder Allroundstaat, die von einigen wenigen geplant und geführt werden müssten. Wir sind so viele Individualitäten, die sich entwickeln sollen und MITEINANDER das Leben gestalten sollen. Es war schon immer falsch, an die Stelle von Ausbildung, Menschenbildung, Herzensbildung, gesund erworbener selbständiger Urteilskraft, vielseitigem Weltinteresse, eigenständigem Engagement und durch Erkenntnisfähigkeit geschultem Verantwortungsbewusstsein Verbote, Drangsalierungen, Manipulationen, Gehirnwäschen und von oben herab diktierte Zwangsglücksbeplanungen zu setzen, wie die Geschichte nun wirklich schon tausende Mal gezeigt hat. Wer letzteres meint tun zu müssen, nachdem er ersters versäumt hat, kann ausschliesslich bewirken, dass das Ergebnis katastrophal wird. Ist es wirklich nötig, das NOCH EINMAL zu wiederholen???

      Es ist übrigens nicht statthaft, das Kind mit dem Bade auszuschütten, indem Sie z.B. die sinnvollen Verkehrsregelungen, die uns in unserem GEMEINSAM zu gestaltenden sozialen Miteinander unterstützen und Dummheit und Rücksichtslosigkeit eindämmen ohne die eigentliche Freiheit zu beschneiden, mit dem politisch gesteuerten wissenschaftlichen Meinungsdiktat der Coronakrise vergleichen. Die Menschen können und werden nicht gesünder, vernünftiger, sozialer, weiser, achtsamer und gesundheitlich widerstandsfähiger werden, wenn sie weiterhin, wie bisher, rundum vergiftet werden: durch Luft, Wasser, Nahrung, Lügen, Manipulationen, schlechte Schulen, gesellschaftliche Polarisierung, Fanatismus, Totalitarismus und Diktatur.

      Der Staat muss nicht die Gefährdeten und Schwachen schützen, denn „der Staat“ ist niemand, der irgendwie handeln könnte. Er ist eine Institution, die von Menschen gestaltet werden muss. Die Menschen, die sich zu einem Staat zusammengeschlossen haben, müssen dafür sorgen, dass die Verhältnisse so geregelt werden, dass die Gefährdeten und Schwachen geschützt werden können,OHNE dass ALLE anderen darunter zu leiden haben. Bei alldem haben wir zu bedenken: Leben ohne Leid gibt es nicht, das zeigt die tägliche Lebenspraxis. Anstatt des sinnlosen Unterfangens, Leid ausmerzen zu wollen, ist es angesagt, die Kräfte zu erlangen, die wir brauchen, um mit Leid umzugehen. Leben ohne Sterben gibt es nicht, am Ende jeden Lebens steht der Tod. Anstatt alles zu unternehmen, um ihn zu verhindern, auszugrenzen, zu verteufeln, mit Panik und Forderungen zu besetzen, anstatt die Angst vor dem Tod zu schüren, ist es angesagt zu lernen, wie wir mit dem Tod herzlich und annehmend umgehen können, wie wir das Sterben sinnvoll und vertrauend gestalten können.

      Achtung vor dem Leben heilt die Angst vor dem Tod. Wie sehr wird das Leben geachtet, wenn es aus Angst vor dem Tod zerstört wird. Denn das ist es, was derzeit passiert.

      1. Leider nutzen Sie die falsche Vergleichsgröße für Ihre Argumentation. Nicht die 35.000 LongCovid Fälle sind die Vergleichsgröße zu den von Ihnen aufgeführten negativen Folgen der Coronamaßnahmen, sondern die Anzahl der Long Covid Fälle und Toten, die zu beklagen gewesen wären, hätte es keine Maßnahmen gegeben. Außerdem vernachlässigen Sie dabei, dass es in einer alternativen Welt ohne Maßnahmen noch weitaus mehr „…Suizide, familiär, seelisch, gesundheitlich, allgemein sozial, wirtschaftlich, allgemein gesellschaftlich, in Bezug auf den persönlichen Ruf, entwicklungsgeschädigte, traumatisierte und bildungsvernachlässigte Kinder.“ gegeben hätte. Ich behaupte mal ganz kühn, eine schwere Erkrankung der Eltern oder Großeltern oder sogar deren Tod, sind noch weitaus schwerer zu verkraften als die Folgen des Lockdown.

        Und zur Achtung vor dem Leben. Sich temporär einzuschränken um anderen und sich selber ein längeres und gesünderes Leben zu ermöglichen, das bedeutet Achtung vor dem Leben zu haben.

