Der Besucher

Im September spielt das Projektensemble der Goetheanum-Bühne wieder das Stück ‹Der Besucher› des französisch-belgischen Autors Éric-Emmanuel Schmitt. Regie führt Gosha Gorgoshidze.


Neben Theaterstücken schrieb Schmitt Romane und Erzählungen und wurde 2004 mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet. Er studierte Philosophie und beschäftigt sich mit philosophischen, religiösen und interreligiösen Themen. Besondere Aufmerksamkeit gewann Schmitt durch seinen Doppelroman über Adolf Hitler. Hier zeichnet er eine zweite fiktive Biografielinie, wenn Hitler von der Akademie der bildenden Künste in Wien nicht zweimal abgelehnt worden wäre und dort ein Kunststudium absolviert hätte.

Zum Stück ‹Der Besucher›: Es spielt in Wien 1938 im Hause von Sigmund Freud kurz nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten. Sigmund Freud, der Arzt und Begründer der Psychoanalyse, erlebt schwere Zeiten. Er ist bereits von einer Krebserkrankung gezeichnet, da marschieren die Nationalsozialisten in Wien ein. Antisemitismus hat in Wien einen Boden, nun werden die Juden offen verfolgt. Freuds jüngste Tochter Anna wird von der Gestapo abgeholt. In dieser Zeit bekommt er unerwarteten Besuch. Der Unbekannte deutet an, dass er – Gott ist! Als überzeugter Atheist nimmt Freud seine Worte nicht ernst, doch die Fähigkeiten des Besuchers stimmen Freud nachdenklich. Gosha Gorgoshidze über die Hauptfigur der Inszenierung: «Freud ist ja Atheist. Er ist nicht mal Agnostiker. Das Spannende ist dabei: Wenn man in der Berggasse in Wien seine Wohnung anschaut, findet man überall im Haus spirituelle Themen vor! An Wänden und auf Regalen finden sich griechische Skulpturen und Buddhas. Er hat es sich mit dem Atheismus nicht leicht gemacht, auch wenn er in seinem letzten Buch ‹Der Mann Moses und die monotheistische Religion› die Religion auf Komplexe im Menschen reduziert. Er erklärt, dass Heranwachsende, die an ihren Eltern verzweifeln, das Vater- oder Mutterbild in den Himmel projizieren. Es ist das große Verdienst von Freud, das Unterbewusstsein verstehen zu lernen. Um mit Faust zu sprechen: Das ist sein Gang in das Reich der Mütter, in das Mütterliche. Da sind wir alle frei, damit weiterzuarbeiten.» Im Stück sagt der Unbekannte über Freud und sein Werk: «Viele Wahrheiten und genauso viele Irrtümer, in einem Wort: ein Genie.»


Regie Gosha Gorgoshidze; Schauspiel: Jens Bodo Meier, Christian Richter, Sandra Giraud und Peter Meyer; Gesang: Ingala Fortagne.
Aufführungen am 5. und 12. September um 19 Uhr und am 5. und 13. September um 16.30 Uhr

Bild Szene aus ‹Der Besucher›

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