Wo bleibt die Menschenwürde heute?

Rhythmus ist die Grundlage des Lebens. Dies gilt nicht nur für natürliche Zyklen, sondern auch für soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rhythmen. Über 72 Jahre ‹Allgemeine Erklärung der Menschenrechte›.


Sergio A. Gaiti

Ein gesundes Herz schlägt unter normalen Bedingungen 72 Mal pro Minute. 72 sind die Jahre der solaren Präzession, der Bewegung, die die Ausrichtung der Erdrotation im Verhältnis zu den Fixsternen um einen Zodiakalgrad verschiebt. Sie konfiguriert die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. In der Kabbala sind die ‹72 Namen Gottes› verborgen. Diese Zahl, die den inneren Rhythmus des Menschen – im Herzschlag – ‹normiert›, bei dem wir keine Wahl haben, stellt die Kabbala in der Episode der Teilung des Wassers am Roten Meer dar. Moses überwindet die Gesetze der Notwendigkeit. Eine Erhebung aus der natürlichen Notwendigkeit hin zur übernatürlichen Souveränität. Gerade in diesem Abschnitt der Tora verbirgt sich die Überwindung des Schicksals, aber es ist nur die Öffnung einer Schwelle zu einem zu beschreitenden Weg, zum ‹gelobten Land›.

Eleanor Roosevelt und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, New York, November 1949. Quelle: US National Archives

Vor 72 Jahren, am 10. Dezember 1948, unterzeichnete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die ‹Allgemeine Erklärung der Menschenrechte›. Nach den Todesopfern des Zweiten Weltkriegs war die Sehnsucht nach Freiheit und einem universellen Bild der Menschenwürde global. Heute hat diese Sehnsucht Schwierigkeiten, Orte zu finden, an denen sie breit zum Ausdruck kommen kann, ohne polarisiert zu werden. Jeder deterministische Ansatz, der auf monolithischen Axiomen beruht, wird polar oder einseitig. Ob man nun mathematische Modelle zur prophetischen Wahrheit erhebt oder auf das Wirken der Götter in den Schicksalsketten wartet, das Ergebnis ist dasselbe: Unsicherheit, Konflikt und Angst.

Im Jahr 2021 kann die Menschenwürde wiedergeboren werden. Nicht mehr auf Rechten, sondern auf einer universellen, ganzheitlichen Gesundheit: körperlicher, geistiger, sozialer und spiritueller Gesundheit. Um gesellschaftlich zu heilen, müssen wir die Schwelle neuer Formen und Strukturen für unsere Gemeinschaften öffnen, zu neuen Rhythmen, die die ausgeglichene Souveränität des menschlichen Ich ermöglichen.


Dieser Text ist in voller Länge auf Italienisch zugänglich.

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