      2. „achtung vor dem leben heilt die angst vor dem tod“
        dieses satz ist ein geschenk! er bringt das gesamte dilemma unserer gesellschaft zum ausdruck und fasst meine tausend gedanken dazu in zehn einfache worte. wenn wir menschen „carpe diem“ leben würden, könnten wir getrost abtreten mit dem guten gefühl, unsere lebenszeit – wie lag sie uns auch gegeben ist- gefüllt zu haben. VIELEN DANK

  5. Nun wissen wir also mit akademischer Autorität, dass die politischen Bemühungen zum Klimaschutz und der Gesundheit der Menschen gefährlich und unnötig sind. Die Menschen tun auch ohne all das letztlich von sich aus das Richtige.

    Ich frage mich allerdings noch, ob die Lebenswirklichkeit auch schon einen Bezug zu der Gedankenwelt von Herrn Esfeld gefunden hat.

  6. Auha, wie kommt ein solcher Artikel ins Goetheanum?

    Die Qualität der Artikel, die durch die Ärzte der Medizinischen Sektion, gegeben worden sind, wird hier geradezu unterlaufen.

    Ziemlich schrecklich das hier zu lesen, was man auch sonst im Netz auf sehr „bestimmten“ Seiten finden muss.

    Apropos Netz……..unter PLURV findet man Interessantes……..sehr schön an dem Artikel des Philosophie (!) Professors auszuprobieren……

    1. Das finde ich auch! Ich frage mich, was die Verantwortung einer Zeitschrift für die in ihr publizierten Inhalte ist. Hätte dieser Artikel überhaupt veröffentlich werden sollen? Wird mit dem Artikel dem Anliegen der Anthroposophie Ausdruck verschafft. Ich meine nein!
      Freiheit darf doch nicht mit Rücksichtslosigkeit verwechselt werden.Wenn solche Artikel, wie die von Herrn Elsfeld in dieser Zeitschrift veröffentlicht werden, könnte man annehmen, daß hiermit etwas aus dem Herzen der Anthroposophie kundgetan wird. Da ich nun seit ca.40 Jahren Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft bin,empfinde ich Scham und Unverständnis gegenüber der Veröffentlichung. Er wird das Ansehen der Anthroposophie in der wissenschaftlich und kulturell aufgeklärten Welt verschlechtern!

      1. Ganz einfach, Herr Knost: Der Artikel hätte veröffentlicht werden sollen und wurde veröffentlicht, weil er einfach einer anderen Position Ausdruck verleiht – und dies auf sachliche Weise tut. Man muss dem Autor in seinen Schlussfolgerungen nicht zustimmen. Warum Sie gleich »Scham und Unverständnis« empfinden, nur weil jemand eine andere Sicht auf die Pandemie hat, verstehe ich beim beten Willen nicht.
        Der gesteigerte Gebrauch von Superlativen angesichts der Selbstverständlichkeit des Geschehens, dass in einer Zeitschrift unterschiedliche Positionen zum Ausdruck kommt, zeigt mir, wie sehr sich sich auch Anthroposophen von einer Hysterie der Cancel Culture mitreißen lassen – und wie sehr einige Anthroposophen darauf schielen, sich ja nicht mit der »öffentlichen Meinung« anzulegen. DAS finde ich erschreckend.

  7. Endlich – auf so einen Artikel habe ich lange gewartet! Es ist wichtig, die Gesellschaftlichen folgen zu Diskutieren! DANKE!

  8. Ich danke dem Goetheanum für diesen Artikel. Ich gratuliere dem Autor für den Mut die Tatsachen so klar zu berichten. Er hat genau dargestellt worum es eigentlich geht. Wieder hat man leider die Mehrheit der Menschen die überhaupt nicht sieht, dass sie ihrer Freiheit mehr und mehr beraubt werden, und dass die Demokratie vorbei ist.

