Wach sein und das Leben unterstützen

Kiew/Odessa/Ukraine. Eine Pfarrerin und ein Pfarrer erzählen vom Leben im Ausnahmezustand.


Seit nun schon zwei Jahren leben die Menschen in der Ukraine im Krieg. In einem jährlichen Rundbrief an den Freundeskreis der ukrainischen Christengemeinschaft berichten die Pfarrerin Tatjana Nechytailo aus Kiew und der Pfarrer Andrej Ziltsov aus Odessa von ihren täglichen Lebensrealitäten; davon, wie es aussehen kann, im Angesicht großer Herausforderung und Not weiterhin für das Gute einzustehen und Hoffnung an seine Mitmenschen weiterzugeben. Ist es möglich, dass ein Krieg zur Gewohnheit wird und dass die Betroffenen lernen, mit der Gefahr zu leben? Schläft das Bewusstsein für den Ausnahmezustand irgendwann ein? Kann ich die kleinen Freuden des Lebens genießen wie ein Fest oder ein Stück Kuchen, in dem Wissen, dass es Menschen gibt, die in genau diesem Augenblick für meine Freiheit kämpfen und sterben? Diese und weitere Fragen stellt Nechytailo in ihrem Brief; Antworten zu finden, heißt, die Komplexität des Lebens anzuerkennen. Und dieses Leben geht immer weiter, auch unter den widrigsten Umständen. Nechytailo und Ziltsov berichten von Kunstworkshops und Eurythmieaufführungen, die trotz des Krieges gehalten werden, von Menschenweihehandlungen, Konfirmationen und Taufen, die gefeiert werden. Die Pfarrerin betont: All diese in der Gemeinde erlebten Momente sind ein Geschenk. Das Weitermachen hilft gegen die Ohnmacht. Zu helfen, wo man kann, schützt vor dem Gefühl, selbst zu klein zu sein, um etwas verändern zu können. In Gemeinschaft füreinander da zu sein, spendet Trost. Ziltsov findet es hilfreich, mit anderen über die Zukunft zu reden; über die Zeit nach dem Krieg. Darüber, dass Familienmitglieder sowie Freunde und Freundinnen, die ins Ausland geflohen sind, bald nach Hause kommen möchten. Die Gemeinde ist dabei ein leuchtender Anziehungspunkt für ihre Rückkehr. Nechytailo kommt in ihren Reflexionen zu dem Schluss: Wach sein und das tun, was das Leben unterstützt, das sind die wichtigsten Aufgaben heute. Interessierte können sich per E-Mail für den Rundbrief anmelden.


Kontakt andrej.ziltsov@gmx.de

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