Leben im Alter auf dem Demeterhof

Der biodynamische Hof Klostersee im hohen Norden zieht Menschen an, die neue gemeinschaftliche Formen des Zusammenlebens im Alter suchen. Udo Heitmann, Berater und Projektentwickler, interessiert sich für die soziale Dimension des Projektes und besuchte es.


Verschiedene Artikel, zahlreiche Fernsehberichte und die Webseite des Hofes zeichnen anziehende Bilder vom Altenwohnprojekt nahe Cismar, drei Kilometer entfernt von der Ostsee. Die 2001 errichteten sieben Wohnungen inmitten des Hofensembles inklusive Hofladen sind für ältere Menschen gedacht – und haben Erfolg: Zurzeit sind sie alle bewohnt. Der Verein Hof Klostersee und die den Hof bewirtschaftende Betriebsgemeinschaft inspirierten sich an Rembert Rauchbach, früher Geschäftsführer der Hannoverschen Alterskassen. Eine Schicksalsgemeinschaft von älteren Menschen fand sich zusammen, um die Hofgemeinschaft zu unterstützen. In der Anfangszeit wurde der Außenbereich gestaltet, eine Obstwiese entstand und sieben individuelle, liebevoll bepflanzte Gärten. Erlernte Fähigkeiten werden eingebracht und weiter ausgebaut. Essenziell ist das festgeschriebene Recht der Alten auf freiwillige Mitarbeit.

Foto: Hof Klostersee

Jutta G., eine der Ansprechpartnerinnen des Altenwohnprojektes, erzählte, wie neue Kompetenzen mit dem Projekt wachsen mussten. Die Gruppendynamik musste als solche ernst genommen werden, ebenso die unterschiedliche Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen. Die vorwiegend städtischen Menschen hatten wenig Erfahrung in Gemeinschaften, die über die Familie hinausgehen. Externe Beratungen und Konfliktbearbeitung waren dabei hilfreich. Jetzt wird mehr Verantwortung übernommen, unter anderem im Erstkontakt und in den Aufnahmegesprächen für das Altenwohnprojekt. Die Projektträger machen auch Fortbildungen zum Thema Alter, Krankheit, Tod, Würde und Vertrauen.

Den Grundstein setzten anthroposophische Visionäre mit der Idee, dass alte Menschen auf den Hof gehören und dass sie etwas zum Umfeld des Hofes beitragen können. Gemeinsam am Tisch sitzen, die verschiedenen Meinungen ernst nehmen – das ist nicht immer einfach, jedoch wichtig für die Entwicklung hin zur Selbstverwaltung als Gemeinschaft. Wie sehen anthroposophisch inspirierte Altersheime in der Zukunft aus? Viele Höfe sind heute überlastet. Hilft die solidarische Landwirtschaft durch Seniorinnen und Senioren weiter? Vonseiten der Senior*innen ist der Bedarf groß nach neuen temporären Wohnmöglichkeiten und Nutzungsrechten. Altersleben hat etwas Geheimnisvolles, Zukünftiges. Jutta: «Die Zukunft sind die Alten, denn sie tragen zeitlich als Nächste, das Projekt (durch) in die geistige Welt.»


Mehr unter Klostersee.

Eine Diplomarbeit von Lena Wietheger, auf der Hofwebseite des Hofes zu finden, beschreibt ausführlich das Leben auf dem Hof.

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