  9. Die Kommentare zu diesem Essay sprechen die Sprache der Spaltung, die unsere anthroposophische Bewegung so sehr prägt in diesen Tagen… Gefallen oder Nichtgefallen ist aber eher nicht das Thema, oder?
    Konkret möchte ich nur drei Anmerkungen machen, bei denen sich mir Fragen aufdrängen:
    1. All die schönen Gedanken, die sich da aneinander reihen, beruhen doch letztlich auf der ersten Annahme, die als „geklärt“ dargestellt wird, was sie mitnichten ist — oder wenn, dann in der anderen Richtung: Michael Esfeld geht als Prämisse davon aus, dass die Covid19 Pandemie vergleichbar den vergangenen Grippe-Pandemien und daher auch ähnlich zu behandeln gewesen wäre. Leider ist Covid19 aber doch nach herrschender medizinischer Meinung ziemlich anders, früher und sehr viel stärker ansteckend, etwa 5x so viele tödliche und auch um ein Vielfaches häufiger schwere und lange Verläufe.
    Wenn das aber so ist, dann ist leider vieles, was daraus gefolgert wird, eher hinfällig… Ich fürchte, dass Esfeld komplett auf Sand gebaut hat, wenn Covid19 anders ist als die Grippe. Einfach Laufenlassen würde schnell zu einer Überlastung des Gesundheitssysems führen… Siehe dazu auch Christain Schikarski in „Anthroposophie/Vierteljahresschrift zur Arbeit der AG in Deutschland“, Ostern 2021.
    2. Der kleine Hinweis auf „Schweden ohne Lockdown“ und „Deutschland mit Lockdown“ ist leider ebenso verallgemeinernd wie falsch, aber in der entsprechenden Szene häufig wiederholt. Weder gab es in Schweden keinerlei Maßnahmen (Schulen und Oberstufen waren geschlossen, Menschen über 70 eingesperrt, Großveranstaltungen abgesagt usw….) noch sind die deutschen Maßnahmen ein echter Lockdown, aber das nur so am Rande. Jedenfalls gab es sowohl bei Todeszahlen als auch bei Hospitalisierungen sehr wesentliche Unterschiede, mehr noch zwischen Schweden und den anderen nordischen Ländern. Was sagt das über die Wissenschaftlichkeit des Artikels aus, dass das einfach so behauptet wird, obwohl es eine ziemlich komplizierte Angelegenheit ist, deren Kurzfassung die entsprechende Aussage nicht rechtfertigen kann?
    3. Die Diktion befremdet mich doch allgemein ziemlich. Es „fand ein Strategiewechsel statt“ bei allen westlichen Regierungen… Wer hat das bloß angezettelt? Und warum machen alle mit, egal welcher politischen Couleur, außer vielleicht den Autokraten? „Es wurde der Versuch unternommen sie (die Pandemie) politisch zu steuern“… Von wem? Da sind sie wieder, die finsteren Mächte auf Erden… Ich gehe mal davon aus, dass die Widersacher-Mächte in den geistigen Welten hier nicht gemeint sind, da Michael Esfeld an sich keine anthroposophischen Ambitionen hat. Es geht um irdische Verschwörungen… Nicht ohne Grund wird er inzwischen gerade wegen dieses „Vermutungs- und Verdächtigungsstils“, der stark an Daniele Ganser erinnert, von der Querdenker-Scene hofiert und dort häufig interviewt und zitiert. Das an sich sagt natürlich nicht viel, außer dass dieser Stil dort eben mehr gefällt als anderswo. Ich erwarte allerdings gegenüber meinen Mitmenschen – auch in Wissenschaft und Politik – ein Mindestmaß an Offenheit, keine Vorverurteilung. Dazu kommt ein konstant unterliegendes „Wie wir inzwischen wissen…“, das unbelegt suggerieren soll, dass sich die Wissenschaft an sich einig ist, nur die Regierenden und ihre Vasallen haben das halt noch nicht eingesehen. Welch suggestive Meinungsmache!
    Alles in allem weise ich auf GA 245 hin, die Nebenübungen und die „Weiteren Regeln in Fortsetzung der allgemeinen Anforderungen…“, die darauf hinweisen, dass der Geistesschüler keine ungeprüften Vorstellungen übernehmen, sich um fortwährende unvoreingenommene Vermehrung seiner Vorstellungen bemühen, sich jeglicher Sympathie und Antipathie enthalten soll bei der Aufnahme neuer Erkenntnisse und keinen Angst vor Abstraktionen haben sollte (wie sie die heutige Situation sehr häufig fordert, wenn es um Modellrechnungen geht oder um ferne und abstrakte Risiken). Da liegen meines Erachtens die Fallstricke. Ich lobe mir die Veröffentlichungen der Medizinischen Sektion, die in dieser Hinsicht mehr wissenschaftliche Redlichkeit an den Tag legen. Gesinnungsjournalismus, der gefällt, weil er mich nicht herausfordert, wäre dagagen schade.

    1. Ich danke Ihnen sehr für Ihren klaren Kommentar und die Mühe, die Sie sich damit gemacht haben!
      Wirklich ein guter und wichtiger Beitrag, der den „Schwurbeltext“ des Professors hoffentlich etwas „entzaubert“.
      Es tut mir so weh, so viel Negatives von allen möglichen Seiten zu
      Rudolf Steiner und zur Anthroposophie in den Medien zu lesen oder zu hören………aber solche Aufsätze, wie der von Ihnen hier kommentierte tragen doch nur zu diesem Zerrbild bei!

