Werte wachsen lassen

Aleksandra Domańska hat früher als leitende Mitarbeiterin beim polnischen Zweig des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer gearbeitet. Heute ist sie Gartenkoordinatorin beim Youth Initiative Program (YIP) im schwedischen Ytterjärna. Ein Interview.


Welcher Weg hat dich von deiner ursprünglichen Arbeit zu deiner neuen Rolle als Gartenkoordinatorin für das YIP geführt?

Dieser Übergang hat fast vier Jahre gedauert. Nachdem ich realisiert hatte, dass meine Arbeit meinen eigentlichen Werten widersprach, musste ich erst einmal den Mut finden, meinen Job bei Bayer zu kündigen. Es war beängstigend, ganz von vorn anzufangen, einen Schritt ins Ungewisse zu machen. 2021 habe ich schließlich gekündigt und bin von Polen nach Schweden gezogen. Ich habe zunächst ein Jahr lang auf einem Bauernhof bei Järna als Freiwillige gearbeitet. Ich brauchte Zeit, um mich wieder mit mir selbst, mit der Natur und mit neuen Menschen zu verbinden. Ich fing an, davon zu träumen, mehr mit der Erde zu arbeiten und meine Fähigkeiten im Projektmanagement für Umweltprojekte zu nutzen. In mir waren jedoch immer noch die Ängste und der Perfektionismus aus der Welt der großen Unternehmen. Der Wendepunkt kam, als ich begann, bei der solidarischen Landwirtschaftsinitiative ‹Under Tallarna› in Järna auszuhelfen. Ich habe zwar schon vorher im Garten meiner Eltern Gemüse angebaut, doch bei ‹Under Tallarna› lernte ich mehr über biodynamischen Anbau, Permakultur und regenerative Landwirtschaft. Dort traf ich auch die damalige Gartenkoordinatorin des YIP. Ich fing an, im YIP-Garten mitzugärtnern. Ich verstand immer mehr, welch wichtige Rolle gesundes Essen für mich spielt und dass ich diese Liebe mit anderen Menschen teilen möchte. Im letzten Frühjahr wurde mir dann angeboten, den Job als Gartenkoordinatorin beim YIP zu übernehmen. Es ist die erfüllendste und erdendste Arbeit, die ich mir vorstellen kann. Sie lädt mich dazu ein, meine Ideen über mich und über die Welt immer wieder zu hinterfragen. Denn nur mit ständiger Präsenz und Offenheit kann dieser schöne, blühende Garten kreiert werden.

Welche Werte sind bei deiner jetzigen Arbeit wichtig?

Gleichgewicht, Gutherzigkeit, Authentizität und Kreativität fallen mir als Erstes ein. Ich versuche, den Teilnehmenden am YIP eine gute Lernerfahrung zu bieten, indem ich ich selbst bin und einen Raum erschaffe, in dem sie ihre Vorstellungskraft ausleben können.

Wie sieht deine Arbeit im YIP-Garten aus?

Sie ist erfüllt von Zusammensein, Präsenz und Verbindung. An meinen Arbeitstagen fangen wir um sieben Uhr morgens an. Je nach Jahreszeit bereiten wir eine Stunde lang die Erde vor, jäten Unkraut, säen, pflanzen, gießen oder ernten. Dann essen wir gemeinsam Frühstück und singen verschiedene Lieder. Montage sind im Programm die Gartentage, dann arbeitet die gesamte Gruppe am Nachmittag mit mir. Die Arbeitszeit endet immer mit einer Fika, also mit einer schwedischen Kaffeepause, bei der wir darüber sprechen, was wir an diesem Tag geschafft haben.


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Bild Aleksandra Domanska, Foto: Nell Lenoir

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