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Menschenkunde ist existenziell

Waldorfkrippen und -kindergärten befinden sich weltweit in schwierigen finanziellen Verhältnissen. Doch nicht nur internationale Förderung, sondern auch Intensivierung der Dynamik und Motivation der Projektträger können in dieser Situation helfen. Gespräch mit Philipp Reubke von der Koordinationsgruppe der International Association for Steiner/Waldorf Early Childhood Education (IASWECE).


Welche Unterstützung brauchen neue Initiativen?

Sie brauchen ausgebildete Erziehende, die diesen doppelten Aspekt zu Herzen nehmen: einerseits sich ernsthaft für die Menschenkunde Rudolf Steiners interessieren, andererseits kreativ, mutig und großzügig eine ihrem kulturellen und sozialen Kontext angemessene Erziehungspraxis erfinden. Den Eltern und Verantwortlichen muss man klarmachen, dass die Arbeit in einer Krippe oder einem Kindergarten Vorbereitung braucht. Man muss auch dafür sorgen, dass es interessante, zeitgemäße Erzieherausbildungen gibt.

Welches sind die weltweiten erzieherischen Herausforderungen für die Frühkindheit heute?

Für Kinder in den ersten fünf bis sieben Lebensjahren stellt die Waldorferziehung vor allem das Lernen aus Nachahmung und das vom Kind selbst initiierte Spiel in den Mittelpunkt. Von Fidschi über Zimbabwe bis New York gibt es aber heute wenig Anschauliches, Sinnvolles nachzuahmen, sondern viel Gewaltsames oder durch virtuelle Medien vermittelte Hektik. Das kommt dann alles im Freispiel zum Vorschein. Dies zu akzeptieren und mit den Kindern zusammen zu verdauen, ist eine enorme Aufgabe für die Pädagogen.

Welches aktuelle Projekt beeindruckt Sie besonders?

Vor drei Monaten war ich im Waldorfseminar in Kiew. Lauter sehr engagierte Dozenten und Studenten in der ehemaligen Sowjetschule Nr. 95. Anthroposophische Menschenkunde ist für alle eine existenzielle Angelegenheit. Ein wiederholt geäußertes Aha-Erlebnis: Im Kindergarten kommt es also darauf an, was ich selber bin und werden möchte.


IASWECE-Rundbrief: www.iaswece.org/aktuelles/iaswece-rundbrief/

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