      Jedenfalls vielen Dank!

      Mit freundlichem Gruß

      Thomas Ploch

  10. Dieser Artikel ist absolut unerträglich, und ich frage mich auch, wie es sein kann, dass solche Meinungen hier im Goetheanum erscheinen können.
    Nur ein Punkt- es gibt keinen Impfzwang.
    Wer anderes behauptet, verbreitet Unwahres.
    Die Querdenker Scene lässt grüßen!
    Grund f. mich keine Artikel hier mehr lesen zu wollen!

    1. Hallo Frau Müller,

      außer »Querdenken« und »unerträglich« fällt Ihnen inhaltlich und argumentativ nichts weiter zu den Ausführungen des Autors ein?
      Nun, das Goetheanum publiziert solche Artikel, weil es der Vielfalt der unterschiedlichen Positionen Ausdruck verleiht. Eigentlich in einer Demokratie selbstverständlich, oder?

      Grüße von Harald Wemke

  11. Wesentlich fundierter, sachlicher und sich an der Realität orientierend ist der Kommentar von Frau Ilse Wellershoff-Schuur, der ich herzlich für ihre Arbeit danke. Man muß Herrn Professor Esfeld wohl zugute halten, dass er Philosoph ist, damit einer privilegierten Bevölkerungsschicht angehört und wohl noch nie einen Blick in eine Intensivstation in der aktuellen Lage geworfen hat.

  12. Wegen solcher Artikel und Meinungsäußerungen, die für mich nichts mit einem anthroposophischen Weltbild zu tun haben, bin ich aus der anthroposophischen Gesellschaft ausgetreten. Ich bereue es nicht!!

    Kennen Sie die Geschichte vom den Wissenschaftlern und dem Elefanten?
    Die Experten sollen einen Elefanten beschreiben. Jeder hat aber einen anderen Blickwinkel auf das Tier. Einer sieht den langen Rüssel, ein anderer die mächtigen Stoßzähne, ein weitere die dicken Beine, usw. Und alle meinen, sie hätten den ganzen Elefanten gesehen und geraten nun bei der Beschreibung des Tieres in Streit.

    Keiner der Wissenschaftler hat den Elefanten in seiner Gänze betrachtet. Vielleicht war dies den Experten gar nicht möglich. Der Fehler der Wissenschaftler liegt darin, Teilwahrheiten als die „ganze“ Wahrheit darzustellen. Man könnte auch sagen, die Experten leben und denken in einer Blase; denn sie lassen die Ansichten ihrer Kollegen gar nicht mehr zu.

    Und so kommt mir diese ganze Corana Diskussion vor. Jeder meint, seine Sichtweise wäre die Richtige. Denken Sie mal drüber nach …

