Wege einer spirituellen Immunologie

Im richtigen Moment hat Volker Fintelmann dieses Buch vorgelegt. Es ist an der Zeit, gesamtgesellschaftlich die Früchte der Corona-Krise – womit ich das Krankheitsgeschehen Covid-19 sowie die staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung meine – aufzuarbeiten, ehrlich auszuwerten und zu einer fruchtbaren Erkenntnisernte zu gelangen.


Dies versucht der Autor, indem er den Blick weitet, auf hemmende und stärkende Faktoren der Immunität blickt, stets aufbauend und Ich-orientiert in der Darstellung. Er unterscheidet angeborene und erworbene Immunität, verbindet sie menschenkundlich mit den Kräften von Sympathie (Aneignung, zum Beispiel in der Verdauung) und Antipathie (welche in den Antikörpern immunologisch zum Ausdruck kommt) und weist auf ein verbindendes Drittes: das Interesse. Eine Grundaussage des Buchs ist, dass das menschliche Ich durch Eigenaktivität immer wieder neu das Dazwischensein, eben ‹inter esse›, sich erwerben kann, damit Ausgleich schaffend zwischen Extremen. Und gerade dieses Tätigsein des Ich ist immunologisch entscheidend – leiblich, seelisch und geistig.

Dabei denkt der Arzt und Forscher Fintelmann auch geistesgeschichtlich: «Nicht zufällig betritt die Immunologie die öffentliche Bühne der Aufmerksamkeit zu Beginn der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, für die gleichnishaft George Orwell sein Buch 1984 schrieb. In jedem Menschen ist die Immunorganisation oder auch das Immunsystem ein wirklicher Schauplatz von andauernden Auseinandersetzungen der Kräfte des Guten und des Bösen, verbunden mit der existenziellen Frage, wie dieses Kräftemessen ausgeht.»1

Wie ein Grundton durchklingt das gleich zu Beginn formulierte ‹Grundgesetz der Immunologie› das gesamte Buch: «Das Selbst erkennt alles Nicht-Selbst.» Obwohl dieses Erkennen in den Tiefen des Unbewussten verläuft, erscheint es völlig einleuchtend, dass alle bewusste Ich-Aktivität auf die immunologischen Prozesse zurückwirken kann. Volker Fintelmann nennt hier mannigfaltige Übungen: Bewusstsein für die eigene Flüssigkeitszirkulation (das richtige Trinken), Pflege des eigenen Wärmehaushaltes, bewusste Ernährung als Begegnung und Kommunikation mit der Welt. Aber auch künstlerische Therapien, die unsere Regenerationskräfte aufbauen, das Ausbilden gesunder Rhythmen in der eigenen Lebensgestaltung und vieles mehr, was stets plastisch und anschaulich beschrieben wird. Es kommen auch verschiedene Arzneimittel als Helfer zur Sprache.

Volker Fintelmann: Die spirituelle Seite des Immunsystems. Praktische Hilfen zur Stärkung unserer Abwehrkräfte. Aethera, Stuttgart 2022, 228 Seiten.

Sodann wird die seelische Immunität durch Grundübungen praktisch angesprochen: Beherrschung des Denkens und des eigenen Willens, Gelassenheit, Positivität und Unbefangenheit. Diese bekannten Übungen der Anthroposophie werden im Hinblick auf ein waches Sinneserleben, das immer auch gesunde Grenzbildung bedeutet, thematisiert. Als zentrale Aussage empfinde ich die Worte: «Ohne Frage träumen die ‹Iche› der meisten Menschen heute über ihre Sinnesorgane in die Welt, und diese kann recht ungehindert in ihn einwandern, ob nun als Werbung, als Ideologien oder auch als Viren und Bakterien. Und bei nicht wenigen Menschen muss ich sogar eher sagen: ‹Sie schlafen!› Das hat Auswirkungen auf das Immunsystem, das lässt Krankheiten entstehen, weil die Wahrnehmungsfunktion des Immunsystems schläft. Und das kann beispielsweise zusammen mit anderen Bedingungen zur weit verbreiteten Krebskrankheit führen, zu den weltweit verbreiteten chronischen Lebererkrankungen, die man abstrakt Hepatitis B oder C nennt, zu vielfältigen Infektionskrankheiten als Epidemien oder auch Pandemie.» Und nun kommt die entscheidende Erkenntnis: «Dieser Zusammenhang muss entdeckt und vor allem akzeptiert werden, dann wird verständlich werden, dass nicht Impfungen das Allheilmittel sind, sondern ein waches, geschultes Wahrnehmen, gesunde, aktive Sinnesorgane.»

Damit stellt sich das Buch in das gewaltige Spannungsfeld unserer Zukunft: Wird der Mensch immer mehr technisch und technokratisch bestimmt werden oder wollen wir den Menschen, das heißt uns selbst, als frei und schöpferisch handelndes Individuum, das nicht bestimmbar ist durch Statistiken und Gesundheitsnormen.

Gesundheit ist immer im Werden. Niemand kann einfach gesund sein oder bleiben. Umso mehr Menschen die Verantwortung für ihr Gesundwerden kreativ ergreifen, desto heilsamer werden wir alle in die Zukunft schreiten.

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