  13. Lieber Herr Esfeld,
    ich habe mich über Ihren Beitrag zutiefst gefreut, und bin der Redaktion von “Das Goetheanum” sehr dankbar dafür, dass sie ihn veröffentlichen wollte! Der tiefere Sinn Ihrer Ausführungen könnte nämlich in der folgenden Frage verdichtet werden: Wollen wir wirklich unsre Gemeinschaften – sei auf lokaler sei es auf nationaler oder globaler Ebene – immer mehr so gestalten, dass irgenwelche zentralisierte Instanz uns mehr oder weniger zwingt, jedem Mitmenschen prioritär als möglicher Quelle einer Infektion zu begegnen? Anders formuliert: Wollen wir unsre Kinder in Gesellschaften aufwachsen lassen, die auschließlich aufgrund der Angst vor dem Tode gestaltet werden, wie es seit über einem Jahr in zu vielen Gesellschaften geschieht? Denn gerade diese im radikalsten Sinne antisoziale, und deshalb zerstörerische Wahrnehmung der menschlichen Begegnung und der Gesellschaftsgestaltung, verbirgt sich in jeglicher Idee bzw. Implementierung eines Impfpaßes – oder ähnlichen, egal ob provisorischen oder permanente Paßes –, ausgehend von dem der Rechtsstatus, das heißt die Würde und Freiheit einer Person bestimmt werden darf. So haben Sie vollkommen recht: Wir befinden uns – und dies betrifft nicht nur Deutschland – vor einer Weichenstellung. Und ich erlaube mir zu sagen – davon bewusst, dass viele Menschen diese Aussagen als maßlos übertrieben bis phanatisch empfinden werden –: Die gegenwärtige Weichenstellung ist viel dramatischer, als die vorherigen, einerseits ausgehend von den Überwachungs- und Steuerungsmitteln, die heute zur Verfügung stehen, andererseits ausgehend von der Tatsache, dass ein rein biopolitisches, und deshalb radikal antimenschliches Menschenbild – das menschliche Gemeinschaften auf dem Niveau von Bakterienkulturen setzt – bisher nie eine solche globale Implementierung erlebt hatte.
    Vor manchen autoritären Konzepten der Gesellschaftsgestaltung, die sich durch Impfpäße und Ahnliches offenbaren, wäre eher, zuspitzend, Folgendes festzulegen: Nicht einmal vor der schlimmsten Seuche dürfte sich eine authentisch liberale, das heißt die Menschenwürde echt als unantastbar wahrnehmende Gesellschaft solche Konzepten erlauben!!! Um so brisanter ist demzufolge die gegenwärtige Situation, in der das wirkliche Maß an Gefährlichkeit des – durchaus ernstzunehmenden – zu begegnenden Infektes sowie die Art der Begegnung mit ihm gerade in der Wissenschaft viel mehr umstritten ist, als die politisch korrekte mediale Szene vermittelt (das zeigen die von Ihnen zitierten Beiträge und sehr viele andere, wie https://www.aier.org/article/lockdowns-are-no-substitute-for-focused-protection/).
    Deshalb wirklich brisant ist die gegenwärtige Situation, weil: 1) die Lockdown-Strategie zum ersten Mal global und in zu vielen Fällen ohne jegliche lokale Differenzierung eingesetzt wurde; 2) eine solche mediale Kampagne der psychologischen Suggestion nie die Begegnung mit einem Infekte begleitete; 3) eine solche obsessive Fokussierung auf ein umsrittenes Ziel, das heißt eine hygienisch begründete grundsätzliche Vernachlässigung aller Lebensbereiche und Tätigkeiten, sowie aller psychischen Faktoren, nie in der Geschichte auf einer solchen Skala stattfand.
    Die in unsren Ländern propagierte Corona-Strategie erinnert erschreckenderweise an manche Ansätze der früheren, schon längst widerlegten Onkologie, in denen man gesunde Bestandteile des Organismus “vorsichtshalber” operativ entfernte, weil sie rein modelmäßig vom Krebs hätten überfallen werden können. Genauso verfährt bisher, jedoch, gefährlicherweise, auf einer viel breiteren Skala, die Corona-Politik in unsren Ländern: Alles kulturell/geistig, rechtlich, wirtschaftlich Gesunde im Individuum und in der Gesellschaft wird “vorsichtshalber” angegriffen und lahmgelegt, um zu vermeiden, dass es von einem Infekt betroffen wird. Im Namen dieser Vorsicht werden alle elementare Grundprinzipien nicht nur einer, sondern vieler Wissenschaften und Berufe ausgeblendet – hunderte von ÄrztInnen in Italien therapieren sehr erfolgreich diesen Infekt domiziliar, werden jedoch von der Politik und den regierungskonformen Medien totgeschwiegen. Und dies aufgrund von Expertenmeinungen, deren Urheber mehr als kontroverse Erfolge vorweisen können (vgl. zB https://www.aier.org/article/the-failure-of-imperial-college-modeling-is-far-worse-than-we-knew/).
    Alles klingt so, als ob ein Risiko-Manager ausgehend von statistischen Modellierungen empfehlen oder entscheiden würde, ein Unternehmen kaputt zu schlagen, damit manche Risiken vermieden werden, denen das Unternehmen begegnen könnte!
    Viele Menschen werden sich vor diesen Worten fragen: Wo sind diese Dinge belegbar? Diejenigen, die so fragen, sind jedoch meistens, erfahrungsgemäß, gerade diejenigen, die sich nicht einmal wenige Minuten gönnen würden, um die von Ihnen zitierten Beiträge anzuschauen: sie verflüchtigen sich lieber in den vermeintlichen Sicherheiten, die ein seit über einem Jahr beleidigend bemütternder Staat gönnerhaft zu verteilen scheint, und dabei kennen sie nicht einmal die elementarsten Grunddynamiken der “Diskursmacht”. Nicht einmal Milliarden von wissenschaftlichen Quellennachweisen, die die Absurdität und soziale Gefärhlichkeit des gegenwärtigen “Pandemie-Managements” belegen, würden für sie reichen, denn sie wollen unbedingt glauben: Nur die Nachweise, die aus der Politik und aus den von ihr anerkannten Medien und Autoritäten kommen, sind gültig. Jede(r), egal wie qualifiziert und persönlich erfahren, die/der Abweichendes vertritt, ist also neben der Kappe bzw. ein potentieller Feind des Gemeinschaftssinns.
    Die Fragen, auf die Ihr Beitrag hinweist, sind also brennend “praktisch” und lebensnah. Denn was ist “praktischer”, als die Rettung der unantastbaren Menschenwürde sowie der mündigen Schicksalsgestaltung, der Meinung- und Gedankenfreiheit? Wir wollen hoffen, dass das “Unpraktische” der autoritären und antimenschlichen Lösungen, auf denen zu viele Regierungen und globale Instanzen aufbauen zu wollen scheinen, bald viel mehr Menschen zum Aufwachen anregen wird, als es gegenwärtig noch der Fall ist. Wir wollen vor allem hoffen, dass es dann nicht zu spät sein wird.
    Mit herzlichen Dank und Grüßen
    Salvatore Lavecchia

  14. Leserbrief zum Artikel „Impfpass“ von Prof. Michael Eslfeld
    06.05.2021

    Sehr geehrter Herr Prof. Elsfeld,

    ich kann Ihren Artikel nicht unwidersprochen lassen, da sind so viele Behauptungen, Dramatisierungen, Verdächtigungen und Unterstellungen darin, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Ich möchte mich darauf beschränken, die Stellen zu zitieren und zu kommentieren, die ich in Frage stellen würde aufgrund der Informationen, die mir als politisch interessiertem Menschen und Anthroposophen zur Verfügung stehen.

    Das Schwierigste an Ihrem Artikel ist: Er trägt selbst in seiner Selbstgerechtigkeit und Abwertung der anderen Ansichten totalitäre Tendenzen und ist völlig ungeeignet, mit denen, die die Dinge anders beurteilen (Klima oder Corona oder anderes) ins Gespräch zu kommen oder zu darin zu bleiben. Das aber brauchen wir, nicht weitere Zuspitzungen und Konfrontationen.
    Ich gehe die Punkte,die ich kommentieren möchte, der Reihe nach durch und staune beim Schreiben selbst, wie viele es sind:

    1. Der Weg führe in ein geschlossene Gesellschaft mit Freiheitsberaubung – Gewalt von Lockdown – süße Versuchung der Impfpässe. – Eine reine Behauptung!
    2. westliche Demokratien arbeiteten nach dem Vorbild Chinas. – Eine böswillige Vereinfachung!
    3. Einzelne Wissenschaftler stellten sich für politische Verwendung zur Verfügung. – Eine Beleidigung und Herabwürdigung von Menschen, Wissenschaftlern und Politikern, die sich mit viel persönlichem Einsatz und persönlichem Risiko um eine realistische Sicht auf die Dinge bemühen, egal ob man mit ihren Schlussfolgerungen immer einverstanden ist oder nicht.
    4. Andere Wissenschaftler seien diffamiert worden und es würde ihnen nicht mit Argumenten begegnet. – Doch, es wurde viel argumentiert, und man kann Wodarg, Bakhti, Stöhr, Streeck und alle anderen immer noch sehen und hören – und das ist gut so!
    5. Punkt 3. und 4. seien mit dem Ziel geschehen, politische Zwangsmaßnahmen wissenschaftlich legitimieren zu können. – Eine reine Behauptung, dass ein Unterdrückungswille vorliege.
    6. Es sei eine Art Staatsreligion eingeführt worden, ketzerische Ansichten seien ausgeschlossen worden. – Nein, aber viele Fachleute sehen die Dinge eben ähnlich – neben den anderen, die immer noch zur Wort kommen können. Haben die Mainstreams schon deswegen Unrecht, weil sie die Mehrheit sind?
    7. Sie rechnen die durch Corona befürchtete Todesfälle statistisch gegen die Todesfälle, die sich statistisch aus den „Schutzmaßnahmen“ ergeben. – Hätte die „Gegenseite“ eine solch zynische Kalkulation aufgemacht, wäre sicher von Anthroposophen aus auf Ahriman als deren Inspirator hingewiesen worden.
    8. Kein Staat habe das Recht, Impfungen anzuordnen. – Bezüglich Corona ist davon auch bisher nicht die Rede. Nur davon, dass für Geimpfte die Grundrechte nicht weiter eingeschränkt sein sollen. Das ist vielleicht ungerecht, aber zeigt, dass sie weiter in Kraft sind und bleiben sollen und deren Abschaffung eben NICHT auf der Agenda steht.
    9. Staatliche Reglementierungen würden als Vorwand eingesetzt, dass man sich nicht um die gefährdeten Personen kümmern müsse. – Aber es kümmern sich doch alle Verantwortlichen gerade auch um die gefährdeten Personen.
    10. Das Problem negativer Externalitäten: Nach Ihrer Ansicht geht die freie Lebensgestaltung über alles, eine potentielle Gefährdung anderer reiche nicht, um Freiheitsrechte einzuschränken. Jede freie Lebensgestaltung schränke potenziell die Lebensgestaltung der anderen Menschen ein. – Ja, so ist das, und das zu ignorieren, liegt für mich nahe an einem Plädoyer für das Recht des Stärkeren. Ich meine, auch als freier Mensch muss man im Auge haben, welche Schäden für welche Menschen sich aus dem eigenen Verhalten mittelbar ergeben, auch wenn ich sie nicht direkt sehen kann. (z.B. für die, deren Erzeugnisse ich kaufe).
    11. Die Verantwortlichen „in Politik, Wissenschaft und Medien“ schürten absichtlich Angst (d.h. wider besseres Wissen), um ihre Unterdrückungsagenda durchzuziehen. Jede Freiheitsausübung stehe unter Generalverdacht. – Sie bestreiten einfach, dass die Verantwortlichen verantwortlich handeln wollen und behaupten ohne Beweis, sie handelten bewusst niederträchtig. Dazu mein Einwand wie zu Punkt 3.
    12. Die Freiheit würde abgeschafft, ein neuer Totalitarismus würde installiert.Es gehe um die soziale Kontrolle der Lebensgestaltung aller. – Nein! Alle wünschen sich, dass die Einschränkungen bald vorbei sein werden, auch die Verantwortlichen „in Politik, Wissenschaft und Medien“ – ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln. Woher nehmen Sie das Recht, das Gegenteil zu behaupten?
    13. Auch Maßnahmen zur Klimaberuhigung stellen Sie unter Generalverdacht. Sie vertrauen auf „spontane Anpassung und technologische Innovationen“. Es kann aber nicht jeder freiwillig und dezentral sein Kohlekraftwerk abschalten. Die Länder „ohne Energiewende“ haben alle einen hohen Anteil an Atomenergie. Unbeschränktes, billigstes Fliegen, billiges Autofahren und billigstes Schweinefleisch – muss das alles Teil der freien Lebensgestaltung bleiben? Dass die Bemühungen der Demeter-Landwirtschaft nicht ausreichend gewürdigt und gefördert werden, bedauern wir vermutlich gemeinsam. Immerhin ein Punkt der Übereinstimmung.
    14. Die Gelegenheit komme gerade recht, altbekannte Herausforderungen zu existenziellen Krisen hochzureden, es würden pseudowissenschaftliche Modellrechnungen erstellt. – Auch hierzu mein Einwand wie zu Punkt 3.
    15. Die Weichenstellung „geschlossene Gesellschaft – offene Gesellschaft“ stehe bevor, Gesundheits- und Klimaschutz würden über die Menschenwürde gestellt. Die nicht urteilsfähigen Bürger (denen nämlich der Ihnen eigene, nüchterne Blick, von Ängsten ungetrübt, abgehe) liefen der „Allianz von Experten, Politkerinnen, Wirtschaftsführern und Mainstreammedien“ direkt in die Arme, das gesamte gesellschaftliche Leben werde durch diese Elite im Verbund mit den Leitmedien gesteuert. Was aber, wenn ein Gesundheitssystem in völliger Überlastung oder eine extreme Klimaveränderung gar keinen Raum mehr für Grundrechte und Menschenwürde lassen würden?
    16. Die meisten Experten, Politkerinnen, Wirtschaftsführern und Mainstreammedien seien Gegnerinnen und Gegner der offenen Gesellschaft – alle in der Absicht, ihre totalitäre Agende umzusetzen. Auch hierzu mein Einwand wie zu Punkt 3.

    Wir sollten mit denen, die anders denken und auch gute Gründe dafü haben, anders umgehen als Sie es vorschlagen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ralph-Guido Günther

  15. Ich bin sehr für einen offen Diskurs. Meine Kritik ist ähnlich wie die von Ilse Wellershoff-Schuur. Die Grundlagen eines Gedankenganges müssen stimmen, ansonsten sind die Schlussfolgerungen hinfällig. So gut wie alles was Esfeld über die Epidemiologische Seite der Pandemie schreibt ist mindestens fragwürdig.
    „Rufen wir uns zunächst einige Fakten in Erinnerung. Pandemien wie die Ausbreitung des gegenwärtigen Coronavirus hat es häufig gegeben – zuletzt in Europa in ähnlicher Größenordnung bezogen auf die Bevölkerungsgröße die Asien-Grippe 1957 und die Hongkong-Grippe 1968/69. Bis zum Jahr 2019 war es Stand der Wissenschaft, dass man Pandemien einer solchen Größenordnung rein medizinisch bekämpft“ Dies ist kein Fakt. Laut NYT ist die Übersterblichkeit in Amerika höher als damals bei der Spanischen Grippe. Weder bei Sars Mers Ebola Pest HIV etc. wurde es so gehandhabt. Da standen immer die nicht-medizinischen-Maßnahmen in dem Vordergrund.
    Noch ein weiters Zitat „“Inzwischen wissen wir jedoch, dass diejenigen, welche die traditionelle, rein medizinische Bekämpfung der Coronapandemie empfahlen, richtig lagen. Zahlreiche Studien weisen nach, dass politische Repressalien wie Lockdowns in den westlichen Demokratien keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Bekämpfung der Coronapandemie ergeben.“ Vergleichen wir Schweden mit Neu Seeland. Neu Seeland hatte einen sehr harten Lockdown. Schweden hatte auch Maßnahem aber etwas weniger als seine Nachbarstaaten wie Finland. Schweden hat ca. 250 mal Tote als Neuseeland und etwa 10 mal mehr Tote als Finland. Auch die Aussage das eine rein medizinische Bekämpfung gab, ist nicht richtig.
    Der Historiker Peter Baldwin schreibt „In the absence of a cure or other medical intervention, all the authorities could throw into the battle were the venrable contagious disease management techniques used against pandemic since Biblical times…. The principle of breaking chains of trasmission was simple, but not the practicalities of implementing it.“ Staaten die Erfahrung mit Sars Mers et. hatten, haben schnell und konsequent gehandelt. Dann gab es Staaten die mit der Herdenimmunität geliebäugelt haben. Dies wurde aber schnell aufgegeben. Die meisten westlichen Staaten hatten es verpasst das Virus beim Auftreten auszumerzen und haben mehr oder weniger mit lockdowns versucht die Zeit bis eine Impfung da ist, zu überbrücken.
    Erschreckend fand ich, dass Esfeld schon vor einem halben Jahr für das Modell der natürlichen Herdenimmunität eintrat. Diesen Vorschlag kann man machen, muss dann aber realistisch auch die Folgen benennen. Alles andere ist unredlich.
    Dass ein Philosoph sich nicht mit Epidemiologie auskennt, ist verzeihlich. Nach meiner Meinung, sollte er dann nicht seine Gedankengänge auf dieses „Fundament der Unkenntnis“ stellen.

    MfG Hans-Peter Krause-Batz

  16. Lieber Herr Dr. Esfeld.

    Herzlichen Dank für diese tiefgreifende Analyse und schlüssige Argumentation. Der Versuch, das vermeintlich Gute und Richtige mit Zwang und Gewalt durchzusetzen, kann niemals zu etwas Gutem und Richtigen führen.

    Man kann das an einer ganz alltäglichen Situation deutlich machen:
    Ein Kind will eine gesunde Mahlzeit nicht essen, welche die Eltern gekocht haben. Das Kind sitzt vor dem Teller, stochert darin herum, aber es isst nicht. Die Eltern bitten es, zu essen. Dann ermahnen sie es. Sie schimpfen mit ihm, Sie versuchen ihm, das Essen zu füttern, denn sie sind überzeugt, dass diese Mahlzeit gut für das Kind ist. Aber dem Kind schmeckt es nicht …

    Alles, was die Eltern in dieser Situation unternehmen, wird nicht dazu führen, dass das Kind isst. Jede Form von Zwang wird nur dazu führen, dass die Eltern am Ende die Würde des Kindes und letztlich ihre eigene Würde beschädigen.

    Menschen zu einer Impfung zu zwingen, von der sie nicht überzeugt sind, oder ihnen andere vermeintlich sinnvolle Verhaltensweisen unter Zwang anzutrainieren ist nichts als Beschädigung der Würde und Totalitarismus.

    Herzliche Grüße

  17. Zitat aus dem Text „.. jeden Menschen als Person anerkennt: Die Person hat ..“
    Der Unterschied zwischen PERSON (ein juristisch versächlichter Begriff) und MENSCH (mit Geburtsrecht auf Freiheit, Unversehrtheit, Besitz zum Wohle etc) – wird im vorliegenden Text völlig übergangen, die Begriffe und Inhalte verwischt.
    Ich bitte darum, diese beiden Begriffe inskünftig mit mehr Sorgfalt zu verwenden. Danke.

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